Medikamente und QT-Verlängerung: QTc-Kontrolle in der Praxis
Zahlreiche häufig eingesetzte Arzneimittel können das QTc-Intervall verlängern und das Risiko für Torsades de Pointes erhöhen. Die QTc-Kontrolle vor und bei entsprechender Therapie ist eine etablierte Sicherheitsmaßnahme.
QTc vor Therapiebeginn prüfen →
Arzneimittelgruppen mit QTc-Verlängerungspotenzial
Antiarrhythmika (hohes Risiko): Amiodaron, Sotalol, Chinidin, Dronedaron
Antibiotika: Azithromycin, Moxifloxacin, Ciprofloxacin, Clarithromycin
Antipsychotika: Haloperidol (besonders i.v.), Quetiapin, Ziprasidon, Thioridazin
Antidepressiva: Citalopram, Escitalopram (dosisabhängig), trizyklische Antidepressiva
Antiemetika: Ondansetron (dosisabhängig), Domperidon, Metoclopramid
Weitere: Hydroxychloroquin, Methadon, einige Tyrosinkinaseinhibitoren
Kombinationen mehrerer QT-verlängernder Substanzen sowie bestehende Elektrolytstörungen potenzieren das Risiko erheblich.
QTc Rechner – Bazett & Fridericia
Frequenzkorrigierte QT-Zeit: Normwerte ♂<440 ms · ♀<460 ms
QTc
Klinische Anwendung
- QTc-Ausgangswert vor Beginn jeder bekannt QT-verlängernden Therapie dokumentieren
- Kontrolle nach Dosisanpassung oder nach Hinzufügen einer weiteren QT-relevanten Substanz
- Bei Patienten mit Ausgangs-QTc >450 ms besondere Vorsicht
- Bei Elektrolytstörungen: Kalium und Magnesium vor und bei Therapie kontrollieren
- Bei QTc-Anstieg >60 ms vom Ausgangswert: erneute Risikoabwägung
Einschränkungen
- QTc allein ist kein präziser Prädiktor für das individuelle Arrhythmierisiko
- Pharmakogenetische Variabilität beeinflusst die Empfindlichkeit
- Arzneimittelinteraktionen erfordern eine separate Bewertung (CYP450)
- Eine abschließende Risikobewertung erfordert die Gesamtschau klinischer, laborchemischer und medikamentöser Faktoren
Häufige Fragen
Welches QTc ist der Grenzwert für eine Therapieüberprüfung? Bei QTc >500 ms oder einem Anstieg >60 ms gegenüber dem Ausgangswert wird eine erneute klinische Risikoabwägung empfohlen. Die Fachinformation des jeweiligen Arzneimittels ist maßgeblich.
Können Antibiotika allein Torsades de Pointes auslösen? Selten, aber möglich. Das Risiko steigt bei Kombination mit anderen QT-verlängernden Substanzen, bei Hypokaliämie oder vorbestehendem Long-QT-Syndrom.
Wie häufig ist das EKG bei QT-verlängernden Medikamenten zu kontrollieren? Vor Therapiebeginn, nach Dosisanpassung und bei klinisch relevanten Zustandsveränderungen. Die Häufigkeit hängt vom Substanzprofil und der klinischen Situation ab.
Abschließender Hinweis
Eine aktuelle Datenbank QT-verlängernder Arzneimittel mit Risikoklassifikation führt CredibleMeds (AzCERT). Die Fachinformationen der einzelnen Substanzen enthalten spezifische Monitoring-Empfehlungen.
Quellen
- CredibleMeds / AzCERT QTDrugs List (crediblemeds.org)
- ESC 2022 Guidelines on ventricular arrhythmias
- BfArM Rote-Hand-Briefe zu QT-relevanten Substanzen
- Rautaharju PM et al. AHA/ACCF Scientific Statement. JACC. 2009
