Methylphenidat AL 20 mg Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung
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Gluten/Laktose
Laktose: Nein
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Fachinfo - Methylphenidat 20 mg
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
Methylphenidat wird im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Störungen (ADHS) bei Kindern ab einem Alter von 6 Jahren und Erwachsenen angewendet, wenn sich andere therapeutische Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen haben.
Die Behandlung muss unter Aufsicht eines Spezialisten mit Erfahrung in der Behandlung der ADHS, wie etwa einem spezialisierten Kinderarzt, einem Kinder- und Jugendpsychiater oder einem Psychiater, begonnen und durchgeführt werden.
Besondere diagnostische Erwägungen zu ADHS bei Kindern
Die Diagnose sollte anhand der DSM-Kriterien oder der Richtlinien in ICD gestellt werden und auf einer vollständigen Anamnese und Untersuchung des Patienten basieren. Die Diagnose darf sich nicht allein auf das Vorhandensein eines oder mehrerer Symptome stützen.
Die spezifische Ätiologie dieses Syndroms ist unbekannt. Ein spezifischer diagnostischer Test existiert nicht. Eine adäquate Diagnose erfordert die Berücksichtigung medizinischer und spezieller psychologischer, pädagogischer Quellen und des sozialen Umfeldes.
Eine therapeutische Gesamtstrategie umfasst in der Regel sowohl psychologische, pädagogische, soziale als auch pharmakotherapeutische
Maßnahmen und zielt auf eine Stabilisierung von Kindern mit einem Verhaltenssyndrom ab, das durch folgende Symptome charakterisiert sein kann: chronische kurze Aufmerksamkeitsspanne in der Anamnese, Ablenkbarkeit, emotionale Labilität, Impulsivität, mäßige bis starke Hyperaktivität, geringfügige neurologische Anzeichen und abnormales EEG. Die Lernfähigkeit kann unter Umständen beeinträchtigt sein.
Eine Behandlung mit Methylphenidat ist nicht bei allen Kindern mit ADHS indiziert, und der Entscheidung zur Anwendung dieses Arzneimittels muss eine sehr sorgfältige Einschätzung der Schwere und Dauer der Symptome des Kindes in Bezug auf sein Alter vorausgehen.
Eine entsprechende pädagogische Einstufung ist essentiell und psychosoziale Maßnahmen sind im Allgemeinen notwendig. Wenn sich andere therapeutische Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen haben, muss die Entscheidung, ein Stimulans zu verordnen, auf Basis einer strengen Einschätzung des Schweregrads der Symptome des Kindes beruhen. Die Anwendung von Methylphenidat sollte stets in Übereinstimmung mit der zugelassenen Indikation und den Verschreibungs-/Diagnose-Leitlinien erfolgen.
Besondere diagnostische Erwägungen zu ADHS bei Erwachsenen
Die Diagnose sollte anhand der DSM-Kriterien oder der Richtlinien in ICD gestellt werden und auf einer vollständigen Anamnese und Untersuchung des Patienten basieren.
Die spezifische Ätiologie dieses Syndroms ist unbekannt. Ein spezifischer diagnostischer Test existiert nicht. Bei Erwachsenen mit ADHS ist das Symptombild durch Unruhe, Ungeduld und Unaufmerksamkeit gekennzeichnet. Symptome wie Hyperaktivität lassen tendenziell mit zunehmendem Alter nach, möglicherweise aufgrund von Anpassung, neurologischer Entwicklung und Selbstmedikation. Symptome von Unaufmerksamkeit sind stärker ausgeprägt und haben eine größere Auswirkung auf Erwachsene mit ADHS. Bei Erwachsenen sollte zur Diagnose unter anderem ein strukturiertes Patienteninterview durchgeführt werden, um die aktuellen Symptome zu ermitteln. Das Vorbestehen einer ADHS im Kindesalter ist Voraussetzung und muss retrospektiv festgestellt werden (anhand von Patientenakten oder, falls diese nicht verfügbar sind, anhand geeigneter strukturierter Instrumente/Interviews). Eine Bestätigung durch Aussagen Dritter ist wünschenswert. Falls kein sicherer Nachweis von ADHS-Symptomen im Kindesalter möglich ist, sollte keine Behandlung mit Methylphenidat AL eingeleitet werden. Die Diagnose sollte sich nicht allein auf das Vorhandensein eines oder mehrerer Symptome stützen. Die Entscheidung, bei Erwachsenen ein Stimulans anzuwenden, muss auf Basis einer sehr gründlichen Einschätzung getroffen werden, und die Diagnose sollte in mindestens zwei Bereichen (zum Beispiel im sozialen, schulischen und/oder beruflichen Kontext) eine mäßige oder schwere funktionelle Einschränkung beinhalten, die sich auf mehrere Aspekte des Lebens der Person auswirkt.
Die Behandlung muss unter Aufsicht eines Spezialisten mit Erfahrung in der Behandlung der ADHS, wie etwa einem spezialisierten Kinderarzt, einem Kinder- und Jugendpsychiater oder einem Psychiater, begonnen und durchgeführt werden.
Untersuchungen vor Behandlungsbeginn
Vor einer Verschreibung ist es notwendig, den Patienten hinsichtlich seines kardiovaskulären Status einschließlich Blutdruck und Herzfrequenz zu beurteilen. Eine umfassende Anamnese sollte Begleitmedikationen, frühere und aktuelle medizinische und psychiatrische Begleiterkrankungen oder Symptome, Fälle von plötzlichem Herztod/unerklärbarem Tod in der Familienanamnese sowie eine exakte Erfassung der Körpergröße (nur bei Kindern) und des Körpergewichts vor der Behandlung in einem Wachstumsdiagramm beinhalten (siehe Abschnitte 4.3 und 4.4).
Laufende Überwachung
Das Wachstum (bei Kindern/Jugendlichen), das Körpergewicht (bei Erwachsenen) sowie der psychiatrische und der kardiovaskuläre Status sollten kontinuierlich überwacht werden (siehe Abschnitt 4.4).
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Der Blutdruck und der Puls sollen bei jeder Dosisanpassung und dann mindestens alle 6 Monate in einer grafischen Darstellung dokumentiert werden;
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Körpergröße (bei Kindern), Gewicht und Appetit sollten mindestens alle 6 Monate anhand eines Wachstumsdiagramms festgehalten werden;
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die Entwicklung neuer oder die Verschlechterung bereits bestehender psychiatrischer Störungen sind bei jeder Dosisanpassung und dann mindestens alle 6 Monate und bei jedem Besuchstermin zu erfassen.
Die Patienten sollten hinsichtlich des Risikos von Zweckentfremdung, Fehlgebrauch und Missbrauch von Methylphenidat überwacht werden.
Dosierung
Durch die spezifische Galenik von Methylphenidat AL wird die zweimal tägliche Anwendung einer schnell freisetzenden Methylphenidat-Formulierung simuliert. Etwa 50% der Gesamtmenge des Wirkstoffs liegen in nicht retardierter, schnell freisetzender Form vor. Die übrigen 50% werden nach etwa 4 Stunden freigesetzt.
Dosistitration
Zu Beginn der Behandlung mit Methylphenidat ist eine sorgfältige Dosistitration erforderlich. Die Dosistitration sollte mit der niedrigst möglichen Dosis beginnen. Wenn nach einer Dosistitration über einen Zeitraum von einem Monat keine Besserung der Symptome eintritt, sollte das Arzneimittel abgesetzt werden.
Wenn sich die Symptome verschlimmern oder sonstige Nebenwirkungen auftreten, sollte die Dosis reduziert oder das Arzneimittel gegebenenfalls abgesetzt werden.
Es sollte das Behandlungsschema angewendet werden, das mit der niedrigsten Tagesdosis eine zufriedenstellende Symptomkontrolle erzielt.
Lang wirksames Methylphenidat sollte nicht zu spät am Vormittag eingenommen werden, da es sonst zu Schlafstörungen kommen kann.
Zur Behandlung von Hyperaktivitätsstörungen/ADHS sollte der Zeitpunkt der Methylphenidat-Einnahme so gewählt werden, dass die Wirkung zum Zeitpunkt der größten schulischen (bei Kindern) und sozialen Probleme sowie Verhaltensauffälligkeiten des Patienten eintritt.
Möglicherweise stehen andere Stärken dieses Arzneimittels und andere methylphenidathaltige Produkte zur Verfügung.
Kinder (ab 6 Jahren)
Methylphenidat AL wird einmal täglich morgens eingenommen. Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 20 mg. Wenn nach Einschätzung des Arztes eine niedrigere Initialdosis angemessen ist, kann der Patient die Behandlung mit 10 mg beginnen. Alternativ wird empfohlen, mit 10 mg konventionellem, kurz wirksamem Methylphenidat zu beginnen und die Dosis entsprechend den Empfehlungen für diese Formulierung kontinuierlich zu steigern. Die maximale Tagesdosis von Methylphenidat beträgt 60 mg.
Wenn die Wirkung des Arzneimittels am späten Nachmittag oder Abend zu früh nachlässt, können wieder Verhaltens- und/oder Einschlafstörungen auftreten.
Eine niedrige Dosis Methylphenidat mit schneller Wirkstofffreisetzung spät am Tag kann dazu beitragen, dieses Problem zu lösen.
In diesem Fall sollte überlegt werden, ob sich durch eine zweimal tägliche Einnahme von schnell freisetzendem Methylphenidat möglicherweise eine angemessene Symptomkontrolle erzielen lässt.
Die Vor- und Nachteile einer niedrigen abendlichen Dosis Methylphenidat mit schneller Wirkstofffreisetzung gegenüber den möglichen Einschlafstörungen sollten in die Überlegungen einbezogen werden.
Wenn eine zusätzliche abendliche Dosis Methylphenidat mit schneller Wirkstofffreisetzung benötigt wird, sollte die Behandlung nicht mit lang wirksamem Methylphenidat fortgeführt werden, es sei denn, es ist bekannt, dass die gleiche zusätzliche Dosis auch bei einem Behandlungsschema mit konventionellem, schnell freisetzendem Methylphenidat in äquivalenter Dosierung zum Frühstück/Mittagessen erforderlich war.
