PESI-Score: Risikostratifizierung bei akuter Lungenembolie
Der PESI (Pulmonary Embolism Severity Index) ist ein validiertes klinisches Instrument zur Einschätzung des 30-Tage-Mortalitätsrisikos bei akuter Lungenembolie. Die ESC-Leitlinie 2019 empfiehlt den PESI oder den vereinfachten sPESI als Grundlage der initialen Risikostratifizierung bei hämodynamisch stabilen Patienten.
PESI-Eingabeparameter
| Variable | Punkte |
|---|---|
| Alter | + 1 Punkt pro Lebensjahr |
| Männliches Geschlecht | +10 |
| Aktive Krebserkrankung | +30 |
| Herzinsuffizienz in der Vorgeschichte | +10 |
| Chronische Lungenerkrankung | +10 |
| Herzfrequenz ≥ 110/min | +20 |
| Systolischer Blutdruck < 100 mmHg | +30 |
| Atemfrequenz ≥ 30/min | +20 |
| Körpertemperatur < 36 °C | +20 |
| Bewusstseinsveränderung | +60 |
| O2-Sättigung < 90 % | +20 |
Baseline: Patientenalter in Jahren (z. B. 68-jähriger Patient: Ausgangsscore 68 Punkte).
PESI Score Rechner – Lungenembolie-Risikoindex
Validierter Score zur Prognose der 30-Tage-Mortalität und Identifizierung von Low-Risk-Patienten bei akuter Lungenembolie.
Demografische Merkmale
Begleiterkrankungen
Klinische Befunde
Risikoklassen und 30-Tage-Mortalität
| Klasse | Score | Risiko | 30-Tage-Mortalität |
|---|---|---|---|
| I | ≤ 65 | Sehr niedrig | 0,0–1,6 % |
| II | 66–85 | Niedrig | 1,7–3,5 % |
| III | 86–105 | Mittel | 3,2–7,1 % |
| IV | 106–125 | Hoch | 4,0–11,4 % |
| V | ≥ 126 | Sehr hoch | 10,0–24,5 % |
PESI-Klassen I und II entsprechen dem Niedrigrisiko-Profil; diese Patienten kommen nach ESC 2019 für eine ambulante Behandlung in Betracht.
Klinische Anwendung
- Initiale Risikostratifizierung nach gesicherter LE-Diagnose bei hämodynamisch stabilen Patienten
- Entscheidungsunterstützung zur ambulanten vs. stationären Behandlung (Klasse I–II vs. III–V)
- Prognosekommunikation und Therapieplanung in der Notaufnahme und internistischen Abteilung
Einschränkungen
- Der PESI stratifiziert das Mortalitätsrisiko, trifft aber keine Aussage über das Risiko einer hämodynamischen Dekompensation (intermediäres Risiko).
- Ergänzende Parameter (RV-Funktion im Echokardiogramm oder CT-PA, Troponin) sind für die vollständige ESC-Risikostratifizierung auch bei PESI Klasse I–II erforderlich.
- Nicht anwendbar bei hämodynamisch instabilen Patienten (Schock, Hypotension): Diese gelten per se als Hochrisiko.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen PESI und sPESI? Der vereinfachte PESI (sPESI) verwendet 6 binäre Kriterien und erlaubt eine schnellere Beurteilung am Patientenbett. Ein sPESI von 0 entspricht in etwa PESI Klasse I–II. Für eine differenziertere Risikoabstufung innerhalb des Niedrigrisikospektrums ist der originale PESI präziser.
Kann ein Patient mit PESI Klasse I immer ambulant behandelt werden? PESI Klasse I ist eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für ambulantes Management. Zusätzlich sind RV-Funktion, Troponin und die HESTIA-Kriterien zu berücksichtigen.
Welche Antikoagulation ist bei ambulanter LE-Behandlung nach ESC 2019 vorgesehen? Direkte orale Antikoagulanzien (DOACs, Empfehlung Klasse I A) gelten als Standardtherapie der akuten Lungenembolie, einschließlich der ambulanten Behandlung.
Quellen
- Aujesky D et al. Derivation and validation of a prognostic model for pulmonary embolism. Am J Respir Crit Care Med. 2005;172(8):1041–1046.
- Konstantinides SV et al. 2019 ESC Guidelines for the diagnosis and management of acute pulmonary embolism. Eur Heart J. 2020;41(4):543–603.
- DGK. Pocket-Leitlinie: Management der akuten Lungenembolie (Version 2019). leitlinien.dgk.org.
