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Lungenembolie Risikostratifizierung nach ESC-Leitlinie 2019

Die ESC-Leitlinie 2019 zur Diagnostik und Therapie der akuten Lungenembolie definiert ein 4-stufiges Risikostratifizierungsmodell, das die Wahl des initialen Therapiepfads bestimmt. Der PESI und der sPESI sind hierbei zentrale Instrumente in der Gruppe hämodynamisch stabiler Patienten.

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ESC 2019: Vier Risikokategorien

RisikokategorieHämodynamiksPESIRV-DysfunktionTroponinTherapiepfad
Hohes RisikoInstabil (Schock/Hypotension)nicht bewertetJaJaSofortige Reperfusion (Lyse/Embolektomie)
Intermediär-hochStabil≥ 1JaJaStationär, enges Monitoring, Rescue-Lyse vorbereiten
Intermediär-niedrigStabil≥ 1Ja oder erhöht (nicht beides)oder erhöhtStationär, Antikoagulation
NiedrigStabil0NeinNeinAmbulante Behandlung prüfen
PESI Score Rechner – Lungenembolie-Risikoindex

PESI Score Rechner – Lungenembolie-Risikoindex

Validierter Score zur Prognose der 30-Tage-Mortalität und Identifizierung von Low-Risk-Patienten bei akuter Lungenembolie.

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Demografische Merkmale

Alter
Geschlecht

Begleiterkrankungen

Anamnestisch bekannte Krebserkrankung
Anamnestisch bekannte Herzinsuffizienz
Anamnestisch bekannte chronische Lungenerkrankung

Klinische Befunde

Pulsfrequenz ≥ 110 Schläge/min
Systolischer Blutdruck < 100 mmHg
Atemfrequenz ≥ 30/min
Körpertemperatur < 36°C
Bewusstseinsstörungen
Definiert als Desorientierung, Lethargie, Stupor oder Koma.
Arterielle Sauerstoffsättigung < 90 %
Mit und ohne Sauerstoffgabe

Diagnostischer Algorithmus (vereinfacht)

Schritt 1: Hämodynamische Stabilität prüfen Schock oder anhaltende Hypotonie (systolischer RR < 90 mmHg): Sofortige Reperfusionstherapie ohne weitere Risikoabstufung.

Schritt 2: Klinische Risikostratifizierung (PESI/sPESI) sPESI = 0: Niedrigrisiko-Pfad initiieren, weiter mit Schritt 3. sPESI ≥ 1: Stationäre Aufnahme, weiter mit bildgebender RV-Beurteilung.

Schritt 3: Bildgebende und laborchemische Befunde Echokardiographie oder CT-PA: RV/LV-Quotient > 0,9 entspricht RV-Dysfunktion. Troponin I oder T: Erhöhung entspricht Myokardschädigung.

Schritt 4: Risikozuweisung RV-Dysfunktion + Troponin erhöht: Intermediär-hohes Risiko. Nur ein Parameter positiv: Intermediär-niedriges Risiko. Beide negativ (auch bei sPESI = 0): Niedrigrisiko, ambulante Therapie prüfen.

PESI und sPESI im Algorithmus

Der PESI oder sPESI dient als erster klinischer Filter im ESC-Algorithmus. Er identifiziert Patienten mit sehr niedrigem Mortalitätsrisiko, bei denen aufwändige bildgebende Diagnostik das Ergebnis in der Regel nicht ändert. Bei sPESI ≥ 1 sind Echokardiographie und Troponin für die endgültige Risikoeinstufung erforderlich.

Leitlinien-Empfehlungsgrade (ESC 2019)

EmpfehlungKlasseLevel
Initiale Risikostratifizierung bei allen LE-PatientenIC
PESI oder sPESI für Niedrigrisiko-IdentifikationIB
Ambulante Behandlung bei Niedrigrisiko-LEIIaA
RV-Beurteilung auch bei sPESI = 0IIaB
DOACs gegenüber VKA bei akuter LEIA

Einschränkungen

  • Das ESC-Modell setzt klinische und apparative Befunde voraus, die nicht in allen Settings gleichermaßen verfügbar sind (z. B. kein Echo in kleinen Notaufnahmen).
  • Die intermediäre Risikogruppe ist heterogen; das Entscheidungsfenster für eine Rescue-Lyse ist eng und erfordert engmaschiges klinisches Monitoring.
  • Neuere Daten (post-2019) unterstützen zunehmend die RV-Beurteilung auch bei sPESI = 0.

Häufige Fragen

Wann ist eine Thrombolyse bei Lungenembolie indiziert? Systemische Thrombolyse ist nach ESC 2019 (Klasse I B) für hämodynamisch instabile Patienten (hohes Risiko) vorgesehen. Bei intermediär-hohem Risiko ist Rescue-Thrombolyse bei klinischer Verschlechterung trotz Antikoagulation zu erwägen.

Was ist der Unterschied zwischen LE-Risikostratifizierung und LE-Schweregrad? Die ESC-Risikostratifizierung bezieht sich auf das kurzfristige Mortalitätsrisiko, nicht auf die bildgebende Ausdehnung der Embolie. Klinischer Zustand und RV-Belastung sind prognostisch relevanter als die Thrombusgröße.

Gibt es eine neuere ESC-Leitlinie nach 2019? Die ESC-Leitlinie 2019 ist die aktuell gültige europäische Referenz für Deutschland. Fokus-Updates wurden für spezifische Aspekte publiziert; eine vollständige Revision ist geplant, aber noch nicht erschienen.

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Quellen

  • Konstantinides SV et al. 2019 ESC Guidelines for the diagnosis and management of acute pulmonary embolism. Eur Heart J. 2020;41(4):543–603. doi:10.1093/eurheartj/ehz405.
  • DGK. Pocket-Leitlinie: Management der akuten Lungenembolie (Version 2019). leitlinien.dgk.org.
  • Jimenez D et al. Prognostic significance of echocardiography in patients with PE after adjustment for PESI. Eur Respir J. 2013;41:1151–1157.
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