Sertralin beta 50 mg Filmtabletten
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Gluten/Laktose
Laktose: Nein
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Fachinfo - Sertralin 50 mg
Sertralin ist indiziert zur Behandlung von:
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Episoden einer Major-Depression. Rezidivprophylaxe von Episoden einer Major-Depression
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Panikstörung, mit oder ohne Agoraphobie
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Zwangsstörung bei Erwachsenen und pädiatrischen Patienten im Alter von 6 bis 17 Jahren
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sozialer Angststörung
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posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS).
Dosierung
Initiale Behandlung
Depression und Zwangsstörung
Die Sertralin-Behandlung sollte mit einer Anfangsdosis von 50 mg/Tag begonnen werden.
Panikstörung, PTBS und soziale Angststörung
Die Therapie sollte mit 25 mg/Tag eingeleitet und die Dosis nach 1 Woche auf einmal täglich 50 mg erhöht werden. Unter diesem Dosisschema verringerte sich die Inzidenz der Nebenwir-kungen, die typischerweise bei Panikstörungen in der frühen Behandlungsphase auftreten.
Titration
Depression, Zwangsstörung, Panikstörung, soziale Angststörung und PTBS
Bei Patienten, die nicht auf eine Dosis von 50 mg ansprechen, könnten Dosissteigerungen von Nutzen sein. Dosisänderungen sollten in 50-mg-Schritten in Abständen von mindestens 1 Wo-che bis zu einer maximalen Tagesdosis von 200 mg erfolgen. Wegen der 24-stündigen Elimi-nationshalbwertszeit von Sertralin sollten Dosisänderungen nicht häufiger als einmal pro Wo-che vorgenommen werden.
Zum Eintritt der therapeutischen Wirkung kann es innerhalb von 7 Tagen kommen. Allerdings lässt sich ein therapeutisches Ansprechen meist erst nach einem längeren Zeitraum nachwei-sen. Dies gilt insbesondere für Zwangsstörungen.
Erhaltungstherapie
Während einer Langzeitbehandlung sollte die niedrigste wirksame Dosis verabreicht werden. Im Verlauf der Behandlung muss, entsprechend dem therapeutischen Ansprechen des Patien-ten, die Dosis gegebenenfalls angepasst werden.
Depression
Eine Langzeitbehandlung kann sich auch zur Rezidivprophylaxe von Episoden einer Major-Depression (MDE) eignen. Meist entspricht die zur Rezidivprophylaxe von Episoden einer Ma-jor-Depression empfohlene Dosis derjenigen, die während der akuten Episode verwendet wird. Depressive Patienten sollten über eine ausreichende Zeitspanne von mindestens 6 Monaten behandelt werden, um sicherzustellen, dass sie beschwerdefrei sind.
Panikstörung und Zwangsstörung
Die Fortsetzung der Behandlung bei Panikstörung und Zwangsstörung ist in regelmäßigen Ab-ständen zu überprüfen, da eine Rückfallprophylaxe bei diesen Erkrankungen nicht nachgewie-sen wurde.
Ältere Patienten
Bei älteren Patienten sollte die Dosierung vorsichtig erfolgen, da sie ein höheres Risiko für die Entstehung einer Hyponatriämie aufweisen (siehe Abschnitt 4.4).
Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion
Bei der Anwendung von Sertralin bei Patienten mit Lebererkrankung ist Vorsicht geboten. Bei Funktionsstörungen der Leber sollte eine niedrigere Dosis gewählt oder die Dosen in größeren Intervallen verabreicht werden (siehe Abschnitt 4.4). Sertralin sollte bei schwerer Leberfunkti-onsstörung nicht eingesetzt werden, da hierzu keine klinischen Daten vorliegen (siehe Ab-schnitt 4.4).
Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion
Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion ist keine Dosisanpassung erforderlich (siehe Abschnitt 4.4).
Kinder und Jugendliche
Kinder und Jugendliche mit Zwangsstörung
13 bis 17 Jahre: Initial 50 mg einmal täglich.
6 bis 12 Jahre: Initial 25 mg einmal täglich. Nach 1 Woche kann die Dosierung auf 50 mg ein-mal täglich erhöht werden.