Erwachsene
Methylphenidat AL wird einmal täglich, in der Regel morgens, eingenommen. Der Zeitpunkt der Einnahme kann auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten abgestimmt werden, die Einnahme sollte jedoch nicht zu spät am Vormittag erfolgen, um Schlafstörungen zu vermeiden. Die Dosistitration sollte individuell erfolgen. Es sollte das Behandlungsschema angewendet werden, das mit der niedrigsten Tagesdosis eine zufriedenstellende Symptomkontrolle erzielt. Zur Behandlung von ADHS bei Erwachsenen sollte nur die Methylphenidat-Formulierung mit veränderter Wirkstofffreisetzung angewendet werden. Die maximale Tagesdosis von 80 mg darf nicht überschritten werden.
Patienten, die erstmalig Methylphenidat erhalten (siehe Abschnitt 5.1)
Die empfohlene Anfangsdosis von Methylphenidat AL bei Patienten, die zurzeit kein Methylphenidat einnehmen, beträgt einmal täglich 20 mg. Die Dosierung von Methylphenidat AL kann bei Erwachsenen in wöchentlichen Abständen und in Schritten von jeweils 20 mg angepasst werden. Für niedrigere Dosierungen oder kleinere Titrationsschritte stehen andere Stärken von Methylphenidat AL oder andere methylphenidathaltige Arzneimittel zur Verfügung.
Patienten, die seit dem Kindesalter mit Methylphenidat behandelt werden und das Erwachsenenalter erreichen
Die Behandlung kann mit der gleichen Tagesdosis fortgeführt werden. Wenn der Patient zuvor mit einer Formulierung mit schneller Wirkstofffreisetzung behandelt wurde, sollte eine Umstellung auf eine entsprechende empfohlene Dosis Methylphenidat AL erfolgen (siehe unten „Umstellung von Patienten auf Methylphenidat AL“).
Regelmäßige Beurteilung der ADHS-Behandlung
Methylphenidat AL sollte in regelmäßigen Abständen abgesetzt werden, um den Zustand des Patienten zu beurteilen. Eine Besserung kann möglicherweise aufrechterhalten bleiben, wenn das Arzneimittel vorübergehend oder dauerhaft abgesetzt wurde. Falls eine Kontrolle der ADHS-Symptome angebracht erscheint, kann die Behandlung wieder aufgenommen werden.
Die Behandlung mit dem Arzneimittel sollte und muss nicht unbegrenzt erfolgen. Bei Kindern mit ADHS kann die Behandlung in der Regel während oder nach der Pubertät beendet werden.
Besondere Patientengruppen
Ältere Patienten
Methylphenidat AL sollte nicht bei älteren Patienten angewendet werden. Die Sicherheit und Wirksamkeit bei ADHS-Patienten über 60 Jahren ist nicht erwiesen.
Leberfunktionsstörungen
Die Anwendung von Methylphenidat AL bei Patienten mit Leberfunktionsstörung wurde nicht untersucht. Bei dieser Patientengruppe ist Vorsicht geboten.
Nierenfunktionsstörungen
Die Anwendung von Methylphenidat AL bei Patienten mit Nierenfunktionsstörung wurde nicht untersucht. Bei dieser Patientengruppe ist Vorsicht geboten.
Kinder unter 6 Jahren
Methylphenidat AL darf nicht bei Kindern unter 6 Jahren angewendet werden. Die Sicherheit und Wirksamkeit in dieser Altersgruppe sind nicht erwiesen.
Umstellung von Patienten auf Methylphenidat AL
Methylphenidat AL als Einzeldosis bietet eine vergleichbare Gesamtexposition (AUC) an Methylphenidat wie eine äquivalente Gesamtdosis Methylphenidat mit schneller Wirkstofffreisetzung bei zweimal täglicher Anwendung.
Die empfohlene Dosis Methylphenidat AL sollte der Tagesdosis der schnell freisetzenden Formulierung entsprechen, eine Gesamtdosis von 60 mg bei Kindern und 80 mg bei Erwachsenen jedoch nicht überschreiten.
Bei Patienten, die von einer Formulierung mit schneller oder veränderter Wirkstofffreisetzung auf Methylphenidat AL umgestellt werden, ist die empfohlene Dosis Methylphenidat AL wie folgt:
Tabelle 1
Bisherige Methylphenidat-Dosis Empfohlene Dosis Methylphenidat AL IR* MR* 5 mg Methylphenidat zweimal täglich 10 mg Methylphenidat mitveränderter Wirkstofffreisetzung 10 mg pro Tag 10 mg Methylphenidat zweimal täglich 20 mg Methylphenidat mit veränderter Wirkstofffreisetzung 20 mg pro Tag 15 mg Methylphenidat zweimal täglich 30 mg Methylphenidat mit veränderter Wirkstofffreisetzung 30 mg pro Tag 20 mg Methylphenidat zweimal täglich 40 mg Methylphenidat mitveränderter Wirkstofffreisetzung 40 mg pro Tag 30 mg Methylphenidat zweimal täglich 60 mg Methylphenidat mit veränderter Wirkstofffreisetzung 60 mg pro Tag * IR: schnelle Wirkstofffreisetzung (immediate release), MR: veränderte Wirkstofffreisetzung (modified release)
Die maximale Tagesdosis Methylphenidat beträgt bei der Behandlung von ADHS bei Kindern 60 mg und bei der Behandlung von ADHS bei Erwachsenen 80 mg.
Bei anderen Methylphenidat-Regimes sollte die Wahl der Anfangsdosis nach klinischem Ermessen erfolgen. Die Dosierung von Methylphenidat AL zur
Behandlung von ADHS bei Kindern kann in wöchentlichen Abständen und in Schritten von jeweils 10 mg angepasst werden.
Langzeitanwendung (mehr als 12 Monate)
Die Sicherheit und Wirksamkeit der Langzeitanwendung von Methylphenidat wurde nicht systematisch in kontrollierten Studien an Kindern und Jugendlichen untersucht. Die langfristige Sicherheit von Methylphenidat wurde nicht systematisch in kontrollierten klinischen Studien an Erwachsenen untersucht.
Die Behandlung mit Methylphenidat sollte und muss nicht unbegrenzt erfolgen. Sie wird bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS in der Regel während oder nach der Pubertät abgesetzt. Der Arzt, der Methylphenidat über längere Zeit (über mehr als 12 Monate) bei Patienten mit ADHS anwendet, muss regelmäßig den langfristigen Nutzen des Arzneimittels für den einzelnen Patienten neu bewerten, indem er behandlungsfreie Zeitabschnitte einlegt, um das Verhalten des Patienten ohne medikamentöse Behandlung zu beurteilen. Es wird empfohlen, Methylphenidat mindestens einmal im Jahr abzusetzen, um den Zustand des Patienten zu beurteilen (bei Kindern vorzugsweise während der Schulferien). Eine Besserung kann möglicherweise aufrechterhalten bleiben, wenn das Arzneimittel vorübergehend oder dauerhaft abgesetzt wurde.
Dosisreduktion und Unterbrechung der Medikation
Die Behandlung muss beendet werden, wenn die Symptome nach einer geeigneten Dosisanpassung über einen Zeitraum von einem Monat nicht besser werden. Bei Auftreten einer paradoxen Verschlimmerung der Symptome oder anderer schwerwiegender Nebenwirkungen muss die Dosis reduziert oder das Präparat abgesetzt werden.
Erwachsene
Nur die Formulierung mit veränderter Wirkstofffreisetzung ist zur Anwendung bei Erwachsenen mit ADHS zugelassen. Die Sicherheit und Wirksamkeit anderer Formulierungen in dieser Altersgruppe sind nicht erwiesen.
Art der Anwendung
Methylphenidat AL ist zum Einnehmen bestimmt.
Methylphenidat AL Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung können mit oder ohne Nahrung eingenommen werden. Die Kapseln können im Ganzen geschluckt werden. Alternativ können sie verabreicht werden, indem der Kapselinhalt auf eine kleine Menge Nahrung gestreut wird.
Methylphenidat AL Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung dürfen nicht zerkleinert, zerkaut oder zerteilt werden.
Einnahme durch Streuen des Kapselinhalts auf Nahrung
Um die Einnahme zu erleichtern, können die Kapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung vorsichtig geöffnet und die Pellets über breiige Speisen (z.B. Apfelmus) gestreut werden. Die Speisen sollten nicht warm sein, da sich dadurch die Eigenschaften der veränderten Wirkstofffreisetzung dieser
Formulierung verändern könnten. Die Zubereitung aus Arzneimittel und Nahrungsmittel sollte unverzüglich vollständig verzehrt werden. Sie darf nicht für eine spätere Einnahme aufbewahrt werden. Die auf die Nahrung (z.B. Apfelmus) gestreuten Pellets sollten nicht zerkaut oder zerkleinert werden.
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Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile,
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Glaukom,
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Phäochromozytom.
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Während der Behandlung mit nichtselektiven, irreversiblen Monoaminoxidase-Hemmern (MAO-Hemmern) oder innerhalb von mindestens 14 Tagen nach dem Absetzen solcher Substanzen, da dann das Risiko einer hypertensiven Krise besteht (siehe Abschnitt 4.5).
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Hyperthyreose oder Thyreotoxikose,
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Diagnose oder Anamnese von schwerer Depression, Anorexia nervosa/anorektischen Störungen, Suizidneigung, psychotischen Symptomen, schweren affektiven Störungen, Manie, Schizophrenie, psychopathischen/Borderline-Persönlichkeitsstörungen,
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Diagnose oder Anamnese von schweren und episodischen (Typ I) bipolaren affektiven Störungen (die nicht gut kontrolliert sind),
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vorbestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einschließlich schwerer Hypertonie, Herzinsuffizienz, arterieller Verschlusskrankheit, Angina pectoris, hämodynamisch relevanter, angeborener Herzfehler, Kardiomyopathien, Myokardinfarkt, potenziell lebensbedrohender Arrhythmien und Kanalopathien (Erkrankungen, die aufgrund von Dysfunktionen der Ionenkanäle verursacht wurden),
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vorbestehende zerebrovaskuläre Erkrankungen, wie zum Beispiel zerebrale Aneurysmen, Gefäßanomalien einschließlich Vaskulitis oder Schlaganfall.
