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Präparate

Procain Hevert 2 %, Injektionslösung 2 ml

Wechselwirkungen-Liste
Beschränkungen

Verschreibungsinformationen

Versicherungsliste

Arzneimittel ist nicht auf der Liste.

Informationen zur Abgabe

Apothekenpflichtig

Verschreibungseinschränkungen

Keine Verschreibungseinschränkungen

Sonstige Informationen

Name des Präparats

Procain Hevert 2 %, Injektionslösung 2 ml

Gluten/Laktose

Gluten: Nein
Laktose: Nein

Darreichungsform

Injektionslsg.

Hersteller

Hevert-Arzneimittel GmbH & Co. KG

Letzte Aktualisierung der Fachinformation

1.4.2025
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Fachinfo - Procain 2 %

Anwendungsgebiete

Zur Anwendung im Rahmen neuralthe-rapeutischer Anwendungsprinzipien.

Dosierung

Grundsätzlich gilt, dass nur die kleinste Dosis verabreicht werden darf, mit der die gewünschte Wirkung erreicht wird. Die Dosierung ist entsprechend den Be-sonderheiten des Einzelfalles individuell vorzunehmen.

Soweit nicht anders verordnet, gelten folgende Dosierungsempfehlungen für Jugendliche über 15 Jahren und Er-wachsene mit einer durchschnittlichen Körpergröße:

Hautquaddeln pro Quaddel bis zu 10 mg Procainhydrochlorid (entspricht bis zu 0,5 ml Procain Hevert 2%).

Die empfohlene Maximaldosis bei einzei-tiger Anwendung in Geweben, aus de-nen eine schnelle Aufnahme von Arz-neistoffen erfolgt, beträgt 500 mg Pro-cain (entsprechend 25 ml Procain Hevert 2%). Bei Anwendung im Kopf-, Hals- und Genitalbereich beträgt die empfohlene einzeitige Maximaldosis 200 mg Procain (innerhalb von 2 Stunden).

Bei Patienten mit bestimmten Vorerkran-kungen (Gefäßverschlüssen, Arterioskle-rose oder Nervenschädigung bei Zucker-krankheit) ist die Dosis ebenfalls um ein Drittel zu verringern. Bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion können be-sonders bei wiederholter Anwendung er-höhte Plasmaspiegel auftreten. In diesen Fällen wird ebenfalls ein niedrigerer Do-sisbereich empfohlen.

Kinder

Für die Anwendung bei Kindern liegen keine Anwendungserfahrungen vor, aus denen allgemeine Dosierungsempfeh-lungen abgeleitet werden können.

Ältere Menschen

Bei älteren Menschen wird eine Do-sisanpassung entsprechend des jeweili-gen Allgemeinzustands empfohlen.

Art und Dauer der Anwendung

Procain Hevert 2% wird in die Haut (int-rakutan) eingespritzt.

Grundsätzlich gilt, dass bei kontinuierli-cher Anwendung nur niedrig konzentrier-te Lösungen von Procainhydrochlorid appliziert werden.

Eine wiederholte Anwendung dieses Arzneimittels kann aufgrund einer Ta-chyphylaxie (rasche Toleranzentwicklung gegenüber dem Arzneimittel) zu rever-siblen Wirkungseinbußen führen.

Die Injektionslösung ist nur zur einmali-gen Entnahme vorgesehen. Die Anwen-dung muss unmittelbar nach Öffnung des Behältnisses erfolgen. Nicht ver-brauchte Reste sind zu verwerfen.

Gegenanzeigen

Procain Hevert 2% darf nicht angewen-det werden

  • bei bekannter Überempfindlichkeit ge-gen Lokalanästhetika vom Ester-Typ, Sulfonamide, Benzoesäure (Parabene) (siehe auch Abschnitt 4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnah-men für die Anwendung),

  • bei bekanntem Mangel an Pseudocho-linesterase mit der Folge erheblich herabgesetzter Enzymaktivität,

  • zur intraarteriellen, periduralen oder spinalen Injektion.

Warnhinweise

Procain Hevert 2% darf nur mit besonde-rer Vorsicht angewendet werden

  • bei Myasthenia gravis,

  • bei Störungen des Herz-Reizlei-tungssystems,

  • bei Herzinsuffizienz,

  • zur Injektion in ein infiziertes Gebiet

Vor einer Lokalanästhesie ist grundsätz-lich auf eine gute Auffüllung des Kreis-laufes zu achten. Bestehende Hy-povolämien müssen behoben werden.

