Prämorbide mRS: Baseline-Funktionsstatus vor dem Schlaganfall
Die prämorbide mRS — also der funktionelle Status des Patienten vor dem akuten Schlaganfall — ist ein entscheidender Parameter für Therapieentscheidungen, Einschlusskriterien klinischer Studien und die Festlegung realistischer Rehabilitationsziele.
Modified Rankin Scale (mRS) – Schlaganfall
Behinderungsgrad nach Schlaganfall: Skala 0–6
Modifizierte Rankin-Skala
Überhaupt keine Symptome
Keine nennenswerte Behinderung trotz der Symptome: in der Lage, alle üblichen Aufgaben und Tätigkeiten zu verrichten
Leichte Behinderung: nicht in der Lage, alle bisherigen Tätigkeiten auszuführen, aber in der Lage, sich ohne fremde Hilfe um seine Angelegenheiten zu kümmern
Mäßige Behinderung: benötigt etwas Hilfe, kann aber ohne Hilfe gehen
Mittelschwere Behinderung: nicht in der Lage, ohne Hilfe zu gehen, und nicht in der Lage, sich selbst zu versorgen
Schwerstbehinderung: bettlägerig, inkontinent, ständige Pflege und Betreuung erforderlich
Tot
Warum die prämorbide mRS wichtig ist
Therapieentscheidung: In Thrombektomie-Studien (MR CLEAN, DAWN, DEFUSE-3) ist ein prämorbider mRS ≤ 1 ein Einschlusskriterium. Patienten mit prämorbiden mRS ≥ 2 (z. B. Demenz, schwere Herzinsuffizienz, Apoplex-Vorgeschichte) wurden in diesen Studien ausgeschlossen — die Evidenz für diese Gruppe ist daher begrenzt.
Outcomebeurteilung: Ein Patient mit prämorbider mRS 2 kann nach Schlaganfall maximal wieder auf mRS 2 kommen — nicht auf mRS 0. Das Therapieziel ist die Rückkehr zum prämorbiden Status, nicht zum theoretisch besten Ergebnis.
Sozialmedizinische Begutachtung: Schlaganfallbedingte Einschränkungen werden von vorbestehenden Behinderungen abgegrenzt. Die prämorbide mRS ist die Referenz.
Wie die prämorbide mRS erhoben wird
- Fremdanamnese bei Angehörigen oder Pflegepersonal (oft zuverlässiger als Patientenselbstauskunft)
- Arztbriefe, Entlassungsberichte, Hausarztunterlagen
- Befragung: „Was konnte der Patient in den letzten 2 Wochen vor dem Schlaganfall selbst tun?"
Prämorbide mRS und Thrombektomie
| Prämorbide mRS | Klinische Bedeutung | Thrombektomie |
|---|---|---|
| 0–1 | Unabhängig; vollständige Alltagsaktivitäten | Standard-Einschlusskriterium |
| 2 | Leicht eingeschränkt; selbständig | Individuelle Entscheidung |
| ≥ 3 | Vorbestehende Abhängigkeit | In der Regel ausgeschlossen; Einzelfallentscheidung |
Häufige Fragen
Ein Patient mit prämorbider mRS 2 erleidet einen schweren Schlaganfall — lohnt die Thrombektomie? Die Evidenz aus Studien gilt primär für prämorbide mRS ≤ 1. Bei prämorbider mRS 2 ist der potenzielle Nutzen (Rückkehr auf mRS 2) weniger eindeutig. Die Entscheidung erfordert eine individuelle Risiko-Nutzen-Abwägung und den Patientenwillen.
Kann die prämorbide mRS retrospektiv erhoben werden? Ja — Fremdanamnese ist der Standard. Studien zeigen, dass eine retrospektive Erhebung durch Befragung von Angehörigen valide ist, wenn der Patient selbst nicht Auskunft geben kann.
mRS prämorbid und aktuell dokumentieren
Rufen Sie die Modified Rankin Scale in Mediately auf, um Baseline und aktuellen Funktionsstatus zu erfassen.