Eine Behandlung mit Methylphenidat AL ist nicht bei allen Patienten mit ADHS indiziert und der Entscheidung für die Anwendung dieses Arzneimittels muss eine sehr sorgfältige Einschätzung der Schwere und Dauer der Symptome (bei Kindern in Bezug auf das Alter) vorausgehen.
Langzeitanwendung (mehr als 12 Monate)
Die Sicherheit und Wirksamkeit der Langzeitanwendung von Methylphenidat wurde nicht systematisch in kontrollierten Studien an Kindern und Jugendlichen untersucht. Die langfristige Sicherheit von Methylphenidat wurde nicht systematisch in kontrollierten klinischen Studien an Erwachsenen untersucht.
Die Behandlung mit Methylphenidat sollte und muss nicht unbegrenzt erfolgen. Sie wird bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS in der Regel während oder nach der Pubertät abgesetzt. Patienten unter Langzeitbehandlung (d.h. über mehr als 12 Monate) müssen laufend sorgfältig entsprechend den Richtlinien in den Abschnitten 4.2 und 4.4 hinsichtlich Herz-Kreislaufstatus, Wachstum (bei
Kindern), Gewicht, Appetit sowie Entwicklung von neuen oder Verschlimmerung von bestehenden psychiatrischen Erkrankungen überwacht werden.
Psychiatrische Erkrankungen, die überwacht werden sollten, werden weiter unten beschrieben und beinhalten u.a.: motorische oder vokale Tics, aggressives oder feindseliges Verhalten, Agitiertheit, Angst, Depression, Psychose, Manie, Wahnvorstellungen, Reizbarkeit, mangelnde Spontanität, Rückzug und übermäßige Perseveration.
Der Arzt, der Methylphenidat über längere Zeit (über mehr als 12 Monate) bei Patienten mit ADHS anwendet, muss regelmäßig den langfristigen Nutzen des Arzneimittels für den einzelnen Patienten neu bewerten, indem er behandlungsfreie Zeitabschnitte einlegt, um das Verhalten des Patienten ohne medikamentöse Behandlung zu beurteilen. Es wird empfohlen, Methylphenidat mindestens einmal im Jahr abzusetzen, um den Zustand des Patienten zu beurteilen (bei Kindern vorzugsweise während der Schulferien). Eine Besserung kann möglicherweise aufrechterhalten bleiben, wenn das Arzneimittel vorübergehend oder dauerhaft abgesetzt wurde.
Anwendung bei älteren Patienten
Methylphenidat AL darf nicht bei älteren Patienten angewendet werden. Die Sicherheit und Wirksamkeit von Methylphenidat AL wurde bei ADHS-Patienten über 60 Jahren nicht untersucht.
Anwendung bei Kindern unter 6 Jahren
Methylphenidat AL darf nicht bei Kindern unter 6 Jahren angewendet werden. Die Sicherheit und Wirksamkeit von Methylphenidat in dieser Altersgruppe sind nicht erwiesen.
Herz-Kreislaufstatus
Bei Patienten, für die eine Behandlung mit Stimulanzien in Betracht kommt, sollte eine sorgfältige Anamnese (einschließlich Beurteilung der Familienanamnese auf plötzlichen Herztod, unerklärbaren Tod oder maligne Arrhythmien) erhoben und eine körperliche Untersuchung auf bestehende Herzerkrankungen durchgeführt werden. Wenn initiale Befunde auf eine solche Historie oder Erkrankung hinweisen, müssen diese Patienten weitergehende Herzuntersuchungen durch einen Spezialisten erhalten. Patienten, bei denen unter der Therapie mit Methylphenidat Symptome wie Palpitationen, Thoraxschmerzen bei Belastung, unklare Synkope, Dyspnoe oder andere Symptome, die auf eine Herzerkrankung schließen lassen, auftreten, sollten umgehend eine kardiale Untersuchung durch einen Spezialisten erhalten.
Die Auswertung von Daten aus klinischen Studien mit Methylphenidat bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS hat gezeigt, dass Patienten unter Methylphenidat-Behandlung häufig eine Änderung des diastolischen und systolischen Blutdrucks um mehr als 10 mmHg gegenüber dem Ausgangswert im Vergleich zu den Kontrollen entwickeln. Änderungen der diastolischen und systolischen Blutdruckwerte wurden auch in klinischen Studien mit
erwachsenen ADHS-Patienten beobachtet. Diese Änderungen waren jedoch geringfügiger als bei Kindern und Jugendlichen (etwa 2 - 3 mmHg gegenüber den Kontrollen). Die kurz- und langfristigen klinischen Auswirkungen dieser kardiovaskulären Effekte bei Kindern und Jugendlichen sind nicht bekannt.
Mögliche klinische Komplikationen können als Ergebnis der in den klinischen Studiendaten beobachteten Wirkungen nicht ausgeschlossen werden. Vorsicht ist geboten bei der Behandlung von Patienten, deren Grunderkrankungen durch Erhöhung des Blutdrucks oder der Herzfrequenz nachteilig beeinflusst werden könnten. Siehe Abschnitt 4.3 für Erkrankungen, bei denen eine Behandlung mit Methylphenidat kontraindiziert ist. Siehe auch Abschnitt 5.1, Unterüberschrift „ADHS bei Erwachsenen“.
Der Herz-Kreislaufstatus sollte sorgfältig überwacht werden. Blutdruck und Puls sollten bei jeder Dosisanpassung und dann mindestens alle 6 Monate in einer grafischen Darstellung dokumentiert werden.
Die Anwendung von Methylphenidat ist bei bestimmten vorbestehenden Herz-Kreislauferkrankungen kontraindiziert, es sei denn, es wurde ein Kardiologe konsultiert (siehe Abschnitt 4.3).
Plötzlicher Tod und vorbestehende kardiale Strukturauffälligkeiten oder andere schwere Herzerkrankungen
Bei Kindern, einige davon mit strukturellen Herzanomalien oder anderen schwerwiegenden Herzproblemen, wurde im Zusammenhang mit der Anwendung von Stimulanzien des Zentralnervensystems in normalen Dosierungen über plötzliche Todesfälle berichtet. Obwohl einige schwerwiegende Herzprobleme allein bereits ein erhöhtes Risiko eines plötzlichen Todes mit sich bringen können, werden Stimulanzien bei Kindern oder Jugendlichen mit bekannten strukturellen Herzanomalien, Kardiomyopathien, schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen oder anderen schwerwiegenden Herzproblemen, die sie anfälliger für die sympathomimetischen Wirkungen eines stimulierenden Arzneimittels machen könnten, nicht empfohlen.
Missbrauch und kardiovaskuläre Ereignisse
Der Missbrauch von Stimulanzien des zentralen Nervensystems kann mit plötzlichem Tod und anderen schwerwiegenden kardiovaskulären unerwünschten Ereignissen assoziiert sein.
Zerebrovaskuläre Störungen
Siehe Abschnitt 4.3 für zerebrovaskuläre Erkrankungen, bei denen eine Behandlung mit Methylphenidat kontraindiziert ist. Patienten mit zusätzlichen Risikofaktoren (wie einer kardiovaskulären Erkrankung in der Anamnese oder einer Begleitmedikation, die den Blutdruck erhöht) sollten nach Beginn der Behandlung mit Methylphenidat bei jedem Besuchstermin auf neurologische Auffälligkeiten und Symptome untersucht werden.
Zerebrale Vaskulitis scheint eine sehr seltene idiosynkratische Reaktion auf eine Methylphenidat-Einnahme zu sein. Es gibt einige Hinweise, dass Patienten mit erhöhtem Risiko identifiziert werden können. Das initiale Auftreten von Symptomen kann der erste Hinweis auf eine zugrunde liegende klinische Erkrankung sein. Eine frühe Diagnose auf Grundlage starker Hinweise kann das umgehende Absetzen von Methylphenidat und eine frühzeitige Behandlung ermöglichen. Die Diagnose sollte daher bei jedem Patienten in Betracht gezogen werden, der unter einer Methylphenidat-Behandlung neue neurologische Symptome entwickelt, die mit einer zerebralen Ischämie vereinbar sind. Zu diesen Symptomen können starke Kopfschmerzen, Taubheitsgefühl, Schwäche, Lähmungen und Beeinträchtigungen von Koordination, Sehen, Sprechen, Sprache oder Gedächtnis zählen.
Die Behandlung mit Methylphenidat ist bei Patienten mit hemiplegischer Zerebralparese nicht kontraindiziert.
Psychiatrische Erkrankungen
Psychiatrische Komorbiditäten treten bei ADHS häufig auf und sollten bei der Verschreibung von Stimulanzien berücksichtigt werden. Vor Beginn der Behandlung mit Methylphenidat sollte der Patient auf bestehende psychiatrische Erkrankungen untersucht und eine Familienanamnese mit Blick auf solche Erkrankungen erhoben werden (siehe Abschnitt 4.2). Im Falle des Auftretens psychiatrischer Symptome oder der Verschlimmerung einer bestehenden psychiatrischen Erkrankung sollte die Therapie mit Methylphenidat nicht fortgesetzt werden, wenn nicht der Nutzen der Behandlung das potenzielle Risiko für den Patienten überwiegt.
Bei jeder Dosisanpassung und dann mindestens alle 6 Monate und bei jedem Besuchstermin ist zu kontrollieren, ob sich psychiatrische Störungen entwickelt oder verschlimmert haben; eine Unterbrechung der Behandlung könnte angebracht sein.