Ist eine Allergie gegen Procain bekannt, so kann eine Kreuzallergie gegenüber anderen Ester-Lokalanästhetika und chemisch verwandten Substanzen in Form einer Paragruppenallergie auftre-ten. Chemische Basis dieser Gruppenal-lergie ist eine an den Benzolring gebun-dene Amino- bzw. Hydroxylgruppe, die sich in Parastellung zu den anderen Resten befindet. Auch bei kutaner Form der Procain-Allergie kann sich eine Gruppenallergie entwickeln mit entspre-chenden Symptomen auf Sulfonamide, orale Antidiabetika, bestimmte Farbstof-fe, Röntgenfilmentwickler usw. Bei be-kannter Allergie gegen Sulfonamide ist eine kreuzallergische Reaktion auf Pro-cain nicht auszuschließen.

Bei Patienten mit Pseudocholinesterase-Mangel und erheblich herabgesetzter Enzymaktivität muss verstärkt mit toxi-schen Symptomen bei Procain-Applikation gerechnet werden.

Grundsätzlich ist vor der Injektion eines Lokalanästhetikums darauf zu achten, dass das Instrumentarium zur Wiederbe-lebung (zum Beispiel zur Freihaltung der Atemwege und zur Sauerstoffzufuhr) und die Notfallmedikation zur Therapie toxi-scher Reaktionen sofort verfügbar sind. Alle Maßnahmen zur Beatmung, anti-konvulsiven Therapie und Reanimation müssen vorhanden sein.

Bei Anwendung im Hals-Kopf-Bereich besteht ein höherer Gefährdungsgrad, weil das Risiko für zentralnervöse Intoxi-kationssymptome erhöht ist.

Zur Vermeidung von Nebenwirkungen sollten folgende Punkte beachtet wer-den:

  • bei Risikopatienten und bei Verwen-dung höherer Dosierungen (mehr als 25% der maximalen Einzeldosis bei einzeitiger Gabe) intravenösen Zugang für Infusion anlegen (Volumensubstitu-tion),

  • Dosierung so niedrig wie möglich wäh-len,

  • in der Regel keinen Vasokonstriktorzu-satz verwenden,

  • korrekte Lagerung des Patienten be-achten,

  • vor Injektion sorgfältig in zwei Ebenen aspirieren (Drehung der Kanüle),

  • Vorsicht bei Injektion in infizierte Berei-che (aufgrund verstärkter Resorption bei herabgesetzter Wirksamkeit),

  • Injektion langsam vornehmen,

  • Blutdruck, Puls und Pupillenweite kon-trollieren,

  • allgemeine und spezielle Kontraindika-tionen sowie Wechselwirkungen mit anderen Mitteln beachten.

Es ist zu beachten, dass unter Behand-lung mit Blutgerinnungshemmern (An-tikoagulantien, wie zum Beispiel Hepa-rin), nichtsteroidalen Antirheumatika oder Plasmaersatzmitteln nicht nur eine ver-sehentliche Gefäßverletzung im Rahmen der Schmerzbehandlung zu ernsthaften Blutungen führen kann, sondern dass allgemein mit einer erhöhten Blutungs-neigung gerechnet werden muss. Gege-benenfalls sollten die Blutungszeit und die partielle Thromboplastinzeit (PTT), resp. aktivierte partielle Thromboplastin-zeit (aPTT) bestimmt, der Quick-Test durchgeführt und die Thrombozytenzahl überprüft werden. Diese Untersuchungen sollten bei Risikopatienten auch im Falle einer Low-dose-Heparinprophylaxe (vor-sorgliche Behandlung mit dem Blutgerin-nungshemmer Heparin in niedriger Do-sis) vor der Anwendung von Procain He-vert 2% durchgeführt werden. Gegebe-nenfalls ist die Antikoagulantientherapie zeitig genug auszusetzen.

Eine Injektion bei gleichzeitiger Vorsor-getherapie zur Vermeidung von Throm-bosen (Thromboseprophylaxe) mit nie-dermolekularem Heparin sollte nur unter besonderer Vorsicht durchgeführt wer-den.

