Medikamente mit QT-Verlängerung: Risiko und klinisches Management
Die medikamentöse QT-Verlängerung ist eine der häufigsten Ursachen für erworbene Torsades de Pointes (TdP). Viele Alltagsmedikamente haben QT-verlängerndes Potenzial — das Risiko steigt bei Kombination mehrerer Substanzen, Elektrolytstörungen und Vorbelastung.
QTc Rechner – Bazett & Fridericia
Frequenzkorrigierte QT-Zeit: Normwerte ♂<440 ms · ♀<460 ms
QTc
Wichtige QT-verlängernde Medikamente nach Kategorie
Antibiotika:
- Azithromycin (moderate Risiko; kontrovers bei Einzeldosis)
- Clarithromycin (moderat-hoch)
- Levofloxacin, Moxifloxacin (moderat-hoch; Fluorochinolone)
- Hydroxychloroquin (hoch, besonders in Kombination)
Antipsychotika:
- Haloperidol (hoch, besonders i.v.)
- Quetiapin, Olanzapin (moderat)
- Ziprasidon (moderat-hoch)
- Chlorpromazin (hoch)
Antiemetika:
- Ondansetron (moderat, dosisabhängig; reduziert < 32 mg i.v.)
- Domperidon (hoch; kontraindiziert > 50. Lebensjahr mit Risikofaktoren)
- Metoclopramid (gering-moderat)
Antidepressiva:
- Citalopram (moderat-hoch; dosisabhängig; max. 20 mg/Tag bei > 65 Jahre)
- Escitalopram (moderat)
- Trizyklische Antidepressiva (hoch)
Antiarrhythmika:
- Amiodaron (verlängert QT; TdP selten)
- Sotalol (hoch; dosisabhängig)
Risikofaktoren für TdP unter QT-Medikamenten
- Weibliches Geschlecht (2-fach höheres TdP-Risiko)
- Hypokaliämie oder Hypomagnesiämie
- Bradykardie (HF < 50/min)
- Nieren- oder Leberinsuffizienz (Akkumulation)
- Vorbestehendes verlängertes QTc (> 460 ms Männer, > 480 ms Frauen)
- Kombination mehrerer QT-verlängernder Substanzen
Klinisches Management
Vor Beginn eines QT-aktiven Medikaments:
- Baseline-QTc im EKG messen
- Elektrolyte (K+, Mg²+) bestimmen und korrigieren
- Medikamenteninteraktionen prüfen
- Bei QTc > 500 ms: Risiko-Nutzen abwägen; Alternative erwägen
Unter Therapie:
- EKG-Kontrolle nach 24–72 h (oder bei Dosiserhöhung)
- Medikament absetzen bei QTc > 500 ms oder Anstieg > 60 ms vom Ausgangswert
- Elektrolytmonitoring fortführen
Häufige Fragen
Azithromycin Einzeldosis 500 mg — EKG nötig? Bei niedrigem Risiko (keine Komorbiditäten, normales Baseline-QTc, keine Begleitmedikation) ist ein EKG nicht zwingend. Bei Risikopatienten (HF, Elektrolytstörungen, andere QT-Medikamente) ist ein Baseline-EKG sinnvoll.
Zwei QT-Medikamente kombinieren — wie viel Risiko? Das Risiko ist nicht additiv, sondern oft überadditiv. Die Kombination Azithromycin + Ondansetron + Hypokaliämie hat ein erheblich höheres TdP-Risiko als die Einzelsubstanzen.
QTc vor und unter Therapie messen
Rufen Sie den QTc-Rechner in Mediately auf, um das EKG-Monitoring bei QT-aktiven Medikamenten zu dokumentieren.