Verschlimmerung bestehender psychotischer oder manischer Symptome Bei psychotischen Patienten kann die Einnahme von Methylphenidat die Symptome von Verhaltens- und Denkstörungen verschlimmern.
Auftreten neuer psychotischer oder manischer Symptome Behandlungsbedingte psychotische Symptome (visuelle/taktile/akustische Halluzinationen und Wahnvorstellungen) oder Manie können bei Patienten ohne bekannte psychotische Erkrankung oder Manie durch normale Dosierungen von Methylphenidat hervorgerufen werden (siehe Abschnitt 4.8). Wenn manische oder psychotische Symptome auftreten, sollte an einen möglichen kausalen Zusammenhang mit Methylphenidat gedacht und ein Abbruch der Therapie in Erwägung gezogen werden.
Aggressives oder feindseliges Verhalten
Durch die Behandlung mit Stimulanzien kann Aggression oder Feindseligkeit
auftreten oder sich verschlimmern. Patienten, die mit Methylphenidat behandelt werden, sollten sorgfältig auf das Auftreten oder die Verschlimmerung von Aggression oder Feindseligkeit überwacht werden, und zwar bei Behandlungsbeginn, bei jeder Dosisanpassung und dann mindestens alle 6 Monate und bei jedem Besuchstermin. Bei Patienten, die diese Verhaltensänderungen zeigen, sollte der Arzt die Notwendigkeit einer Anpassung der Behandlung abklären, wobei zu beachten ist, dass eine Auf-oder Abtitration angebracht sein kann. Eine Unterbrechung der Behandlung kann in Erwägung gezogen werden.
Suizidalität
Patienten, bei denen während der ADHS-Behandlung Suizidgedanken oder suizidales Verhalten auftreten, sollten umgehend von ihrem Arzt beurteilt werden. Es sollte eine Verschlimmerung der zugrunde liegenden psychiatrischen Erkrankung und ein möglicher kausaler Zusammenhang mit der Methylphenidat-Behandlung in Erwägung gezogen werden. Eine Behandlung der zugrunde liegenden psychiatrischen Erkrankung kann notwendig sein und eine Beendigung der Methylphenidat-Behandlung sollte in Erwägung gezogen werden.
Angst- und Spannungszustände oder Agitiertheit
Methylphenidat wird mit der Verschlimmerung bestehender Angst- oder Spannungszustände oder Agitiertheit in Verbindung gebracht. Die klinische Bewertung von Angst- und Spannungszuständen oder Agitiertheit sollte der Anwendung von Methylphenidat vorausgehen und die Patienten sollten regelmäßig während der Behandlung, bei jeder Dosisanpassung und dann mindestens alle 6 Monate oder bei jedem Besuchstermin auf das Auftreten oder die Verschlimmerung dieser Symptome untersucht werden.
Bipolare Störungen
Besondere Vorsicht ist bei der Anwendung von Methylphenidat zur Behandlung von ADHS bei Patienten mit bipolaren Begleiterkrankungen geboten (einschließlich unbehandelter Bipolar-I-Störung oder anderer Formen der bipolaren Störung), da bei solchen Patienten Bedenken wegen einer möglichen Auslösung eines gemischten/manischen Schubs bestehen. Vor Beginn der Behandlung mit Methylphenidat sollten Patienten mit depressiven Begleitsymptomen ausreichend untersucht werden, um festzustellen, ob bei ihnen ein Risiko für bipolare Störungen besteht. Solche Untersuchungen sollten eine detaillierte psychiatrische Anamnese einschließlich einer Familienanamnese hinsichtlich Suizidalität, bipolarer Störungen und Depressionen umfassen. Die gründliche laufende Überwachung ist bei diesen Patienten unabdingbar (siehe obigen Absatz „Psychiatrische Erkrankungen“ und Abschnitt 4.2). Die Patienten sollten bei jeder Dosisanpassung und dann mindestens alle 6 Monate und bei jedem Besuchstermin auf Symptome kontrolliert werden.
Wachstum und Gewichtsverlust
Bei Langzeitanwendung von Methylphenidat bei Kindern wurde über mäßig verringerte Gewichtszunahme und Wachstumsverzögerung berichtet. Bei der Behandlung von Erwachsenen mit Methylphenidat wurde über eine Gewichtsabnahme berichtet (siehe Abschnitt 4.8).
Die Auswirkungen von Methylphenidat auf die endgültige Größe und das endgültige Gewicht sind zurzeit unbekannt und werden untersucht.
Körpergröße (bei Kindern), Gewicht und Appetit sollten überwacht und mindestens alle 6 Monate in einem Wachstumsdiagramm erfasst werden. Patienten, die nicht wie erwartet wachsen oder deren Körpergröße bzw.
Körpergewicht nicht erwartungsgemäß zunimmt, oder erwachsene Patienten, bei denen während der Behandlung ein deutlicher Gewichtsverlust auftritt, müssen möglicherweise ihre Behandlung unterbrechen.
Tics
Methylphenidat wurde mit der Entstehung oder der Verschlimmerung von motorischen und verbalen Tics in Verbindung gebracht. Die Verschlimmerung eines Tourette-Syndroms wurde ebenfalls beobachtet (siehe Abschnitt 4.8). Die Familienanamnese ist zu überprüfen und die Patienten sollten vor der Anwendung von Methylphenidat klinisch auf Tics oder Tourette-Syndrom untersucht werden. Auch während der Behandlung mit Methylphenidat sind die Patienten regelmäßig auf die Entstehung oder Verschlimmerung von Tics zu überwachen. Kontrollen sollten bei jeder Dosisanpassung und dann mindestens alle 6 Monate oder bei jedem Besuchstermin stattfinden.
Krampfanfälle
Methylphenidat darf nur mit Vorsicht bei Patienten mit Epilepsie angewendet werden. Methylphenidat kann die Krampfschwelle senken, sowohl bei Patienten mit Krampfanfällen in der Anamnese als auch bei Patienten mit EEG-Auffälligkeiten ohne Krampfanfälle in der Anamnese und in seltenen Fällen auch bei Patienten, die in der Anamnese weder Krampfanfälle noch EEG-Auffälligkeiten aufweisen. Wenn die Anfallshäufigkeit zunimmt oder erstmalig Anfälle auftreten, sollte Methylphenidat abgesetzt werden.
Fehlgebrauch, Missbrauch und Zweckentfremdung
Patienten sollten sorgfältig hinsichtlich Zweckentfremdung, Missbrauch und Fehlgebrauch von Methylphenidat überwacht werden.
Wegen des Potenzials von Fehlgebrauch, Missbrauch oder Zweckentfremdung sollte Methylphenidat bei Patienten mit bekannter Drogen- oder Alkoholabhängigkeit mit Vorsicht angewendet werden.
Chronischer Missbrauch von Methylphenidat kann zu ausgeprägter Toleranz und psychischer Abhängigkeit mit anormalem Verhalten in unterschiedlicher Ausprägung führen. Insbesondere bei parenteralem Abusus kann es zu akuten
psychotischen Episoden kommen.
Bei der Entscheidung über eine ADHS-Behandlung sind das Patientenalter, das Bestehen von Risikofaktoren für Suchtstörungen (wie z.B. gleichzeitige oppositionelle oder Verhaltens- und bipolare Störungen) und ein früherer oder bestehender Missbrauch zu berücksichtigen. Vorsicht ist geboten bei emotional instabilen Patienten, wie z.B. Patienten mit früherer Drogen- oder Alkoholabhängigkeit, da diese Patienten die Dosis eigenständig erhöhen könnten.
Bei einigen Patienten mit einem hohen Missbrauchsrisiko sind Methylphenidat oder andere Stimulanzien möglicherweise nicht geeignet, und eine Therapie ohne Stimulanzien sollte erwogen werden.
Absetzen
Beim Absetzen des Arzneimittels ist eine sorgfältige Überwachung erforderlich, da es dabei zur Demaskierung sowohl von Depressionen als auch von chronischer Überaktivität kommen kann. Einige Patienten benötigen möglicherweise Nachuntersuchungen über einen längeren Zeitraum.
Während des Absetzens nach missbräuchlicher Anwendung ist eine sorgfältige Überwachung notwendig, da es zu schweren Depressionen kommen kann.
Erschöpfung
Methylphenidat sollte nicht für die Prophylaxe oder Behandlung von gewöhnlichen Ermüdungszuständen angewendet werden.
Auswahl der Methylphenidat-Darreichungsform
Der behandelnde Spezialist muss auf individueller Basis und je nach gewünschter Wirkungsdauer entscheiden, welche methylphenidathaltige Darreichungsform ausgewählt wird. Zur Behandlung von ADHS bei Erwachsenen sollte nur die Formulierung mit veränderter Wirkstofffreisetzung angewendet werden.
Nieren- oder Leberinsuffizienz
Es liegen keine Erfahrungen zur Anwendung von Methylphenidat bei Patienten mit Nieren- oder Leberinsuffizienz vor.
Hämatologische Effekte
Die Sicherheit der Langzeitbehandlung mit Methylphenidat ist nicht vollständig bekannt. Bei Auftreten einer Leukopenie, Thrombozytopenie, Anämie oder anderen Veränderungen einschließlich der Hinweise auf schwerwiegende Nieren- oder Lebererkrankungen sollte ein Abbruch der Behandlung in Erwägung gezogen werden (siehe Abschnitt 4.8).
Priapismus
Im Zusammenhang mit methylphenidathaltigen Arzneimitteln, vor allem in
Verbindung mit einer Veränderung des Behandlungsregimes von Methylphenidat, wurde über andauernde und schmerzhafte Erektionen berichtet. Patienten, die anomal verlängerte oder häufige und schmerzhafte Erektionen entwickeln, sollten unverzüglich einen Arzt aufsuchen.