Kinder

Für die Anwendung bei Kindern liegen keine Anwendungserfahrungen vor, aus denen allgemeine Dosierungsempfeh-lungen abgeleitet werden können.

Ältere Menschen

Bei älteren Menschen wird eine Do-sisanpassung entsprechend des jeweili-gen Allgemeinzustands empfohlen.

Sonstige Bestandteile

Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol (23 mg) Natrium pro Ampulle, d.h. es ist nahezu „natriumfrei“.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen-Liste
Zu Wechselwirkungen hinzufügen

Folgende Wechselwirkungen von Pro-cain mit anderen Arzneimitteln sind be-kannt:

  • Verlängerung der Wirkung durch nicht-depolarisierende Muskelrelaxanzien,

  • Verstärkung der Wirkung durch Phy-sostigmin,

  • Verminderung der Wirksamkeit der Sulfonamide.

Procain sollte nicht gemeinsam mit Cho-linesterase-Inhibitoren eingesetzt wer-den. Durch den Einfluss auf den Procain-Metabolismus kommt es zu einer Erhö-hung der Procain-Toxizität. Andere pharmakologische Eigenschaften der Cholinesterasehemmer könnten die Pro-cain-Toxizität ebenfalls beeinflussen.

Durch Zugabe kleiner Atropinmengen ist eine Verlängerung der Procain-Anästhesie möglich. Als Grundlage für den Effekt wurde die mögliche Erniedri-gung der Gewebepermeabilität diskutiert.

Physostigmin kann in niedrigen Dosie-rungen einen protektiven Effekt gegen toxische Procainwirkungen haben.

Wichtigste Inkompatibilitäten Siehe 6.2 Inkompatibilitäten.

Schwangerschaft

Bei 1340 Mutter-Kind-Paaren traten feta-le Anomalien nach Anwendung von Pro-cain im 1. Trimenon nicht überzufällig häufig auf. Bisher sind keine anderen re-levanten epidemiologischen Studien ver-fügbar. In Tierstudien ist das reprodukti-onstoxikologische Potenzial von Procain nur unzureichend abgeklärt (siehe 5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit). Pro-cain passiert die Plazenta schnell und gut. Das Risiko für den Fetus erscheint aber gering, da Procain rasch esterhyd-rolytisch gespalten wird.

In der Schwangerschaft und Stillzeit soll-te Procain dennoch nur unter sorgfältiger Indikationsstellung zur Anwendung kommen, auch wenn besondere Risiken bisher nicht bekannt geworden sind.

Procain wird mit der Muttermilch ausge-schieden. Wegen der raschen Esterspal-tung ist das Risiko von Auswirkungen auf das Neugeborene gering, doch ist die Plasmahalbwertszeit beim Neugebore-nen verlängert. Da nachteilige Folgen für den Säugling bisher nicht bekannt ge-worden sind, wird bei kurzfristiger An-wendung eine Unterbrechung des Stil-lens in der Regel nicht erforderlich sein. Ist eine wiederholte Behandlung oder ei-ne Behandlung mit höheren Dosen er-forderlich, sollte abgestillt werden.

Fahrtüchtigkeit

Bei der Anwendung von Procain Hevert 2% muss der Arzt im Einzelfall entschei-den, ob der Patient aktiv am Straßenver-kehr teilnehmen darf, Maschinen bedie-nen oder Arbeiten ohne sicheren Halt durchführen kann.

Nebenwirkungen

Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeiten zu Grunde gelegt:

Sehr häufig (≥ 1/10)

Häufig (≥ 1/100 bis < 1/10) Gelegentlich (≥ 1/1.000 bis < 1/100) Selten (≥ 1/10.000 bis < 1/1.000) Sehr selten (< 1/10.000)

Nicht bekannt (kann aus den verfügba

ren Daten nicht abge-schätzt werden)

Wesentliche dosisabhängige Nebenwir-kungen von Procain betreffen das Zent-ralnerven- und das Herz-Kreislauf-System.

Erkrankungen des Nervensystems Häufigkeit nicht bekannt:

Als zentralnervöse Störungen können periorale Missempfindungen, Unruhe, Delirium, tonisch-klonische Krämpfe ausgelöst werden (siehe auch 4.9 Über-dosierung).