Die weiteren Dosen können bei unzureichendem Ansprechen nach Bedarf über einen Zeitraum von mehreren Wochen in Schritten von jeweils 50 mg gesteigert werden. Die maximale Tages-dosis beträgt 200 mg. Bei einer Steigerung der Dosis auf über 50 mg sollte allerdings das im Vergleich zu Erwachsenen generell niedrigere Körpergewicht von Kindern berücksichtigt wer-den. Zwischen den einzelnen Dosisänderungen sollten Abstände von mindestens 1 Woche eingehalten werden.
Die Wirksamkeit bei der Behandlung von Episoden einer Major-Depression bei Kindern ist nicht belegt.
Für Kinder unter 6 Jahren liegen keine Daten vor (siehe Abschnitt 4.4).
Art der Anwendung
Sertralin sollte einmal täglich entweder morgens oder abends eingenommen werden.
Die Sertralin-Filmtabletten können unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.
Absetzsymptome bei Beendigung einer Sertralin-Behandlung
Ein plötzliches Absetzen sollte vermieden werden. Bei Beendigung einer Behandlung mit Ser-tralin sollte die Dosis über einen Zeitraum von mindestens 1 bis 2 Wochen schrittweise redu-ziert werden, um das Risiko von Absetzsymptomen zu verringern (siehe Abschnitte 4.4 und 4.8). Falls nach Dosisverringerung oder Absetzen des Arzneimittels stark beeinträchtigende Absetzsymptome auftreten, sollte erwogen werden, die zuletzt verordnete Dosis erneut einzu-nehmen, um diese dann nach Anweisung des Arztes in nunmehr kleineren Schritten zu redu-zieren.
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Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonsti-gen Bestandteile.
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Gleichzeitige Anwendung mit irreversiblen Monoaminoxidase-Hemmern (MAO- Hem-mern), da die Gefahr eines Serotonin-Syndroms, mit Symptomen wie z. B. Agitiertheit, Tremor und Hyperthermie, besteht. Die Behandlung mit Sertralin darf frühestens 14 Tage nach Beendigung der Behandlung mit einem irreversiblen MAO-Hemmer begonnen wer-den. Sertralin muss mindestens 7 Tage vor Beginn der Behandlung mit einem irreversib-len MAO-Hemmer abgesetzt werden (siehe Abschnitt 4.5).
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Gleichzeitige Einnahme von Pimozid (siehe Abschnitt 4.5).
Serotonin-Syndrom (SS) oder malignes neuroleptisches Syndrom (MNS)
Die Entwicklung potenziell lebensbedrohender Syndrome wie das Serotonin-Syndrom (SS) oder das maligne neuroleptische Syndrom (MNS) wurde bei selektiven Serotonin-Wiederauf-nahme-Hemmern (SSRIs) einschließlich der Behandlung mit Sertralin berichtet. Das Risiko für das Serotonin-Syndrom oder MNS bei SSRIs ist erhöht bei gleichzeitiger Anwendung mit an-deren serotonergen Arzneimitteln (einschließlich anderer serotonerger Antidepressiva, Am-phetaminen, Triptanen), bei Arzneimitteln, die den Serotoninmetabolismus beeinträchtigen (einschließlich MAO-Hemmern wie z. B. Methylenblau), bei Antipsychotika und anderen Dopa-minantagonisten sowie bei Opioiden. Die Patienten sollten hinsichtlich der Entstehung von An-zeichen und Symptomen des Serotonin-Syndroms und des MNS überwacht werden (siehe Ab-schnitt 4.3).
Umstellung von selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRIs), Antidepressiva oder Arzneimitteln zur Behandlung von Zwangsstörungen
Daten aus kontrollierten Studien zum optimalen Zeitpunkt der Umstellung von SSRIs, Antide-pressiva oder Arzneimitteln zur Behandlung der Zwangsstörung auf Sertralin liegen nur be-grenzt vor. Eine Umstellung insbesondere von langwirkenden Substanzen wie z. B. Fluoxetin sollte daher mit Vorsicht und nach sorgfältigem ärztlichem Ermessen erfolgen.
Andere serotonerge Arzneimittel, wie z. B. Tryptophan, Fenfluramin und 5-HT-Agonisten
Die gleichzeitige Gabe von Sertralin und anderen Arzneimitteln, die die Wirkung der serotoner-gen Neurotransmission verstärken, wie z. B. Amphetaminen, Tryptophan, Fenfluramin oder 5-HT-Agonisten, oder dem pflanzlichen Arzneimittel Johanniskraut (Hypericum perforatum) sollte mit Vorsicht erfolgen und aufgrund des pharmakodynamischen Interaktionspotenzials mög-lichst vermieden werden.