Erhöhter Augeninnendruck und Glaukom
Im Zusammenhang mit der Behandlung mit Methylphenidat wurde über erhöhten Augeninnendruck (IOD) und Glaukom (einschließlich Offenwinkelglaukom und Engwinkelglaukom) berichtet (siehe Abschnitt 4.8). Die Patienten sollen angewiesen werden, ihren Arzt zu kontaktieren, wenn Symptome auftreten, die auf einen erhöhten IOD und ein Glaukom hindeuten. Ein Augenarzt sollte konsultiert und ein Absetzen von Methylphenidat in Betracht gezogen werden, wenn der IOD ansteigt (siehe Abschnitt 4.3). Eine ophthalmologische Überwachung von Patienten mit erhöhtem IOD in der Vorgeschichte wird empfohlen.
Drogenscreening
Diese methylphenidathaltigen Arzneimittel können zu einem falsch positiven Laborwert für Amphetamine führen, insbesondere bei Verwendung von Immunassay-Methoden.
Dopinghinweis
Die Anwendung von Methylphenidat AL kann bei Dopingkontrollen zu positiven Ergebnissen führen.
Pharmakokinetische Wechselwirkungen
Es ist nicht bekannt, wie Methylphenidat die Plasmakonzentrationen von gleichzeitig angewendeten Arzneimitteln beeinflussen kann. Daher ist Vorsicht geboten, wenn Methylphenidat in Kombination mit anderen Arzneimitteln, besonders solchen mit enger therapeutischer Breite, angewendet wird.
Methylphenidat wird nicht in klinisch relevantem Ausmaß von Cytochrom P450 abgebaut. Induktoren oder Hemmer des Cytochroms P450 haben voraussichtlich keinen relevanten Einfluss auf die Pharmakokinetik von Methylphenidat. Umgekehrt hemmen die D- und L-Enantiomere von Methylphenidat die Cytochrome P450 1A2, 2C8, 2C9, 2C19, 2D6, 2E1 oder 3A nicht in relevantem Ausmaß.
Es liegen jedoch Berichte mit Hinweisen vor, dass Methylphenidat den Metabolismus von Antikoagulanzien vom Cumarin-Typ, Antikonvulsiva (z.B. Phenobarbital, Phenytoin, Primidon) und einigen Antidepressiva (trizyklische Antidepressiva und selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) hemmen kann. Bei Beginn oder Beendigung einer Methylphenidat-Therapie müssen die Dosierungen solcher bereits angewendeten Arzneimittel möglicherweise angepasst und die Wirkstoffkonzentrationen im Plasma (bzw. bei Cumarin die
Koagulationszeiten) bestimmt werden.
Pharmakodynamische Wechselwirkungen
Blutdrucksenkende Arzneimittel
Methylphenidat kann die antihypertensive Wirkung von Arzneimitteln zur Behandlung von Bluthochdruck abschwächen.
Anwendung mit Arzneimitteln, die den Blutdruck erhöhen
Vorsicht ist geboten, wenn mit Methylphenidat behandelte Patienten mit einem anderen Wirkstoff behandelt werden sollen, der ebenfalls den Blutdruck erhöhen kann (siehe auch die Absätze zu kardiovaskulären und zerebrovaskulären Erkrankungen in Abschnitt 4.4).
Wegen des Risikos einer möglichen hypertensiven Krise ist Methylphenidat bei Patienten, die (derzeit oder in den vorhergehenden 2 Wochen) mit nichtselektiven, irreversiblen MAO-Hemmern behandelt werden, kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3).
Anwendung mit Alkohol
Alkohol kann die ZNS-Nebenwirkungen von psychoaktiven Arzneimitteln einschließlich Methylphenidat verstärken. Daher ist es während des Behandlungszeitraums für die Patienten ratsam, auf Alkohol zu verzichten. Im Fall von sehr hohen Alkoholkonzentrationen kann sich das kinetische Profil hin zu einem Muster mit eher schneller Wirkstofffreisetzung verändern.
Anwendung mit halogenierten Narkotika
Während einer Operation besteht das Risiko einer plötzlichen Erhöhung des Blutdrucks. Wenn eine Operation geplant ist, sollte Methylphenidat am Tag der Operation nicht angewendet werden.
Anwendung mit zentral wirksamen Alpha-2-Agonisten (z.B. Clonidin)
Die Langzeitsicherheit der Anwendung von Methylphenidat in Kombination mit Clonidin oder anderen zentral wirksamen Alpha-2-Agonisten wurde nicht systematisch untersucht.
Anwendung mit dopaminergen Wirkstoffen
Bei der Anwendung von Methylphenidat zusammen mit dopaminergen Wirkstoffen, darunter Antipsychotika, ist Vorsicht geboten.
Da die Erhöhung der extrazellulären Dopaminkonzentrationen zu den vorrangigen Wirkungen von Methylphenidat gehört, kann die Substanz zu pharmakodynamischen Wechselwirkungen führen, wenn sie gleichzeitig mit direkten und indirekten Dopaminagonisten (einschließlich DOPA und trizyklischer Antidepressiva) oder mit Dopaminantagonisten (einschließlich Antipsychotika) verabreicht wird.
Schwangerschaft
Daten aus einer Kohortenstudie mit insgesamt etwa 3.400 im ersten Trimenon exponierten Schwangerschaften deuten nicht auf ein insgesamt erhöhtes Risiko von Geburtsfehlern hin. Die Häufigkeit kardialer Fehlbildungen war leicht erhöht (gepooltes adjustiertes relatives Risiko 1,3; 95%-KI: 1,0 - 1,6), entsprechend 3 zusätzlichen Kindern mit kongenitaler kardialer Fehlbildung auf 1.000 Frauen, die Methylphenidat im ersten Trimenon erhalten, im Vergleich zu nicht exponierten Schwangerschaften.
Es liegen Spontanberichte von kardiorespiratorischer Toxizität bei Neugeborenen vor, insbesondere wurde von fetaler Tachykardie und Atemnot berichtet.
Tierexperimentelle Studien haben nur bei maternal toxischen Dosen eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe Abschnitt 5.3).
Methylphenidat wird nicht zur Anwendung während der Schwangerschaft empfohlen, es sei denn, eine Verschiebung der Behandlung stellt nach klinischer Einschätzung ein größeres Risiko für die Schwangerschaft dar.
Stillzeit
Methylphenidat wurde in der Muttermilch einer Frau nachgewiesen, die mit Methylphenidat behandelt wurde.
Es ist ein Fall eines Säuglings bekannt, der eine unspezifische Gewichtsabnahme während des Anwendungszeitraums entwickelte, sich nach Absetzen der Methylphenidat-Behandlung durch die Mutter aber erholte und wieder zunahm. Ein Risiko für das gestillte Kind kann nicht ausgeschlossen werden.
Es muss eine Entscheidung getroffen werden, ob abgestillt oder die Methylphenidat-Behandlung unterbrochen oder abgesetzt werden soll, wobei der Nutzen des Stillens für das Kind und der Nutzen der Therapie für die Mutter gegeneinander abgewogen werden müssen.
Fertilität
Es liegen keine Humandaten zu den Auswirkungen von Methylphenidat auf die Fertilität vor. In tierexperimentellen Studien wurde keine klinisch relevante Auswirkung auf die Fertilität beobachtet.
Methylphenidat kann Schwindel, Schläfrigkeit und Sehstörungen einschließlich Akkommodationsschwierigkeiten, Diplopie und verschwommenes Sehen verursachen (siehe Abschnitt 4.8). Es kann einen mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen haben.
Patienten sollten vor diesen möglichen Effekten gewarnt werden und beim Auftreten dieser Effekte potenziell gefährliche Aktivitäten wie das Führen von
Fahrzeugen oder das Bedienen von Maschinen vermeiden.
In der nachstehenden Tabelle sind sämtliche Nebenwirkungen aufgeführt, die aus klinischen Studien und als Spontanberichte nach der Zulassung im Zusammenhang mit Methylphenidat gemeldet wurden. Wenn sich die Häufigkeit der Nebenwirkungen bei Methylphenidat Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung von der bei anderen methylphenidathaltigen Formulierungen unterscheidet, wurde die höhere der beiden Häufigkeitsangaben aus den Datenbanken verwendet.
Die Tabelle beruht auf Daten, die bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gesammelt wurden.