Herzerkrankungen Häufigkeit nicht bekannt:

Bei Plasmakonzentrationen, wie sie bei regelrechter Anwendung im Allgemeinen erreicht werden, wird der Blutdruck in der Regel nur geringfügig durch die positiv inotrope und positiv chronotrope Wirkung von Procain Hevert 2% beeinflusst.

Procain kann EKG-Veränderungen (T-Welle abgeflacht, ST-Strecke verkürzt) auslösen.

Ein Blutdruckabfall kann ein erstes Zei-chen für eine relative Überdosierung im Sinne einer kardiotoxischen Wirkung sein.

Allergische Reaktionen Häufigkeit selten:

Allergische Reaktionen auf Procain He-vert 2% in Form von Urtikaria, Ödem, Bronchospasmus oder eines Atemnotsyndroms sowie Kreislaufreakti-onen werden selten beschrieben.

Häufigkeit nicht bekannt:

Lokale Allergien und pseudoallergische Reaktionen in Form einer Kontaktderma-titis mit Erythem, Pruritus bis hin zur Bla-senbildung können bei Kontakt mit Ester-Lokalanästehetika auftreten.

Meldung des Verdachts auf Nebenwir-kungen

Die Meldung des Verdachts auf Neben-wirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit.

Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehö-rige von Gesundheitsberufen sind aufge-fordert, jeden Verdachtsfall einer Ne-benwirkung dem Bundesinstitut für Arz-neimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger Allee 3, 53175 Bonn, Website: www.bfarm.de anzuzeigen.

Überdosierung

  1. Symptome einer Überdosierung

    Procain Hevert 2% wirkt in niedrigen to-xischen Dosierungen als zentrales Ner-venstimulans, in hohen toxischen Berei-chen kommt es zu Depression der zent-ralen Funktionen. Die Procainhydrochlo-rid-Intoxikation verläuft in 2 Phasen:

    1. Stimulation

      • ZNS: Periorale Missempfindungen, Gefühl der tauben Zunge, Unruhe, Delirium, Krämpfe (tonsich-klonisch).

      • Kardiovaskulär: Herzfrequenz er-höht, Blutdruck erhöht, Rötung der Haut.

    2. Depression

      • ZNS: Koma, Atemstillstand.

      • Kardiovaskulär: Pulse nicht tast-bar, Blässe, Herzstillstand.

    Patienten mit einer beginnenden Lokal-anästhetika-Intoxikation fallen zunächst durch exzitatorische Symptome auf. Sie werden unruhig, klagen über Schwindel, akustische und visuelle Störungen sowie Kribbeln, vor allem an Zunge und Lip-penbereich. Die Sprache ist verwaschen, Schüttelfrost und Muskelzuckungen sind Vorboten eines drohenden generalisier-ten Krampfanfalls. Subkonvulsive Plas-maspiegel von Procainhydrochlorid füh-ren oft auch zu Schläfrigkeit und Sedie-rung der Patienten. Die Krampfanfälle sind zuerst von klonisch-tonischer Form. Bei fortschreitender ZNS-Intoxikation kommt es zu einer zunehmenden Funk-tionsstörung des Hirnstammes mit den Symptomen Atemdepression und Koma bis hin zum Tod.

    Ein Blutdruckabfall ist häufig das erste Zeichen eines toxischen Effekts auf das kardiovaskuläre System. Die Hypotensi-on wird hauptsächlich durch eine Hem-mung bzw. Blockade der kardialen Reiz-leitung verursacht. Die toxischen Wir-kungen sind jedoch klinisch von relativ untergeordneter Bedeutung.

  2. Notfallmaßnahmen und Gegenmittel

Beim Auftreten zentraler oder kardiovas-kulärer Symptome einer Intoxikation sind folgende Gegenmaßnahmen erforderlich:

  • Sofortige Unterbrechung der Zufuhr von Procain Hevert 2%,

  • freihalten der Atemwege,

  • zusätzlich Sauerstoff zuführen; falls notwendig mit reinem Sauerstoff assis-tiert oder kontrolliert beatmen,

  • sorgfältige Kontrolle von Blutdruck, Puls und Pupillenweiten.

    Diese Maßnahmen gelten auch für den Fall einer akzidentellen totalen Spinalan-ästhesie, deren erste Anzeichen Unruhe, Flüsterstimme und Schläfrigkeit sind. Letztere kann in Bewusstlosigkeit und Atemstillstand übergehen.

