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PESI bei Schwangerschaft: Besonderheiten der Lungenembolie in der Gravidität

Die Lungenembolie ist die häufigste nicht-geburtshilfliche Ursache der maternalen Sterblichkeit in westlichen Ländern. Der PESI-Score wurde nicht für Schwangere entwickelt und ist in der Gravidität nicht validiert — das VTE-Risiko und die Therapie folgen eigenen Pfaden.

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Warum PESI bei Schwangeren Nicht Anwendbar ist

Der PESI berücksichtigt physiologische Graviditätsveränderungen nicht:

  • Physiologische Tachykardie (ergibt PESI-Punkte ohne pathologischen Hintergrund)
  • Physiologisch niedrigerer Blutdruck im 2. Trimenon
  • Atemfrequenzveränderungen durch Zwerchfellhochstand
  • Männliches Geschlecht als Kriterium nicht relevant

Ein bei einer Schwangeren berechneter PESI hat keinen validierten prognostischen Wert.

Diagnostik bei Verdacht auf LE in der Schwangerschaft

SchrittEmpfehlung
D-DimeroGeringer Wert — in der Schwangerschaft physiologisch erhöht; negativer D-Dimer schließt LE aus, positiver nicht
Sonographie BeinErstes bildgebendes Verfahren; TVT-Nachweis genügt für Behandlungsentscheidung
CT-PulmoangiographieMethode der Wahl zur LE-Sicherung; fetale Strahlendosis akzeptabel (< 0,1 rad)
MRI/SzintigraphieAlternativen; weniger verfügbar
PESI Score Rechner – Lungenembolie-Risikoindex

PESI Score Rechner – Lungenembolie-Risikoindex

Validierter Score zur Prognose der 30-Tage-Mortalität und Identifizierung von Low-Risk-Patienten bei akuter Lungenembolie.

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Demografische Merkmale

Alter
Geschlecht

Begleiterkrankungen

Anamnestisch bekannte Krebserkrankung
Anamnestisch bekannte Herzinsuffizienz
Anamnestisch bekannte chronische Lungenerkrankung

Klinische Befunde

Pulsfrequenz ≥ 110 Schläge/min
Systolischer Blutdruck < 100 mmHg
Atemfrequenz ≥ 30/min
Körpertemperatur < 36°C
Bewusstseinsstörungen
Definiert als Desorientierung, Lethargie, Stupor oder Koma.
Arterielle Sauerstoffsättigung < 90 %
Mit und ohne Sauerstoffgabe

Behandlung der LE in der Schwangerschaft

NMH (Niedermolekulares Heparin) — Mittel der Wahl:

  • Enoxaparin gewichtsadaptiert (1 mg/kg 2×/Tag oder 1,5 mg/kg 1×/Tag) — therapeutisch
  • Überquert die Plazenta nicht → fetale Sicherheit
  • Anti-Xa-Monitoring empfohlen (Zielwert 0,6–1,0 IE/mL)

DOAKs — Kontraindiziert: Fetale Toxizität; keine Zulassung in der Schwangerschaft

Warfarin — Kontraindiziert im 1. Trimenon (Embryopathie); im 2. Trimenon möglich bei mechanischen Herzklappen, aber nicht bei LE

Thrombolyse: Nur bei lebensbedrohlicher massiver LE mit Schock — erhöhtes Blutungsrisiko (Plazenta), aber maternal lebensrettend

Peripartales Management

  • Präpartal: NMH bis 24 h vor geplantem Sectio/Geburt absetzen (oder Halbwertszeit beachten)
  • Postpartal: VTE-Risiko bleibt für 6 Wochen erhöht → Prophylaxe oder Therapiefortsetzung mit NMH; nach 6 Wochen DOAK möglich

Einschränkungen

  • Es gibt keinen validierten Score für LE in der Schwangerschaft — Entscheidungen basieren auf Expertenkonsens und Fallserien.
  • Multidisziplinäres Team (Geburtshilfe + Innere Medizin/Pneumologie + Anästhesie) ist bei akuter LE in der Schwangerschaft unerlässlich.
  • CT-Pulmonalisangiographie ist trotz fetaler Strahlenbelastung die diagnostisch zuverlässigste Methode und sollte bei klinischem Verdacht nicht zurückgehalten werden.

Häufige Fragen

Ist eine CT-Pulmonalisangiographie für das Ungeborene schädlich? Die fetale Strahlenbelastung bei CT-PA liegt bei ca. 0,03–0,13 rad — weit unter der teratogenen Schwelle von 5 rad. Das diagnostische Risiko (unerkannte LE) überwiegt bei Weitem das Strahlenrisiko.

Wie lange nach der Geburt müssen NMH fortgesetzt werden? Mindestens 6 Wochen postpartal, da das VTE-Risiko erhöht bleibt. Danach kann auf orale Antikoagulation (DOAK oder VKA) umgestellt werden. Stillen ist unter NMH sicher.

Kann eine LE in der Schwangerschaft ambulant behandelt werden? Generell nein — Schwangerschaft ist ein Ausschlusskriterium für ambulantes LE-Management nach HESTIA-Kriterien. Die Behandlung sollte stationär initiiert werden.

Quellen

  • Konstantinides SV et al. 2019 ESC Guidelines for the management of acute pulmonary embolism. Eur Heart J. 2020.
  • RCOG Green-top Guideline No. 37b. Thromboembolic Disease in Pregnancy and the Puerperium. 2015.
  • Chan WS et al. Diagnosis of deep vein thrombosis during pregnancy. Thromb Res. 2010.
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