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MDQ in der Hausarztpraxis: Integration in den Praxisalltag

Der MDQ ist ein 13-Item-Selbstbeurteilungsfragebogen, der vom Patienten in 5–10 Minuten ohne ärztliche Begleitung ausgefüllt werden kann. Er ist für die Integration in den Praxisablauf optimiert — und kann die diagnostische Treffsicherheit bei affektiven Störungen erhöhen.

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Schritt-für-Schritt: MDQ im Praxisalltag

1. Patientenselektion: Nicht jeder Patient mit Stimmungsstörung benötigt ein MDQ-Screening. Geeignet bei:

  • Depressiver Episode mit unklarem Verlauf oder atypischen Merkmalen
  • Mehr als 2 depressiven Episoden in der Vorgeschichte
  • Unzureichendes Ansprechen auf Antidepressiva (nach 6–8 Wochen)
  • Vor Beginn einer neuen Antidepressiva-Therapie bei Risikofaktoren
  • Jüngere Patienten mit affektiven Störungen (< 35 Jahre)

2. Fragebogenausgabe: MDQ im Wartezimmer oder vor dem Arztgespräch ausfüllen lassen. Digitale Version verfügbar (z.B. in Mediately).

3. Auswertung durch Arzt: Drei Kriterien prüfen:

  • ≥ 7 von 13 Items mit "Ja" beantwortet?
  • War "vieles davon gleichzeitig" präsent?
  • Hat es "mäßige" oder "schwerwiegende" Probleme verursacht?

4. Konsequenz:

  • Negativ → Antidepressiva-Therapie oder abwartendes Vorgehen wie geplant
  • Positiv → Psychiatrisches Konsil; Antidepressiva-Monotherapie zurückhalten
Mood Disorder Questionnaire

Mood Disorder Questionnaire

Screening auf eine bipolare Störung

Mood Disorder Questionnaire
Anweisungen: Beantworten Sie bitte jede Frage so gut, wie es Ihnen möglich ist.
1. Gab es jemals eine Zeit, in der Sie nicht Sie selbst waren und …
… Sie sich so gut oder überdreht fühlten, dass andere dachten, dass Sie irgendwie anders als gewöhnlich sind, oder waren Sie so aufgedreht, dass Sie in Schwierigkeiten gerieten?

Kommunikation des MDQ-Ergebnisses mit dem Patienten

Ein positiver MDQ ist keine Diagnose — das sollte dem Patienten erklärt werden:

"Der Fragebogen zeigt Hinweise auf Symptome, die bei einer bestimmten Art von Stimmungsstörung vorkommen können. Damit ich Ihnen die bestmögliche Behandlung anbieten kann, möchte ich Sie zur Fachärztin/zum Facharzt für Psychiatrie überweisen. Das ist kein Grund zur Beunruhigung — es ist eine Vorsichtsmaßnahme, um die richtige Therapie zu finden."

Dokumentation

Der MDQ-Befund sollte in der Patientenakte dokumentiert werden:

  • Datum der Erhebung
  • Rohwert (Anzahl positive Items)
  • Kriterien für Gleichzeitigkeit und Funktionsverlust erfüllt: ja/nein
  • Konsequenz (Überweisung veranlasst / kein Handlungsbedarf)

Einschränkungen

  • MDQ ist primär in psychiatrischen Populationen validiert — Spezifität in der Allgemeinpraxis kann geringer sein (mehr falsch-positive Ergebnisse).
  • ADHS und Substanzmissbrauch können zu falsch-positiven MDQ-Ergebnissen führen — dies bei der Interpretation berücksichtigen.
  • MDQ ersetzt keine strukturierte psychiatrische Diagnostik; er verbessert nur den Zugang dazu.

Häufige Fragen

Wie oft tritt ein positiver MDQ-Befund in der Hausarztpraxis auf? Studien aus der Primärversorgung zeigen MDQ-Positivrate von 3–5 % bei unselektierten Patienten; bei Patienten, die wegen Depression vorstellig werden, bis zu 10–20 %. Nicht jeder positive MDQ wird psychiatrisch bestätigt.

Kann der Hausarzt den MDQ selbst erheben, ohne dass der Patient ihn ausfüllt? Der MDQ ist als Selbstbeurteilungsinstrument konzipiert. Eine Interview-Version existiert, ist aber aufwendiger. Die Selbstausfüll-Version ist praxistauglicher.

Gibt es eine gesonderte Abrechnungsziffer für MDQ-Screening in der Hausarztpraxis? Spezifische GOP für MDQ gibt es nicht. Screening-Gespräche können über allgemeine hausärztliche Beratungsleistungen (z.B. GOP 03230, 03000) abgerechnet werden; psychiatrische Komplexleistungen werden beim Facharzt abgerechnet. Prüfen Sie aktuelle Abrechnungsbestimmungen mit der KV.

Quellen

  • Hirschfeld RM et al. Am J Psychiatry. 2000.
  • S3-Leitlinie Bipolare Störungen. DGPPN 2019.
  • Das AK et al. Screening for bipolar disorder in a primary care practice. JAMA. 2005.
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