Mood Disorder Questionnaire: Screening auf bipolare Störung
Der Mood Disorder Questionnaire (MDQ) ist ein validiertes Selbstbeurteilungsinstrument zum Screening auf bipolare Störung. Er besteht aus 13 Ja/Nein-Fragen zu manischen und hypomanen Symptomen sowie zwei Ergänzungsfragen zur klinischen Relevanz.
MDQ: Aufbau und Auswertung
Teil 1: 13 Ja/Nein-Fragen zu Symptomen aus dem manischen/hypomanen Spektrum (z.B. gedrängtes Sprechen, vermindertes Schlafbedürfnis, Größengefühle, Reizbarkeit, gesteigerter Antrieb).
Teil 2: Sind mehrere dieser Symptome jemals gleichzeitig aufgetreten? (Ja/Nein)
Teil 3: Wie stark haben diese Symptome Probleme verursacht? (Keine / Gering / Mäßig / Erheblich)
Positives Screening-Ergebnis (alle drei Bedingungen erfüllt):
- ≥7 von 13 Fragen mit Ja beantwortet
- Gleichzeitiges Auftreten: Ja
- Probleme mindestens mäßig (Stufe 2 oder 3)
Sensitivität für Bipolar-I ca. 70–80%, Spezifität ca. 90%.
Mood Disorder Questionnaire
Screening auf eine bipolare Störung
Klinische Anwendung
- Screening in psychiatrischen und hausärztlichen Ambulanzen
- Abklärung bei Patienten mit rezidivierender Depression und Verdacht auf bipolaren Verlauf
- Ergänzendes Instrument bei Therapieresistenz unter Antidepressiva
- Strukturierung der Erstanamnese bei affektiven Störungen
- Verlaufsdokumentation in der psychiatrischen Praxis
Einschränkungen
- MDQ ist ein Screening-Instrument, kein diagnostisches Tool; ein positives Ergebnis erfordert klinische Bestätigung
- Falsch-Positiv-Rate ist relevant, besonders bei Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung oder ADHS
- MDQ unterschätzt Bipolar-II im Vergleich zu Bipolar-I (niedrigere Sensitivität für Bipolar-II ca. 50%)
- Selbstbeurteilung ist anfällig für Underreporting in depressiven Phasen
Häufige Fragen
Was ist ein positives MDQ-Ergebnis? ≥7 Ja-Antworten bei Teil 1, gleichzeitiges Auftreten mehrerer Symptome (Teil 2: Ja) und mindestens mäßige Probleme (Teil 3: Stufe ≥2). Alle drei Bedingungen müssen erfüllt sein.
Kann MDQ Bipolar-II erkennen? Weniger zuverlässig als für Bipolar-I. Die Sensitivität für Bipolar-II liegt in Studien bei ca. 50%; ein negatives MDQ schließt Bipolar-II nicht aus.
Was sind die nächsten Schritte nach positivem MDQ? Klinische psychiatrische Beurteilung; strukturierte Diagnostik mit SCID oder MINI; Abklärung organischer Ursachen (Schilddrüse, Substanzmissbrauch).
Abschließender Hinweis
Das Tool führt durch den MDQ und wertet das Ergebnis nach den Originalkriterien aus. Die klinische Diagnose einer bipolaren Störung erfordert eine Fachbeurteilung.
Quellen
- Hirschfeld RMA et al. Development and validation of a screening instrument for bipolar spectrum disorder: the Mood Disorder Questionnaire. Am J Psychiatry. 2000
- S3-Leitlinie Bipolare Störungen. DGPPN 2019
- Ghaemi SN et al. Sensitivity and specificity of the MDQ. J Clin Psychiatry. 2005