Häufigkeitsangaben:
Sehr häufig (≥1/10)
Häufig (≥1/100, <1/10) Gelegentlich (≥1/1.000, <1/100) Selten (≥1/10.000, <1/1.000) Sehr selten (<1/10.000)
Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)
| Infektionen und parasitäre Erkrankungen | |
| Häufig | Nasopharyngitis |
| Gelegentlich | Gastroenteritis |
| Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems | |
| Sehr selten | Leukopenie, Thrombozytopenie, Anämie, thrombozytopenische Purpura |
| Nicht bekannt | Panzytopenie |
| Erkrankungen des Immunsystems | |
| Gelegentlich | Überempfindlichkeitsreaktionen wie angioneurotisches Ödem, anaphylaktische Reaktionen, Schwellung der Ohrmuschel, bullöse Erkrankungen, exfoliative Erkrankungen, Urtikaria, Pruritus*, Ausschläge und Eruptionen* |
| Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen* | |
| Sehr häufig | verminderter Appetit** |
| Häufig | Anorexie, mäßige Verminderung der Gewichtszunahme und des Längenwachstums bei längerer Anwendung bei Kindern*,Gewichtsverminderung bei Erwachsenen* |
| Psychiatrische Erkrankungen* | |
| Sehr häufig | Schlaflosigkeit, Nervosität |
| Häufig | Anomales Verhalten*, Aggression, Agitiertheit*, Angst*, Depression*, Reizbarkeit, Affektlabilität, Unruhe**,Schlafstörungen**, verminderte Libido***, Panikattacken***, Stress***, Bruxismus**** |
| Gelegentlich | Hypervigilanz, akustische, visuelle und taktile Halluzinationen*, Stimmungsänderung, Stimmungsschwankungen, Ärger, Suizidgedanken, Weinerlichkeit, psychotische Störungen*, Tics* oder Verschlimmerung vorbestehender Tics eines Tourette-Syndroms*, Anspannung*** |
| Selten | Manie*, Orientierungsstörung, Libidostörung, Zwangsstörung |
| (einschließlich Trichotillomanie und Dermatillomanie) | |
| Sehr selten | Suizidversuch (einschließlich vollendeter Suizid)*, transiente depressive Verstimmung*, anomales Denken, Apathie |
| Nicht bekannt | Wahnvorstellungen*, Denkstörungen*, Verwirrtheitszustand, Abhängigkeit, Logorrhö.Es sind Fälle von Missbrauch und Abhängigkeit beschrieben, häufiger jedoch bei Formulierungen mit schneller Wirkstofffreisetzung. |
| Erkrankungen des Nervensystems | |
| Sehr häufig | Kopfschmerzen |
| Häufig | Tremor**, Somnolenz, Schwindelgefühl, Dyskinesie,psychomotorische Hyperaktivität |
| Gelegentlich | Sedierung, Akathisie*** |
| Sehr selten | Krampfanfälle, choreoathetoide Bewegungen, reversible ischämische neurologische Störung, malignes neuroleptisches Syndrom (MNS; die Berichte waren unzureichend belegt und in denmeisten Fällen erhielten die Patienten zusätzlich andere Wirkstoffe, so dass die Rolle von Methylphenidat unklar ist) |
| Nicht bekannt | Zerebrovaskuläre Erkrankungen* (einschließlich Vaskulitis, Hirnblutung, zerebrale Arteriitis, zerebraler Gefäßverschluss und apoplektischer Insult), Grand-mal-Konvulsionen*, Migräne, Dysphemie |
| Augenerkrankungen | |
| Gelegentlich | Diplopie, verschwommenes Sehen, trockenes Auge***** |
| Selten | Beeinträchtigung der visuellen Akkommodation, Mydriasis,Sehstörungen |
| Nicht bekannt | Erhöhter Augeninnendruck, Glaukom |
| Herzerkrankungen | |
| Häufig | Tachykardie**, Palpitationen, Arrhythmie |
| Gelegentlich | Brustschmerzen |
| Selten | Angina pectoris |
| Sehr selten | Herzstillstand, Myokardinfarkt |
| Nicht bekannt | Supraventrikuläre Tachykardie, Bradykardie, ventrikuläreExtrasystolen, Extrasystolen |
| Gefäßerkrankungen* | |
| Häufig | Hypertonie, peripheres Kältegefühl** |
| Sehr selten | Zerebrale Arteriitis und/oder zerebraler Gefäßverschluss, Raynaud-Syndrom |
| Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums | |
| Häufig | Husten, Pharyngolaryngealschmerzen, Dyspnoe** |
| Nicht bekannt | Epistaxis |
| Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts | |
| Sehr häufig | Übelkeit**, Mundtrockenheit** |
| Häufig | Abdominalschmerz, Magenbeschwerden, Erbrechen, Dyspepsie***, Zahnschmerzen***, Diarrhö (diese Nebenwirkungen treten in der Regel zu Beginn der Behandlung auf und lassen sich durch diegleichzeitige Aufnahme von Nahrung möglicherweise lindern) |
| Gelegentlich | Obstipation |
| Leber- und Gallenerkrankungen | |
| Gelegentlich | Erhöhte Leberenzymwerte |
| Sehr selten | Anomale Leberfunktion einschließlich hepatisches Koma |
| Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes | |
| Häufig | Hyperhidrosis**, Alopezie, Pruritus, Ausschlag, Urtikaria |
| Gelegentlich | Angioneurotisches Ödem, blasige Erkrankungen, exfoliativeErkrankungen |
| Selten | Makulöser Ausschlag, Erythem |
| Sehr selten | Erythema multiforme, exfoliative Dermatitis, fixes Arzneimittelexanthem |
| Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen | |
| Häufig | Arthralgie |
| Gelegentlich | Myalgie, Muskelzucken, Muskelspannung*** |
| Sehr seltenNicht bekannt | MuskelkrämpfeTrismus**** |
| Erkrankungen der Nieren und Harnwege | |
| Gelegentlich Nicht bekannt | Hämaturie Inkontinenz |
| Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse | |
| Selten | Gynäkomastie |
| Nicht bekannt | Erektionsstörung, Priapismus, verstärkte Erektion, verlängerte Erektion |
| Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort | |
| Häufig | Fieber, Wachstumsverzögerung bei längerer Anwendung bei Kindern*, sich aufgeregt fühlen***, Ermüdung**, Durst*** |
| Gelegentlich | Brustschmerzen |
| Sehr selten | Plötzlicher Herztod* |
| Nicht bekannt | Brustbeschwerden, Hyperpyrexie |
| Untersuchungen | |
| Häufig | Veränderungen des Blutdrucks und der Herzfrequenz (in der Regel eine Erhöhung)*, erniedrigtes Gewicht* |
| Gelegentlich | Herzgeräusch*, Leberenzyme erhöht |
| Sehr selten | Alkalische Phosphatase im Blut erhöht, Bilirubin im Blut erhöht, Thrombozytenzahl vermindert, Leukozytenzahl anomal |
* Siehe Abschnitt 4.4.
** Nebenwirkungen in klinischen Studien mit erwachsenen Patienten, die in größerer Häufigkeit berichtet wurden als bei Kindern und Jugendlichen.
*** Nebenwirkungen in klinischen Studien mit erwachsenen Patienten, die bei Kindern und Jugendlichen nicht berichtet wurden.
**** Auf der Grundlage der in ADHS-Studien bei Erwachsenen berechneten Häufigkeit (es wurden keine Fälle in pädiatrischen Studien berichtet).
***** Die Häufigkeit leitet sich aus klinischen Studien mit Erwachsenen und nicht aus Daten klinischer Studien mit Kindern und Jugendlichen ab; kann aber auch für Kinder und Jugendliche relevant sein.
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte Abt. Pharmakovigilanz
Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3 D-53175 Bonn
Website: www.bfarm.de
anzuzeigen.
Bei der Behandlung von Patienten mit einer Überdosierung muss auch der verzögert freisetzende Anteil von Methylphenidat aus Formulierungen mit verlängerter Wirkdauer berücksichtigt werden.
Anzeichen und Symptome
Eine akute Überdosierung kann, hauptsächlich durch eine Überstimulation des zentralen und sympathischen Nervensystems bedingt, zu Erbrechen, Agitiertheit, Tremor, Hyperreflexie, Muskelzucken, Konvulsionen (auf die ein Koma folgen kann), Euphorie, Verwirrtheit, Halluzinationen, Delirium, Schwitzen, Hitzegefühl, Kopfschmerzen, Hyperpyrexie, Tachykardie, Palpitationen, Herzrhythmusstörungen, Hypertonie, Mydriasis und Trockenheit der Schleimhäute führen.
Behandlung
Es gibt kein spezielles Antidot für eine Methylphenidat-Überdosierung. Die Behandlung besteht aus geeigneten unterstützenden Maßnahmen.
Der Patient muss vor Selbstverletzung und vor äußeren Stimuli geschützt werden, die die bereits vorhandene Überstimulation noch verschlimmern könnten. Wenn die Anzeichen und Symptome nicht zu schwerwiegend sind und der Patient bei Bewusstsein ist, kann der Magen durch Auslösen von Erbrechen oder durch eine Magenspülung entleert werden. Vor Durchführung einer Magenspülung müssen Agitiertheit und Krampfanfälle gegebenenfalls unter Kontrolle gebracht und die Atemwege freigehalten werden. Andere Maßnahmen zur Entgiftung des Darms bestehen in der Verabreichung von Aktivkohle und eines Abführmittels. Bei einer schweren Intoxikation ist vor Einleitung der Magenspülung eine sorgfältig titrierte Dosis eines Benzodiazepins zu verabreichen.
Eine intensivmedizinische Versorgung muss gewährleistet sein, um Kreislauf und Atmung aufrechtzuerhalten; bei Hyperpyrexie können äußerliche Kühlverfahren erforderlich sein.
Die Wirksamkeit einer Peritonealdialyse oder extrakorporalen Hämodialyse bei einer Überdosierung von Methylphenidat ist nicht erwiesen.
Pharmakologische Eigenschaften - Methylphenidat 20 mg
Pharmakotherapeutische Gruppe: Psychoanaleptika, Psychostimulanzien, Mittel zur Behandlung der ADHS und Nootropika, zentral wirkende Sympathomimetika
ATC-Code: N06BA04
Wirkmechanismus
Der in Methylphenidat AL enthaltene Wirkstoff Methylphenidat ist ein Psychostimulans mit ausgeprägteren Effekten auf zentralnervöse als auf motorische Aktivitäten. Chemisch gesehen stellt er einen basischen Ester der Phenylessigsäure dar. Das Molekül enthält das Phenylethylamin-Skelett, das für die amphetaminähnlichen Wirkungen verantwortlich gemacht wird.
Methylphenidat enthält zwei chirale Zentren und verfügt somit über vier Stereoisomere. Die pharmakodynamisch aktive Konfiguration ist die threo-Form. Das D-Isomer ist pharmakologisch aktiver als das L-Isomer.
Tierexperimentell wirkt Methylphenidat indirekt sympathomimetisch durch Freisetzung von Noradrenalin aus intraneuronalen Speichern adrenerger Neurone und Hemmung der Wiederaufnahme. Dosisabhängig, d.h. mit steigender Konzentration im Zentralnervensystem, setzt Methylphenidat auch Dopamin frei und hemmt dessen Wiederaufnahme. Anders als bei Amphetamin werden bei Tieren, die mit Reserpin vorbehandelt wurden, keine Katecholamine durch Methylphenidat freigesetzt. Dies bedeutet, dass durch Methylphenidat induzierte Stereotypien mit Reserpin unterbunden werden können.
Der Wirkmechanismus beim Menschen ist nicht vollständig geklärt; es wird jedoch vermutet, dass der stimulierende Effekt auf eine Hemmung der Dopamin-Wiederaufnahme im Striatum zurückzuführen ist, ohne dass eine Freisetzung von Dopamin ausgelöst wird. Der Mechanismus, durch den Methylphenidat die kognitiven Effekte und Verhaltenseffekte hervorruft, ist nicht eindeutig nachgewiesen.
