PESI und Thrombolyse: Massive Lungenembolie und Systemische Lyse
Bei massiver Lungenembolie mit Schock oder Kreislaufinstabilität ist die sofortige systemische Thrombolyse lebensrettend — und der PESI-Score ist in dieser Situation nachrangig. Die Entscheidung zur Lyse basiert auf der Hämodynamik, nicht auf dem Punktwert.
Wann ist Thrombolyse indiziert?
Klare Indikation (ESC Klasse I):
- Obstruktiver Schock: Systolischer Blutdruck < 90 mmHg für > 15 Minuten trotz Volumen, oder Blutdruckabfall ≥ 40 mmHg
- Kreislaufstillstand mit LE-Ursache (Reanimation): sofortige Lyse
Erwägen (ESC Klasse IIa):
- Intermediäres Hochrisiko (PESI III–IV + RV-Dysfunktion + positive Biomarker): Rettungslyse bei Verschlechterung unter Antikoagulation
Nicht indiziert:
- PESI I–II ohne hämodynamische Instabilität
Thrombolyse-Schema: Alteplase (rt-PA)
Standardschema:
- Alteplase 100 mg über 2 Stunden i.v.
Reanimation / Kreislaufstillstand:
- Alteplase 0,6 mg/kg über 15 Minuten (max. 50 mg) — schnelleres Schema für Notfallsituationen
Nach Thrombolyse: UFH-Infusion erst beginnen, wenn PTT < 80 Sekunden (nach Lyse-Ende, ca. 2 Stunden).
PESI Score Rechner – Lungenembolie-Risikoindex
Validierter Score zur Prognose der 30-Tage-Mortalität und Identifizierung von Low-Risk-Patienten bei akuter Lungenembolie.
Demografische Merkmale
Begleiterkrankungen
Klinische Befunde
Absolute Kontraindikationen gegen Thrombolyse
- Hämorrhagischer Schlaganfall oder Schlaganfall unklarer Ätiologie (jemals)
- Ischämischer Schlaganfall in den letzten 6 Monaten
- Intrakranielle Neoplasie, arteriovenöse Malformation
- Aktive schwere Blutung (außer Menstruation)
- Schwere Kopfverletzung oder Hirnoperation in den letzten 3 Wochen
- Gastrointestinale Blutung im letzten Monat
Das PERT-Konzept (Pulmonary Embolism Response Team)
An spezialisierten Zentren übernimmt ein PERT (multidisziplinäres Team aus Kardiologie, Interventionsradiologie, Kardiochirurgie, Notfallmedizin) die Therapieentscheidung bei komplexen LE-Fällen:
- Katheterbasierte Therapie als Alternative/Ergänzung zur systemischen Lyse
- Chirurgische Embolektomie bei absoluten Lyse-Kontraindikationen
- ECMO bei reanimierten Patienten
Einschränkungen
- Die Entscheidung zur Thrombolyse ist immer individuell und zeitkritisch — kein Score (auch nicht PESI) kann sie ersetzen.
- Relative Kontraindikationen (Schwangerschaft, Reanimation > 10 min, schwere Hypertonie) müssen gegen die lebensbedrohliche Situation abgewogen werden.
- Kathetergestützte Therapie ist keine Alternative bei aktivem Schock — zu zeitaufwendig; systemische Lyse bleibt First-Line.
Häufige Fragen
Kann bei PESI V ohne Schock eine Thrombolyse durchgeführt werden? Ein hoher PESI V allein ohne Schock rechtfertigt keine Thrombolyse. Die Indikation ist ausschließlich der hämodynamische Status. PESI V + Schock → Lyse; PESI V ohne Schock → Antikoagulation + engmaschiges Monitoring.
Was ist der Unterschied zwischen systemischer Lyse und Katheterlyse bei LE? Systemische Lyse: Alteplase i.v. periphervenös — schnell verfügbar, sofortige Wirkung. Katheterlyse (CDT): lokale niedrig-dosierte Lyse direkt im Pulmonalarterienthrombus — weniger Blutungsrisiko, aber zeitaufwendiger. CDT ist für submasive LE (intermediär hohes Risiko ohne Schock) eine Option.
Nach erfolgreicher Reanimation bei LE: Sofortige Lyse oder zuerst Bildgebung? Sofortige Lyse ohne Bildgebung, wenn LE als Ursache klinisch wahrscheinlich ist. Die Diagnosesicherung durch CT-PA kann in der Reanimationssituation nicht abgewartet werden.
Quellen
- Konstantinides SV et al. 2019 ESC Guidelines for the management of acute pulmonary embolism. Eur Heart J. 2020.
- Aujesky D et al. Derivation and validation of a prognostic model for pulmonary embolism. Am J Respir Crit Care Med. 2005.
- DGK Pocket-Leitlinie Lungenembolie 2019.
