Padua-Score bei Krebspatienten: TEV-Prophylaxe in der Onkologie
Krebspatienten haben ein 4- bis 7-fach erhöhtes TEV-Risiko gegenüber der Allgemeinbevölkerung. Der Padua-Score gewichtet aktive Krebserkrankung mit 3 Punkten — zusammen mit Immobilisierung (3 Punkte) wird der Schwellenwert für die Prophylaxe (≥ 4) bei fast jedem hospitalisierten Krebspatienten erreicht.
Padua Score – VTE-Risiko Hospitalisierte
Thromboserisiko internistischer Patienten: ≥4 Punkte = hoch
Pathomechanismus: Warum Krebs das TEV-Risiko erhöht
- Tumorzellen exprimieren Gewebsfaktor (tissue factor) → aktiviert Gerinnungskaskade direkt
- Mukine (bei Pankreaskarzinom, Magenkarzinom) → direkte Thrombozytenaktivierung
- Chemotherapie → Endothelschaden, verminderte Antikoagulantien
- Zentralvenöse Katheter, Immobilisierung, Operationen
- Bestimmte Tumoren: Pankreaskarzinom, Magenkarzinom, Lunge, Kolonkarzinom, Ovar-, Nieren- und Blasenkarzinom → höchstes TEV-Risiko
Pharmakologische Prophylaxe bei stationären Krebspatienten (Padua ≥ 4)
NMH (erste Wahl bei Hospitalisierten):
- Enoxaparin 40 mg s.c. 1×/Tag
- Dalteparin 5.000 IE s.c. 1×/Tag (besonders gute Datenlage in Onkologie — CLOT-Studie)
- Tinzaparin 4.500 IE s.c. 1×/Tag
Prophylaxedauer: Während des Krankenhausaufenthalts. Bei anhaltender Immobilität oder sehr hohem Risiko (z. B. Pankreaskarzinom) extended prophylaxis mit DOAK erwägen.
Ambulante Krebspatienten: Khorana-Score
Für ambulante Krebspatienten unter Chemotherapie gilt nicht der Padua-Score — hier wird der Khorana-Score (0–6) verwendet:
| Faktor | Punkte |
|---|---|
| Tumorlokalisation: Pankreas, Magen (+2), Lunge, Lymphom, gynäkologisch, Blase, Hoden (+1) | 1–2 |
| Leukozyten > 11.000/mm³ | 1 |
| Hämoglobin < 10 g/dL oder EPO | 1 |
| Thrombozyten ≥ 350.000/mm³ | 1 |
| BMI ≥ 35 | 1 |
Khorana ≥ 2 → Prophylaxe mit DOAK (Rivaroxaban, Apixaban) oder NMH erwägen (ASCO- und ESMO-Leitlinien).
Grenzen der Prophylaxe bei Krebspatienten
- Erhöhtes Blutungsrisiko bei gastrointestinalen, urologischen und gynäkologischen Tumoren
- Thrombozytopenie durch Chemotherapie kann pharmakologische Prophylaxe temporär kontraindizieren
- Kombinationstherapie (Antikoagulation + Thrombozytenaggregationshemmer) erhöht das Blutungsrisiko
Häufige Fragen
Ein Patient mit Pankreaskarzinom und Padua-Score 6 wird nach Hause entlassen — Prophylaxe fortführen? Ja. Bei onkologischen Hochrisikopatienten (Khorana ≥ 2) empfehlen ASCO-Leitlinien 2023 eine ambulante Prophylaxe mit Rivaroxaban 10 mg/Tag oder Apixaban 2,5 mg 2×/Tag, sofern kein hohes Blutungsrisiko besteht.
Warum sind NMH in der Onkologie besonders etabliert? Die CLOT-Studie (2003) zeigte erstmals, dass Dalteparin bei Krebspatienten mit TVT die Rezidivrate signifikant besser reduziert als Warfarin. Seither sind NMH der Standard — DOAKs haben inzwischen vergleichbare Evidenz und sind einfacher zu applizieren.
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