    Weitere Gegenmaßnahmen sind:

  • Bei einem akuten und bedrohlichen Blutdruckabfall sollte unverzüglich eine Flachlagerung des Patienten mit einer Hochlagerung der Beine erfolgen und ein Beta-Sympathomimetikum langsam intravenös injiziert werden. Zusätzlich ist eine Volumensubstitution vorzu-nehmen (zum Beispiel mit kristalloiden Lösungen).

  • Bei erhöhtem Vagotonus (Bradykardie) wird Atropin (0,5 bis 1,0 mg i.v.) verab-reicht. Bei Verdacht auf Herzstillstand sind die erforderlichen Maßnahmen der Reanimation durchzuführen.

  • Konvulsionen werden mit Diazepam 5 bis 10 mg i.v. behandelt.

Grundsätzlich ist darauf hinzuweisen, dass in vielen Fällen bei Anzeichen von Krämpfen die obligate Sauerstoffbeat-mung zur Behandlung ausreicht.

Zentral wirkende Analeptika sind kontra-indiziert bei Intoxikation durch Lokalan-ästhetika.

Pharmakologische Eigenschaften - Procain 2 %

Pharmakodynamik

Pharmakotherapeutische Gruppe: Lokal-anästhetikum, Ester der Aminobenzoe-säure

ATC-Code: N01BA02

Procain ist ein Lokalanästhetikum vom Typ der basischen Ester. Die Base hemmt die Funktion erregbarer Struktu-ren, wie sensorische, motorische und au-tonome Nervenfasern sowie die Erre-gungsleitung des Herzens. Procainhyd-rochlorid hebt reversibel und örtlich be-grenzt das Leitungsvermögen der sen-siblen Nervenfasern auf. Nach der Schmerzempfindung wird in fallender

Reihenfolge die Empfindung für Kälte bzw. Wärme, für Berührung und Druck herabgesetzt.

Procainhydrochlorid wirkt antiarrhyth-misch und tonussenkend an der glatten Muskulatur. Es zeigt außerdem eine schwache antihistaminerge und pa-rasympatholytische Wirkung.

Procainhydrochlorid setzt die Membran-permeabilität für Kationen, insbesondere für Natriumionen, in höheren Konzentra-tionen auch für Kaliumionen, herab. Dies führt konzentrationsabhängig zu einer verminderten Erregbarkeit der Nervenfa-ser, da der zur Ausbildung des Aktions-potenzials notwendige, plötzliche Anstieg der Natriumpermeabilität verringert ist. Die Membranstabilisierung beruht auf ei-ner Einlagerung der lipophilen Lokalan-ästhetika in die Zellmembran. Dadurch tritt eine unspezifische Membranexpan-sion ein, wodurch Ionenkanäle, beson-ders Natriumkanäle blockiert werden. Sekundär wird durch den hydrophilen Teil des Lokalanästhetikum-Moleküls, der in die wasserführende Pore hinein-ragt, der Durchtritt der Elektrolyte beein-trächtigt. Daher ist die Wirkung vom pKa-Wert der Substanz und vom pH-Wert des Milieus abhängig, also vom Anteil an ungeladener Base, die besser als die Kationen in die lipophile Nervenmemb-ran permeieren kann. Der pKa-Wert für Procainhydrochlorid liegt bei 25 °C bei 9,1. Das Verhältnis von dissoziierter Form zu der lipidlöslichen Base wird durch den im Gewebe vorliegenden pH-Wert bestimmt.

Der Wirkstoff diffundiert zunächst durch die Nervenmembran zur Nervenfaser als basische Form, wirkt aber als Procain-Kation erst nach Reprotonierung. Bei niedrigen pH-Werten, zum Beispiel im entzündlich veränderten Gewebe, liegen nur geringe Anteile in der basischen Form vor, sodass keine ausreichende Anästhesie zustande kommen kann.

