Padua-Score und Blutungsrisiko: Kontraindikationen zur TEV-Prophylaxe
Der Padua-Score identifiziert Patienten mit hohem TEV-Risiko — die Prophylaxeentscheidung erfordert aber immer auch die Abwägung des individuellen Blutungsrisikos. Bei hohem Blutungsrisiko überwiegt der Schaden die Prophylaxe, und mechanische Maßnahmen treten in den Vordergrund.
Padua Score – VTE-Risiko Hospitalisierte
Thromboserisiko internistischer Patienten: ≥4 Punkte = hoch
Absolute Kontraindikationen zur pharmakologischen Prophylaxe
- Aktive größere Blutung (gastrointestinal, intrakraniell, retroperitoneal)
- Schwere Thrombozytopenie (PLT < 50.000/mm³)
- Schwere Koagulopathie (INR > 2,5, aPTT deutlich verlängert — außer therapeutische Antikoagulation)
- Intrakranielle oder spinale OP in letzten 24–48 Stunden
- Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT) — hier Fondaparinux oder Argatroban
Blutungsrisiko-Score: IMPROVE-HEM
Der IMPROVE-HEM-Score quantifiziert das Blutungsrisiko bei hospitalisierten Patienten:
| Risikofaktor | Punkte |
|---|---|
| Aktives Magen-Darm-Ulkus | 4,5 |
| Blutung in den letzten 3 Monaten | 4 |
| PLT < 50.000/mm³ | 4 |
| Alter > 85 Jahre | 3,5 |
| Leberinsuffizienz (INR > 1,5) | 2,5 |
| CrCl < 30 ml/min | 2,5 |
| Aufnahme auf ICU/IMC | 2,5 |
| ZVK | 2 |
| Rheumatoide Arthritis | 2 |
| Aktive Krebserkrankung | 2 |
| Männliches Geschlecht | 1 |
Score > 7 → Hohes Blutungsrisiko → Mechanische Prophylaxe bevorzugen.
Mechanische Prophylaxe als Alternative
Intermittierende pneumatische Kompression (IPC):
- Wirksamkeitsreduktion TVT um ca. 50–60 % gegenüber keiner Prophylaxe
- Kein Blutungsrisiko
- Indiziert bei Kontraindikation gegen pharmakologische Prophylaxe
Kompressionsstrümpfe:
- Wirksamer bei distaler als proximaler TVT
- Als alleinige Maßnahme bei hohem Risiko unzureichend
- Kontraindikationen: pAVK, Neuropathie, Dermatitis
Häufige Fragen
Patient mit Padua-Score 5 und aktiver gastrointestinaler Blutung — was tun? Das Blutungsrisiko überwiegt klar. Pharmakologische Prophylaxe ist kontraindiziert. IPC der Beine ist die Alternative. Sobald die Blutung gestoppt ist (meist 24–48 h nach Blutstillung), pharmakologische Prophylaxe neu evaluieren.
Wie lange nach intrakranieller Operation kann mit NMH begonnen werden? Je nach Eingriff und Blutungsrisiko: bei risikoarmen Eingriffen (z. B. Liquorshunt) nach 24 h, bei Kraniotomien nach 48–72 h, nach Absprache mit dem Neurochirurgen.
Padua-Score und Blutungsrisiko abwägen
Rufen Sie den Padua-Score in Mediately auf — die Prophylaxeentscheidung integriert immer das individuelle Blutungsrisiko.