QTc-Verlängerung/ Torsade de Pointes (TdP)
Seit Markteinführung wurde nach Einnahme von Sertralin über Fälle von QTc-Verlängerung und TdP berichtet. Überwiegend traten diese bei Patienten mit erhöhtem Risiko für QTc-Ver-längerung/ TdP auf. Die Auswirkung auf die QTc-Verlängerung wurde in einer umfangrei-
chen QTc-Studie an gesunden Probanden bestätigt, in der das Verhältnis zwischen Exposi-tion und Reaktion statistisch signifikant positiv war. Sertralin sollte daher bei Patienten mit zusätzlichen Risikofaktoren für eine QTc-Verlängerung, wie Herzerkrankungen, Hypokaliä-mie oder Hypomagnesiämie, familiärer Vorgeschichte von QTc-Verlängerung, Bradykardie und gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln, die das QTc-Intervall verlängern, mit Vor-sicht angewendet werden (siehe Abschnitte 4.5 und 5.1).
Aktivierung von Hypomanie oder Manie
Bei einem kleinen Teil der Patienten, die zugelassene Antidepressiva und Arzneimittel zur Be-handlung der Zwangsstörung einschließlich Sertralin erhielten, wurden manische/hypomani-sche Symptome berichtet. Vorsicht ist daher bei der Anwendung von Sertralin bei Patienten mit anamnestisch bekannter Manie/ Hypomanie geboten. Eine engmaschige Überwachung durch den Arzt ist erforderlich. Tritt ein Patient in eine manische Phase, sollte die Sertralin-Therapie abgebrochen werden.
Schizophrenie
Bei schizophrenen Patienten können sich psychotische Symptome verschlimmern.
Krampfanfälle
Unter Sertralin-Therapie kann es zu epileptischen Anfällen kommen. Sertralin sollte bei Patien-ten mit instabiler Epilepsie nicht und bei solchen mit kontrollierter Epilepsie nur unter sorgfälti-ger Überwachung gegeben werden. Beim Auftreten eines epileptischen Anfalls sollte die Ser-tralin-Therapie abgebrochen werden.
Suizid/Suizidgedanken/Suizidversuche oder klinische Verschlechterung
Depressive Erkrankungen sind mit einem erhöhten Risiko für die Auslösung von Suizidgedan-ken, selbstschädigendem Verhalten und Suizid (suizidbezogene Ereignisse) verbunden. Die-ses Risiko besteht, bis es zu einer signifikanten Linderung der Symptome kommt. Da diese nicht unbedingt schon während der ersten Behandlungswochen auftritt, sollten die Patienten daher bis zum Eintritt einer Besserung engmaschig überwacht werden. Die bisherige klinische Erfahrung zeigt, dass das Suizidrisiko zu Beginn einer Behandlung ansteigen kann.
Andere psychiatrische Erkrankungen, für die Sertralin verschrieben wird, können ebenso mit einem erhöhten Risiko für suizidbezogene Ereignisse einhergehen. Zusätzlich können diese Erkrankungen zusammen mit einer depressiven Erkrankung (Episoden einer Major- Depres-sion) auftreten. Daher sollten bei Behandlung anderer psychiatrischer Erkrankungen die glei-chen Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden wie bei der Behandlung von depressiven Er-krankungen.
Bei Patienten mit suizidalem Verhalten in der Anamnese oder solchen, die vor der Therapie ausgeprägte Suizidabsichten hatten, ist das Risiko für die Auslösung von Suizidgedanken oder
-versuchen erhöht. Sie sollten daher während der Behandlung besonders sorgfältig überwacht werden. Eine Metaanalyse von placebokontrollierten klinischen Studien zur Anwendung von Antidepressiva bei Erwachsenen mit psychiatrischen Störungen zeigte für Patienten unter 25 Jahren, die Antidepressiva einnahmen, ein erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten im Ver-gleich zu Placebo.