Pharmakokinetik

Die Resorption von Procainhydrochlorid ist abhängig von der Vaskularisierung bzw. Durchblutung des Injektionsgebie-tes. Die Zeit bis zum Wirkungseintritt be-trägt bei der Infiltration ein bis zwei Minu-ten, dagegen 15 bis 20 Minuten bei der Epiduralanästhesie. Die Wirkung dauert ein bis zwei Stunden an. Die Eiweißbin-dung wurde einschließlich der Erythrozy-ten-Bindung zu 6% bestimmt. Der Vertei-lungskoeffizient (Lipid/Wasser) beträgt 0,6 und das Verteilungsvolumen im Steady-state 65 I.

Die Substanz überwindet die Plazenta-schranke ab einer Dosierung von 4 mg/kg Körpergewicht nach intravenöser Injektion.

Metabolisiert wird Procainhydrochlorid vor allem durch im Plasma befindliche unspezifische Esterasen unter Bildung von p-Aminobenzoesäure, die sensibili-sierend wirken kann. In der Leber wird

nur ein geringer Anteil Procainhydrochlo-rid biotransformiert. Die Halbwertszeit der Esterhydrolyse beträgt 0,84 Minuten, beim Neugeborenen bzw. bei Patienten mit Nierenschäden 1,4 Minuten und ist bei Leberinsuffizienz auf bis zu 2,3 Minu-ten verlängert. In der Spinalflüssigkeit wurde nur eine geringe Biotransformati-on festgestellt. Hier traten neben 97% unveränderter Substanz 2% p-Aminobenzoesäure und 0,5% N-Acetyl-Procainhydrochlorid auf. Innerhalb von 24 Stunden wurden nach i.v. Applikation im Urin 2% unverändertes Procainhydro-chlorid, 80% p-Aminobenzoesäure und deren Konjugate sowie Diethylamino-ethanol gefunden. Diethylaminoethanol wirkt gefäßerweiternd und wird überwie-gend in der Leber abgebaut. Nach Pro-cainhydrochloridanästhesie konnte im Harn kein Procainhydrochlorid mehr nachgewiesen werden; neben 2% p-Aminobenzoesäure und 30% Diethyla-minoethanol traten verschiedene Konju-gate in nicht näher untersuchter Menge auf.

Pharmazeutische Angaben - Procain 2 %

Liste der sonstigen Bestandteile

Natriumchlorid, Salzsäure 25% (m/m), Wasser für Injektionszwecke.

Inkompatibilitäten

Procain Hevert 2% ist mit alkalischen Lösungen inkompatibel und darf daher nicht mit diesen gemischt werden.

Inkompatibel mit Amphotericin (Fällung), Benzylpenicillin, Iod- und Quecksilber-salzen, Kaliumdichromat, Kaliumper-manganat, Gerbsäure, PVC-Behältnissen (Verfärbung des Packmate-rials), alkalisch reagierende Stoffe (Fäl-lung, Verseifung). Trübungen parentera-ler Lösungen treten auf mit Aminophyllin, Amobarbital-Natrium, Chlorothiazid-Natrium, Magnesiumsulfat, Nitrofuranto-in-Natrium, Novobiocin-Natrium, Pheno-barbital-Natrium, Phenytoin-Natrium, Natriumhydrogencarbonat, Natriumiodid, Sulfadiazin-Natrium, Sulfafurazol-Diethanolamin, Thiopental-Natrium. In Lösung tritt eine Wechselwirkung mit Glucose auf (Wirkungsverminderung).

Dauer der Haltbarkeit

3 Jahre.

Dieses Arzneimittel soll nach Ablauf des Verfallsdatums nicht mehr angewendet werden.

  1. Besondere Vorsichtsmaßnahme für die Aufbewahrung

    Vor Licht geschützt aufbewahren! Ampullen im Umkarton aufbewahren!

Art und Inhalt des Behältnisses

N 1

N 3

Originalpackungen zu 10 Ampullen

50 Ampullen

100 Ampullen

200 Ampullen

300 Ampullen

600 Ampullen

1200 Ampullen

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr ge-bracht.

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung

Keine besonderen Anforderungen.

Weblinks

Packungen und Preis

Procain Hevert 2% Injektionslösung 10x2 ml Amp. N1
Preis
13,99 €
Zuzahlung
5,00 €

Versicherungsliste

Verpackung ist nicht auf der Liste.
Procain Hevert 2% Injektionslösung 100x2 ml Amp
Preis
87,77 €
Zuzahlung
-

Versicherungsliste

Verpackung ist nicht auf der Liste.

Quellen

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
Rote Liste

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