Padua-Score in der Onkologie: VTE-Prophylaxe beim Stationären Tumorpatienten
Aktives Malignom ist das höchstgewichtete Kriterium im Padua-Score (3 Punkte). Die meisten stationären Tumorpatienten erreichen allein durch Malignom + Immobilisierung (3+3) oder weitere Komorbiditäten einen Score ≥ 4 — und damit eine eindeutige VTE-Prophylaxe-Indikation.
Warum Krebspatienten ein besonders hohes VTE-Risiko haben
Tumorpatienten haben ein 4–7-fach höheres VTE-Risiko als Nicht-Krebspatienten:
- Tumorzellen produzieren Gewebefaktor (TF) → prokoagulatorischer Zustand
- Chemotherapie aktiviert Endothel und Thrombozyten
- Bettlägerigkeit und verringerte Mobilität
- Katheter (ZVK, PICC-Linie) als zusätzlicher Risikofaktor
- Dehydratation und ernährungsbedingte Protein-S/C-Minderung
Padua-Score beim Tumorpatienten: Beispielrechnung
| Kriterium | Punkte |
|---|---|
| Aktives Malignom (Chemotherapie läuft) | 3 |
| Eingeschränkte Mobilität (Bettruhe ≥ 3 Tage) | 3 |
| Alter 72 Jahre | 1 |
| Gesamt | 7 → Hochrisiko |
→ NMH-Prophylaxe indiziert; Blutungsrisiko prüfen.
Padua Score – VTE-Risiko Hospitalisierte
Thromboserisiko internistischer Patienten: ≥4 Punkte = hoch
Ambulante Chemotherapie: Khorana-Score statt Padua
Der Padua-Score ist für stationäre internistische Patienten entwickelt. Für ambulante Chemotherapiepatienten gilt der Khorana-Score:
| Khorana-Score | Empfehlung |
|---|---|
| 0 | Keine Prophylaxe |
| 1–2 | Individuelle Abwägung |
| ≥ 3 | DOAK-Prophylaxe erwägen (Apixaban, Rivaroxaban) |
ASCO 2023 und ISTH empfehlen Apixaban oder Rivaroxaban zur ambulanten VTE-Prophylaxe bei Khorana ≥ 2.
Verlängerte Prophylaxe nach Entlassung
Für stationäre onkologische Patienten gilt:
- Prophylaxe bis zur Entlassung: Standardvorgehen
- Verlängerte Prophylaxe (bis 4–6 Wochen): empfohlen bei persistierender Immobilisierung oder hohem Tumorrisiko (Pankreas, Lunge, hämatologische Malignome)
- Instrument: NMH oder — bei ambulantem Hochrisiko — Apixaban/Rivaroxaban
Einschränkungen
- Padua gilt für stationäre, nicht ambulante onkologische Patienten.
- Trombozytopenie unter Chemotherapie erfordert individuelle Anpassung der Prophylaxedosis.
- GI-Tumore (Magen, Kolon, Rektum) haben erhöhtes Blutungsrisiko unter DOACs — in diesen Fällen NMH bevorzugen.
Häufige Fragen
Muss bei jedem stationären Krebspatienten eine NMH-Prophylaxe erfolgen? Ja, wenn Padua ≥ 4 und keine Kontraindikation. Bei Padua < 4 — was bei Krebspatienten selten ist — gilt individuelles Klinkerermessen. Mechanische Prophylaxe ergänzt pharmakologische Maßnahmen.
Sollte nach einer ambulanten PICC-Linien-Anlage eine VTE-Prophylaxe erfolgen? Katheter-assoziierte Thrombosen sind häufig bei onkologischen Patienten. Routineprophylaxe ist kontrovers; Leitlinien empfehlen sie nicht universell. Beim stationären Krebspatienten mit PICC-Linie und Padua ≥ 4 ist NMH ohnehin indiziert.
Was ist besser — NMH oder DOAK beim stationären Krebspatienten? Für die stationäre Prophylaxe gelten NMH als Standard. DOACs (Apixaban, Rivaroxaban) haben Zulassung für die VTE-Behandlung bei Krebs, aber nicht primär für die stationäre Prophylaxe in dieser Indikation.
Quellen
- Barbar S et al. Blood. 2010.
- Khorana AA et al. Development and validation of a predictive model for chemotherapy-associated thrombosis. Blood. 2008.
- ASCO. Venous Thromboembolism Prophylaxis and Treatment in Patients with Cancer. J Clin Oncol. 2023.