Die indirekt sympathomimetische Wirkung von Methylphenidat beim Menschen kann zu Blutdruckanstieg, Pulsfrequenzbeschleunigung und Verminderung des Tonus der Bronchialmuskulatur führen. Diese Wirkungen sind in der Regel nicht sehr stark ausgeprägt. Die zentral stimulierende Wirkung äußert sich unter anderem in einer Steigerung der Konzentrationsfähigkeit, Leistungs- und Entscheidungsbereitschaft, psychophysischer Aktivität sowie in Unterdrückung von Müdigkeit und körperlicher Abgeschlagenheit. Insbesondere bei missbräuchlicher Anwendung kann dies zu einer Verkennung der Grenzen des Leistungsvermögens bis hin zum Zusammenbruch physiologischer Funktionssysteme, bei Überdosierung zum Tode führen. Methylphenidat kann den Appetit vermindern und bei hoher Dosierung zu einem Anstieg der Körpertemperatur führen. Ebenfalls bei hoher Dosierung bzw. nach längerem Gebrauch können Verhaltensstereotypien ausgelöst werden.
ADHS bei Erwachsenen
Methylphenidat wurde in einer kombinierten Kurz- und Langzeithauptstudie, bestehend aus drei Phasen (Abschnitt 1 = 9 Wochen Kurzzeitbehandlung, Abschnitt 2 = 5 Wochen offene Behandlung mit Methylphenidat ohne Placebo-Kontrolle, Abschnitt 3 = randomisierte Absetzphase) untersucht. Nach der Hauptstudie folgte eine 26-wöchige offene Verlängerungsstudie.
Bei der Hauptstudie handelte es sich um eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte, multizentrische Studie an 725 erwachsenen Patienten (395 Männer und 330 Frauen), bei denen nach den ADHS-Kriterien des DSM-IV eine ADHS diagnostiziert worden war. Die Studie hatte folgende Ziele:
-
Bestätigung der Wirksamkeit und Sicherheit von Methylphenidat bei Erwachsenen (18 bis 60 Jahre) im Rahmen eines 9-wöchigen, doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Abschnitts mit Parallelgruppen (Abschnitt 1), der aus einer 3-wöchigen Titrationsphase und einer anschließenden 6-wöchigen Phase mit fester Dosierung (40, 60 oder 80 mg/Tag oder Placebo) bestand. Darauf folgte über einen Zeitraum von 5 Wochen eine erneute Titration der Patienten auf die für sie optimale Methylphenidat-Dosis (40, 60 oder 80 mg/Tag) (Abschnitt 2).
-
Beurteilung der Aufrechterhaltung der Wirkung von Methylphenidat bei Erwachsenen mit ADHS im Rahmen einer 6-monatigen, doppelblinden, randomisierten Absetzstudie (Abschnitt 3).
Die Wirksamkeit wurde im Bereich Symptomkontrolle anhand der ADHD Rating Scale nach DSM-IV (DSM-IV ADHD RS) und im Bereich Funktionsverbesserung anhand der Sheehan Disability Scale (SDS) bewertet und als die Verbesserung der jeweiligen Gesamtpunktzahl von der Baseline bis zum Ende von Abschnitt 1 erfasst. Bei allen Dosierungen von Methylphenidat war gemessen an der Reduktion der Gesamtpunktzahl in DSM-IV ADHD RS eine signifikant bessere Symptomkontrolle (bei allen Dosierungen p <0,0001) als unter Placebo zu beobachten. Bei allen Dosierungen von Methylphenidat war gemessen an der Verbesserung der SDS-Gesamtpunktzahl eine signifikant stärkere Funktionsverbesserung (40 mg: p = 0,0003; 60 mg: p = 0,0176; 80 mg: p <0,0001) als unter Placebo zu beobachten (siehe Tabelle 2).
Die klinische Wirksamkeit wurde bei allen drei Methylphenidat-Dosierungen anhand von Arzt-Beurteilungsskalen [Clinical Global Impression – Improvement (CGI I) und Clinical Global Impression – Severity (CGI S)], Selbstbeurteilungsskalen [Adult Self-Report Scale (ASRS)] und Beobachter-Beurteilungsskalen [Conners’ Adult ADHD Rating Scale – Observer: Short Version (CAARS O:S)] nachgewiesen. In Abschnitt 1 waren die Ergebnisse von Methylphenidat in sämtlichen Bewertungen jenen von Placebo überlegen.
Tabelle 2 Analyse der Verbesserung von Baseline 1 bis zum Ende von Abschnitt 1 gemäß Gesamtpunktzahl in DSM IV ADHD RS und SDS-Gesamtpunktzahl je Behandlung/(LOCF*) in Abschnitt 1
| Methylphenid at 40 mg | Methylphenida t 60 mg | Methylphenida t 80 mg | Placebo | ||
| Verbesserung | N | 160 | 155 | 156 | 161 |
| in DSM IV | LS- | 15,45 | 14,71 | 16,36 | 9,35 |
| ADHD RS | Mittelwert* | ||||
| gegenüber | p-Wert**** | <0,0001 | <0,0001 | <0,0001 | |
| Baseline | Signifikanzni | 0,0167 | 0,0208 | 0,0313 | |
| veau |
| Verbesserung | N | 151 | 146 | 148 | 152 |
| der SDS- | LS- | 5,89 | 4,9 | 6,47 | 3,03 |
| Gesamtpunktz | Mittelwert | ||||
| ahl gegenüber | p-Wert**** | 0,0003 | 0,0176 | <0,0001 | |
| Baseline | |||||
| Signifikanzni | 0,0167 | 0,0208 | 0,0313 | ||
| veau*** |
* LOCF – Last Observation Carried Forward – letzter Besuchstermin jedes Patienten mit Daten aus der 6-wöchigen Phase mit fester Dosierung in Abschnitt 1,
** LS-Mittelwert – Kleinste-Quadrate-Mittelwertsverbesserung im Kovarianzanalyse-Modell (ANCOVA) mit Behandlungsgruppe und Zentrum als Faktoren und Baseline-Gesamtpunktzahl in DSM-IV ADHS RS und SDS-Gesamtpunktzahl als Kovariate,
*** Signifikanzniveau = das endgültige zweiseitige Signifikanzniveau (alpha) des Tests nach dem erweiterten Gatekeeping-Verfahren,
**** p-Wert bezieht sich auf den Vergleich gegenüber Placebo
Die Aufrechterhaltung der Wirkung von Methylphenidat wurde durch Messung des prozentualen Therapieversagens bei Behandlung mit Methylphenidat im Vergleich zur Placebo-Gruppe am Ende der 6-monatigen Erhaltungsphase beurteilt (siehe Tabelle 3). Nach Optimierung der Methylphenidat-Dosis in Abschnitt 2 war bei etwa 79% der Patienten eine Aufrechterhaltung der Symptomkontrolle für einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten zu beobachten (p <0,0001 vs. Placebo). Die Odds Ratio von 0,3 zeigte an, dass bei den mit Placebo behandelten Patienten ein 3-mal höheres Risiko für ein Therapieversagen bestand als bei den mit Methylphenidat behandelten Patienten.
Tabelle 3 Prozentuales Therapieversagen in Abschnitt 3
| Alle Methylphenidat-Gruppen vs. Placebo | ||||
| Alle Methylphenidat-Gruppen N=352n (%) | Placebo N=115 n (%) | Odds Ratio (95%-KI) | p-Wert* (Signifikanznivea u**) | |
| Therapieversagen | 75 (21,3) | 57 (49,6) | 0,3 (0,2, 0,4) | <0,0001 (0,0500) |
| Kein Therapieversagen | 277 (78,7) | 58 (50,4) | ||
* zweiseitiger p-Wert basierend auf dem Vergleich zwischen jeder Methylphenidat-Gruppe und Placebo anhand des logistischen Regressionsmodells.
** Signifikanzniveau = das endgültige zweiseitige Signifikanzniveau (alpha) des Tests nach dem erweiterten Gatekeeping-Verfahren.
Patienten, die in Abschnitt 3 eintraten, waren in den Abschnitten 1 und 2 insgesamt zwischen 5 und 14 Wochen mit Methylphenidat behandelt worden. Die Patienten, denen in Abschnitt 3 Placebo zugewiesen wurde, zeigten im Vergleich zu den Patienten, die die Methylphenidat-Behandlung fortsetzten, keine vermehrten Entzugs- und Rückfallerscheinungen.
Während der Kurzzeitbehandlung zeigten sowohl Männer als auch Frauen über alle Methylphenidat-Dosisgruppen hinweg eine statistisch stärkere Verbesserung der Gesamtpunktzahl in DSM IV ADHD RS als die Placebo-
Gruppe. Bei Männern wurde die beste numerische Verbesserung der Punktzahl mit Methylphenidat 80 mg erreicht, wohingegen bei Frauen die beste Verbesserung in der Gruppe mit der niedrigsten Methylphenidat-Dosis von 40 mg erreicht wurde. Dieser Trend war nicht signifikant und während der Langzeitbehandlung nicht zu beobachten. Bei Frauen wurde im Vergleich zu Männern eine etwas höhere Inzidenz von Nebenwirkungen beobachtet.
Generell wurde bei Männern und Frauen jedoch ein ähnliches Sicherheitsprofil festgestellt. Daher sollte die Dosis individuell titriert werden (maximal mögliche Dosis 80 mg/Tag). Es sollte das Behandlungsschema angewendet werden, das mit der niedrigsten Tagesdosis eine zufriedenstellende Symptomkontrolle erzielt.
Die 26-wöchige offene Verlängerungsstudie zur Methylphenidat-Behandlung von 298 erwachsenen Patienten mit ADHS belegte die Langzeitsicherheit von Methylphenidat. Bei Kombination der kontinuierlichen Methylphenidat-Exposition aller in der Haupt- und Verlängerungsstudie behandelten Patienten ergibt sich eine Gesamtzahl von 354 bzw. 136 Patienten, die mehr als 6 Monate bzw. mehr als 12 Monate kontinuierlich Methylphenidat erhielten.
