Schneller nach Medikamenten suchen. Checker für Wechselwirkungen probieren.
Schneller nach Medikamenten suchen. Checker für Wechselwirkungen probieren.

Padua-Score und Kontraindikationen: Wenn Antikoagulation Nicht Möglich ist

Ein hoher Padua-Score (≥ 4) indiziert die pharmakologische VTE-Prophylaxe — aber Blutungsrisiko und Kontraindikationen gegen Antikoagulanzien müssen parallel bewertet werden. Bei Kontraindikation treten mechanische Maßnahmen in den Vordergrund.

Padua-Score berechnen →

Absolute Kontraindikationen gegen pharmakologische VTE-Prophylaxe

KontraindikationBegründung
Aktive Blutung (größer als geringfügig)Antikoagulation verstärkt Blutung unmittelbar
Thrombozytopenie < 50.000/µlHämostaseinsuffizienz; Blutungsrisiko deutlich erhöht
Schwere Koagulopathie (INR > 3, PTT > 80 s ohne Heparintherapie)Systemischer Gerinnungsdefekt
Aktive Hirnblutung (< 48–72 h)Intrakranielle Blutungsgefahr
Spinale oder epidurale Punktion < 12–24 hSpinales Hämatom-Risiko

Relative Kontraindikationen — Individuelle Abwägung

KontraindikationVorgehen
Gastrointestinale Blutung < 4 WochenBlutungsquelle saniert? Engmaschige Überwachung; niedrigste wirksame NMH-Dosis erwägen
Thrombozytopenie 50.000–100.000/µlIndividuelle Entscheidung; engmaschige Thrombozytenkontrolle
Schwere Niereninsuffizienz (CrCl < 20 mL/min)Unfraktioniertes Heparin oder mechanische Prophylaxe
Aktive Antikoagulation mit DOAK oder VKAKeine doppelte Antikoagulation; Prophylaxedosis entfällt bei therapeutischer Antikoagulation
Padua Score – VTE-Risiko Hospitalisierte

Padua Score – VTE-Risiko Hospitalisierte

Thromboserisiko internistischer Patienten: ≥4 Punkte = hoch

Niedriges VTE-Risiko
Antippen, um mehr zu sehen
0
Aktive Krebserkrankung
Patienten, bei denen Lokal- oder Fernmetastasen vorliegen und/oder in den letzten 6 Monaten eine Chemotherapie oder Strahlentherapie durchgeführt wurde
Frühere VTE (ausgenommen eine oberflächliche Venenthrombose)
Eingeschränkte Beweglichkeit
Bettruhe für mindestens 3 Tage (entweder aufgrund von Einschränkungen des Patienten oder auf ärztliche Anweisung) mit Erlaubnis zur selbstständigen Toilettenbenutzung
Bereits bekannte Thrombophilie
Antithrombin-Defekt, Protein-C- oder Protein-S-Mangel, Faktor‑V-Leiden-Mutation, G20210A-Prothrombin-Mutation, Antiphospholipid-Syndrom
Vor Kurzem (≤ 1 Monat) aufgetretenes Trauma und/oder durchgeführter chirurgischer Eingriff
Ältere Menschen (≥ 70 Jahre)
Herz- und/oder Ateminsuffizienz
Akuter Myokardinfarkt oder akuter ischämischer Insult
Akute Infektion und/oder rheumatische Erkrankung
Adipositas (BMI ≥ 30)
Laufende Hormonbehandlung

Mechanische VTE-Prophylaxe bei Kontraindikation

Wenn pharmakologische Prophylaxe nicht möglich:

Graduierte Kompressionsstrümpfe (GKS):

  • Klasse I (15–21 mmHg) oder II (23–32 mmHg)
  • Kontraindikation: Arterielle Verschlusskrankheit (ABI < 0,5), schwere Herzinsuffizienz, Hautläsionen
  • Wirksamkeit geringer als NMH; sinnvoll als Überbrückung

Intermittierende Pneumatische Kompression (IPK/SCD):

  • Effektiver als Kompressionsstrümpfe bei bettlägerigen Patienten
  • Keine Kontraindikation bei Niereninsuffizienz
  • Kontraindiziert bei bestehendem tiefen Venenthrombose (Embolierisiko!)

Strategie bei Thrombozytopenie unter Heparin (HIT)

  • Sofortige Heparin-Abnahme bei HIT-Verdacht (Thrombozytensturz > 50 % unter Heparin)
  • Wechsel auf Argatroban (DTI, i.v.) oder Fondaparinux
  • Keine DOACs in der Akutphase (nicht HIT-validiert)
  • Hämatologen einbeziehen

Einschränkungen

  • Das Blutungsrisiko muss ebenso strukturiert bewertet werden wie das Thromboserisiko — IMPROVE-Bleeding-Score oder institutionelle Checklisten sind hilfreich.
  • Bei relativen Kontraindikationen ist die Entscheidung individuell und sollte dokumentiert werden.
  • Mechanische Maßnahmen ersetzen pharmakologische Prophylaxe nicht vollständig.

Häufige Fragen

Ist bei gastrointestinaler Blutung vor 3 Wochen eine NMH-Prophylaxe vertretbar? Wenn die Blutungsquelle endoskopisch saniert ist und keine Rezidivzeichen bestehen, ist eine NMH-Prophylaxe in niedrigster Dosis mit engmaschigem Monitoring (tägliche Hb-Kontrolle) in Einzelfällen vertretbar. Interdisziplinäre Absprache mit Gastroenterologie ist empfohlen.

Kann ein Patient mit IPK alleine nach Hause? IPK ist ein stationäres Instrument; zur ambulanten VTE-Prophylaxe ist es nicht geeignet. Nach Entlassung sind — wenn möglich — NMH oder mechanische Kompressionsstrümpfe das Mittel der Wahl.

Wann wird Thromboseprophylaxe nach Abklingen der Kontraindikation wieder aufgenommen? Sobald die Kontraindikation aufgehoben ist (Blutung saniert, Thrombozyten > 75.000–100.000/µl, Antikoagulanzienüberhang abgebaut): sofortige Wiederaufnahme der NMH-Prophylaxe. Keine starre Wartezeit ohne klinische Grundlage.

Quellen

  • Barbar S et al. Blood. 2010.
  • AWMF S3-Leitlinie Prophylaxe der venösen Thromboembolie. 2015.
  • Kahn SR et al. Prevention of VTE in nonsurgical patients. Chest. 2012.
Drugs app phone

Mediately App verwenden

Schnellerer Zugriff auf Medikamenteninformationen.

Mit der Handykamera scannen.
4.9

Über 36k bewertungen

Mediately App verwenden

Schnellerer Zugriff auf Medikamenteninformationen.

4.9

Über 36k bewertungen

Installieren

Mehr als nur Arzneimittelinformationen mit Mediately PRO

Lösen Sie Wechselwirkungen, sehen Sie sich Nutzungsbeschränkungen an und finden Sie alle anderen Antworten mit Ihrer KI-Assistentin Elly.

Preveri, kaj ponuja PRO
Wir verwenden Cookies Cookies helfen uns, unsere Website bestmöglich zu nutzen. Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen über die Verwendung von Cookies finden Sie in unserer Cookie-Richtlinie.