mRS-Skala: Punkte bestimmen und Behinderungsgrad einschätzen
Die korrekte Einstufung auf der Modified Rankin Scale erfordert eine strukturierte Befragung des Patienten zu Selbstständigkeit und funktionellen Einschränkungen. Die Grenzen zwischen den Stufen sind klinisch definiert und für eine zuverlässige Beurteilung klar abzugrenzen.
mRS-Stufenabgrenzung: Klinische Schlüsselfragen
mRS 0 vs. 1: Haben sich Symptome vollständig zurückgebildet? Bei mRS 1 bestehen noch Symptome (z.B. leichte Schwäche, Taubheit), die aber nicht zu Aktivitätseinschränkungen führen.
mRS 1 vs. 2: Kann der Patient alle Aktivitäten ausführen, die er vor dem Schlaganfall ausgeführt hat? Bei mRS 2: nicht alle früheren Aktivitäten möglich, aber Selbstversorgung ohne fremde Hilfe.
mRS 2 vs. 3: Benötigt der Patient für tägliche Aktivitäten (Ankleiden, Körperpflege) Hilfe? Bei mRS 3: Hilfe nötig, aber eigenständiges Gehen möglich.
mRS 3 vs. 4: Kann der Patient allein gehen (mit oder ohne Hilfsmittel)? Bei mRS 4: Gehen nur mit Hilfe einer Person; Körperpflege nicht selbstständig.
mRS 4 vs. 5: Ist der Patient dauerhaft bettlägerig und inkontinent? Bei mRS 5: permanente Pflegebedürftigkeit.
Modified Rankin Scale (mRS) – Schlaganfall
Behinderungsgrad nach Schlaganfall: Skala 0–6
Modifizierte Rankin-Skala
Überhaupt keine Symptome
Keine nennenswerte Behinderung trotz der Symptome: in der Lage, alle üblichen Aufgaben und Tätigkeiten zu verrichten
Leichte Behinderung: nicht in der Lage, alle bisherigen Tätigkeiten auszuführen, aber in der Lage, sich ohne fremde Hilfe um seine Angelegenheiten zu kümmern
Mäßige Behinderung: benötigt etwas Hilfe, kann aber ohne Hilfe gehen
Mittelschwere Behinderung: nicht in der Lage, ohne Hilfe zu gehen, und nicht in der Lage, sich selbst zu versorgen
Schwerstbehinderung: bettlägerig, inkontinent, ständige Pflege und Betreuung erforderlich
Tot
Klinische Anwendung
- Strukturierte Erhebung am Krankenbett oder per Telefon-Follow-up (nach 90 Tagen)
- Dokumentation des prämorbiden mRS vor Schlaganfall als Ausgangswert
- Verlaufserhebung für Qualitätssicherung und Studien
- Grundlage für Rehaziele und interdisziplinäre Behandlungsplanung
Einschränkungen
- Stufenübergänge sind klinisch interpretationsbedürftig; Schulung reduziert Variabilität
- Aphasische Patienten sind schwierig einzuschätzen; Fremdanamnese oder standardisiertes Interview erforderlich
- Kognitive Einschränkungen können die Selbstauskunft verzerren
- mRS erfasst nicht spezifische Domänen wie Sprache, Kognition oder Stimmung
Häufige Fragen
Wie wird der prämorbide mRS vor einem Schlaganfall erhoben? Retrospektiv durch strukturierte Befragung des Patienten oder der Angehörigen zum Funktionsstatus vor dem Ereignis. Wichtig für die Interpretation des Outcome-mRS.
Kann die mRS per Telefon erhoben werden? Ja. Das strukturierte Rankin Scale Interview (RSI) wurde für die telefonische Erhebung validiert und wird in großen Studien routinemäßig eingesetzt.
Welche Hilfsmittel zählen nicht als "Hilfe durch eine Person" bei mRS 3? Gehhilfen (Stock, Rollator) zählen nicht als Hilfe durch eine Person. Bei mRS 3 kann der Patient allein gehen (ggf. mit Hilfsmittel), benötigt aber Unterstützung bei Alltagsaufgaben.
Abschließender Hinweis
Das Tool führt durch strukturierte Fragen zur mRS-Einstufung und gibt den Stufenwert mit Beschreibung aus.
Quellen
- van Swieten JC et al. Stroke. 1988
- Wilson JT et al. Structured interviews for the Glasgow Outcome Scale and the modified Rankin Scale. Neurology. 2002
- DGN S2k-Leitlinie Schlaganfall. 2022