In der Verlängerungsstudie konnte beobachtet werden, dass sich das Sicherheitsprofil von Methylphenidat mit der längeren Behandlungsdauer bei erwachsenen ADHS-Patienten nicht veränderte. Das beobachtete Nebenwirkungsprofil bei den Patienten in der Verlängerungsstudie war dem der Hauptstudie ähnlich. In der Verlängerungsstudie wurden keine unerwarteten schwerwiegenden Nebenwirkungen beobachtet und auch die meisten aufgetretenen Nebenwirkungen waren erwartet worden.
Die Gesamthäufigkeit der Nebenwirkungen und einige bestimmte Nebenwirkungen nahmen jedoch mit der Expositionszeit zu. Ein Gewichtsverlust trat bei 0,7% (≤2 Monate), 5,6% (>6 Monate) bzw. 7,4% (>12 Monate) der Patienten auf. In Abschnitt 3 kam es bei 13,8% der Patienten (im 6-monatigen Erhaltungszeitraum) zu einer signifikanten Gewichtsverminderung um ≥7% gegenüber Baseline. Schlaflosigkeit/initiale Schlaflosigkeit/Schlafstörungen nahmen bei einer Langzeitbehandlung über
>12 Monate zu. Die Inzidenz depressiver Verstimmungen erhöhte sich mit der Zeit leicht (4,8% bei Dauer <2 Monaten, 4,5% bei >6 Monaten und 6,6% bei
>12 Monaten), wohingegen sich die Inzidenz von Depressionen mit der Zeit verringerte (0% bei >12 Monate). Die Inzidenz von Tachykardien und Palpitationen nahm bei Langzeitexposition leicht zu (Tachykardie: 4,8% bei Exposition <2 Monate und 6,6% bei Exposition >12 Monate; Palpitationen 6,9% bei Exposition <2 Monate und 9,6% bei Exposition >12 Monate). Auch die Inzidenz von Bluthochdruck nahm bei Langzeitexposition leicht zu: von 2,1% bei Exposition <2 Monate auf 5,1% bei Exposition >12 Monate. Der mittlere Anstieg der Herzfrequenz erhöhte sich von 2,4 Schlägen/min (Exposition <2 Monate) auf 4,9 bzw. 4,8 Schläge/min (Exposition >6 Monate bzw. Exposition
>12 Monate).
Tachykardie: Bei Baseline war der Prozentsatz der Patienten mit einer Herzfrequenz >100 Schläge/min sehr gering (0,4% in der Methylphenidat-Gruppe und 0,6% in der Placebo-Gruppe). Hingegen entwickelten 11,3% der Methylphenidat-Patienten mit einer normalen Baseline-Herzfrequenz während der Kurzzeitbehandlung bei mindestens einem Besuchstermin eine Herzfrequenz von >100 Schlägen/min (nur 2,2% in der Placebo-Gruppe).
Während der Langzeitbehandlung entwickelten unter Methylphenidat 8,6% und unter Placebo 3,4% der Patienten mit einer normalen Baseline-Herzfrequenz bei mindestens einem Besuchstermin eine Herzfrequenz >100 Schläge/min.
Methylphenidat AL ist ein Racemat aus D-Methylphenidat und L-Methylphenidat im Verhältnis 1:1.
Resorption
Nach oraler Gabe von Methylphenidat (Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung) an Kinder mit diagnostizierter ADHS und Erwachsene wird Methylphenidat schnell resorbiert und führt zu einer bimodalen Plasmakonzentrations-Zeit-Kurve (d.h. zwei ausgeprägten Spitzen im Abstand von etwa vier Stunden). Die relative Bioverfügbarkeit einer einmal täglichen Dosis von Methylphenidat mit veränderter Wirkstofffreisetzung ist bei Kindern und Erwachsenen vergleichbar mit der einer entsprechenden Gesamtdosis Methylphenidat mit schneller Wirkstofffreisetzung bei zweimal täglicher Anwendung.
Die Schwankungen zwischen den Spitzen- und Talkonzentrationen von Methylphenidat im Plasma sind bei einmal täglicher Anwendung von Methylphenidat mit veränderter Wirkstofffreisetzung geringer als bei zweimal täglicher Anwendung von Methylphenidat mit schneller Wirkstofffreisetzung.
Einfluss von Nahrungsmitteln
Methylphenidat AL mit veränderter Wirkstofffreisetzung kann mit oder ohne Nahrung eingenommen werden. Nach Einnahme von Methylphenidat mit veränderter Wirkstofffreisetzung mit einem fettreichen Frühstück oder mit Apfelmus wurden im Vergleich zur Einnahme im nüchternen Zustand keine Unterschiede in der Bioverfügbarkeit beobachtet. Es gibt keine Belege für eine vorzeitige Freisetzung der Dosis („Dose Dumping“) bei Anwendung mit oder ohne Nahrung.
Bei Patienten, die Schwierigkeiten beim Schlucken der Hartkapsel mit veränderter Wirkstofffreisetzung haben, kann der Kapselinhalt auf breiige Nahrung (z.B. Apfelmus) gestreut und dann umgehend verabreicht werden (siehe Abschnitt 4.2).
Verteilung
Im Blut verteilen sich Methylphenidat und seine Metaboliten auf Plasma (57%) und Erythrozyten (43%). Die Bindung von Methylphenidat und seinen
Metaboliten an Plasmaproteine ist mit 10 - 33% gering. Das Verteilungsvolumen beträgt für D-MPH 2,65 ± 1,11 l/kg und für L-MPH 1,80 ± 0,91 l/kg.
Methylphenidat überwindet leicht die Blut-Hirn-Schranke.
Biotransformation
Methylphenidat wird schnell und nahezu vollständig durch die Carboxylesterase CES1A1 metabolisiert. Es wird vornehmlich zu α-Phenyl-2-Piperidin-Essigsäure (Ritalinsäure) abgebaut. Die maximalen Plasmakonzentrationen der α-Phenyl-2-Piperidin-Essigsäure werden etwa 2 Stunden nach der Einnahme erreicht und sind 30- bis 50-mal höher als die der unveränderten Substanz. Die Halbwertszeit von α-Phenyl-2-Piperidin-Essigsäure ist etwa doppelt so lang wie die von Methylphenidat und die mittlere systemische Clearance beträgt 0,17 l/h/kg. Bei Patienten mit Niereninsuffizienz ist deshalb eine Akkumulation möglich. Da α-Phenyl-2-Piperidin-Essigsäure nur geringe oder gar keine pharmakologische Wirkung besitzt, spielt dies therapeutisch eine untergeordnete Rolle. Nur geringe Mengen von hydroxylierten Metaboliten (z.B. Hydroxymethylphenidat und Hydroxyritalinsäure) sind nachweisbar.
Die therapeutische Wirkung scheint hauptsächlich auf Methylphenidat zurückzuführen zu sein.
Elimination
Methylphenidat wird mit einer durchschnittlichen Halbwertszeit von 2 Stunden aus dem Plasma eliminiert. Die systemische Clearance beträgt für D-MPH 0,40
± 0,12 l/h/kg und für L-MPH 0,73 ± 0,28 l/h/kg. Nach oraler Gabe werden innerhalb von 48 - 96 Stunden 78 - 97% der Dosis im Urin und 1 - 3% in den Fäzes in Form von Metaboliten ausgeschieden. Nur geringe Mengen (<1%) von unverändertem Methylphenidat gelangen in den Urin. Der Großteil der Dosis wird vermutlich pH-unabhängig als α-Phenyl-2-Piperidin-Essigsäure (60 - 86%) im Urin ausgeschieden.
Zwischen Kindern mit hyperkinetischen Störungen/ADHS und gesunden erwachsenen Probanden gibt es anscheinend keine Unterschiede in der Pharmakokinetik von Methylphenidat. Die Eliminationsdaten von Patienten mit normaler Nierenfunktion lassen vermuten, dass die renale Ausscheidung von unverändertem Methylphenidat durch eine gestörte Nierenfunktion kaum herabgesetzt würde. Die renale Ausscheidung des Hauptmetaboliten α-Phenyl-2-Piperidin-Essigsäure könnte jedoch vermindert werden.
Pharmazeutische Angaben - Methylphenidat 20 mg
Kapselinhalt
Mikrokristalline Cellulose (E 460a) Hypromellose (E 464)
Talkum (E 553b)
Methacrylsäure-Methylmethacrylat-Copolymer (1:1) (Ph.Eur.)
Triethylcitrat (E 1505) Ethylcellulose
Hydroxypropylcellulose (Ph.Eur.) 300 - 600 mPa.s (E 463)
Salzsäure 36% (E 507)
Kapselhülle Gelatine Titandioxid (E 171)
Methylphenidat AL 10 mg / 30 mg / 40 mg / 60 mg Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung zusätzlich
Eisen(III)-hydroxid-oxid x H2O (E 172)
Drucktinte Schellacküberzug (E 904)
Eisen(II,III)-oxid (E 172)
Propylenglycol (E 1520)
Für diese Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.
HDPE-Flasche mit kindergesichertem Verschluss oder kindergesicherte Aluminium/PVC/PE/PVDC-Blisterpackung
Methylphenidat AL 10 mg Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung Originalpackung mit 10, 28, 30, 50, 56, 60 und 100 Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung
Methylphenidat AL 20 mg Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung
Originalpackung mit 10, 28, 30, 50, 56, 60, 84 und 100 Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung
Methylphenidat AL 30 mg Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung Originalpackung mit 10, 28, 30, 50, 56, 60 und 100 Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung
Methylphenidat AL 40 mg Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung Originalpackung mit 10, 28, 30, 50, 56, 60 und 100 Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung
Methylphenidat AL 60 mg Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung Originalpackung mit 10, 28, 30 und 40 Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung
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