Die Arzneimitteltherapie sollte mit einer engmaschigen Überwachung der Patienten, vor allem der Patienten mit hohem Suizidrisiko, insbesondere zu Beginn der Behandlung und nach Do-sisanpassungen einhergehen. Patienten (und deren Betreuer) sind auf die Notwendigkeit einer Überwachung hinsichtlich jeder klinischen Verschlechterung, des Auftretens von suizidalem Verhalten oder Suizidgedanken und ungewöhnlicher Verhaltensänderungen hinzuweisen. Sie sollten unverzüglich medizinischen Rat einholen, wenn derartige Symptome auftreten.
Sexuelle Funktionsstörung
Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRIs) können Symptome einer sexuellen Funktionsstörung verursachen (siehe Abschnitt 4.8). Es wurden lang anhaltende sexuelle
Funktionsstörungen berichtet, bei denen die Symptome trotz der Absetzung von SSRIs beste-hen blieben.
Kinder und Jugendliche
Sertralin sollte nicht zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren, mit Aus-nahme von Patienten mit Zwangsstörungen im Alter von 6 bis 17 Jahren, angewendet werden. Suizidale Verhaltensweisen (Suizidversuch und Suizidgedanken) sowie Feindseligkeit (vorwie-gend Aggression, oppositionelles Verhalten und Wut) wurden in klinischen Studien häufiger bei mit Antidepressiva behandelten Kindern und Jugendlichen beobachtet als bei Kindern und Jugendlichen, die mit Placebo behandelt wurden. Sollte aufgrund klinischer Notwendigkeit dennoch die Entscheidung für eine Behandlung getroffen werden, ist der Patient in Hinblick auf das Auftreten suizidaler Symptome sorgfältig zu überwachen, insbesondere zu Beginn der Behandlung. Die langfristige Sicherheit zur kognitiven, emotionalen, körperlichen und pubertä-ren Reifung bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 16 Jahren wurde in einer Lang-zeitbeobachtungsstudie über einen Zeitraum von bis zu 3 Jahren untersucht (siehe Abschnitt 5.1). Einige wenige Fälle von Wachstumsverzögerung und verspäteter Pubertät wurden nach Markteinführung gemeldet. Die klinische Relevanz und Kausalität sind noch nicht geklärt (ent-sprechende präklinische Daten zur Sicherheit siehe Abschnitt 5.3). Bei einer Langzeittherapie muss der Arzt die pädiatrischen Patienten hinsichtlich Wachstum und Entwicklung überwa-chen.
Ungewöhnliche Blutungen/ Hämorrhagien
Bei Einnahme von SSRIs wurde über ungewöhnliche Blutungen, einschließlich Hautblutun-gen (Ekchymosen, Purpura) und andere Blutungsereignisse wie gastrointestinale oder gynä-kologische Blutungen, einschließlich tödlicher Hämorrhagien, berichtet. SSRIs/ SNRIs können das Risiko einer postpartalen Hämorrhagie erhöhen (siehe Abschnitte 4.6 und 4.8). Vorsicht ist bei der Einnahme von SSRIs geboten, insbesondere bei gleichzeitiger Anwendung von Arz-neimitteln mit bekannten Auswirkungen auf die Blutplättchenfunktion (z. B. Antikoagulanzien, atypische Psychopharmaka und Phenothiazine, die meisten trizyklischen Antidepressiva, Ace-tylsalicylsäure und nichtsteroidale Antirheumatika [NSAR]) sowie bei Patienten mit Blutungs-störungen in der Anamnese (siehe Abschnitt 4.5).
Hyponatriämie
Hyponatriämie kann infolge einer Behandlung mit SSRIs oder SNRIs einschließlich Sertralin auftreten. In vielen Fällen scheint dies auf ein Syndrom der inadäquaten Sekretion des antidi-uretischen Hormons (SIADH) zurückzuführen zu sein. Fälle von Serum-Natriumspiegeln unter 110 mmol/l wurden berichtet.
Bei älteren Patienten, die mit SSRIs und SNRIs behandelt werden, kann ein höheres Risiko für die Entstehung einer Hyponatriämie bestehen. Patienten, die Diuretika einnehmen oder die aus anderen Gründen eine Hypovolämie aufweisen, können ebenfalls stärker gefährdet sein (siehe „Anwendung bei älteren Patienten“). Bei Patienten mit einer symptomatischen Hyponat-riämie ist das Absetzen von Sertralin in Betracht zu ziehen und eine geeignete Behandlung einzuleiten. Die Symptomatik der Hyponatriämie umfasst Kopfschmerzen, Konzentrations-schwierigkeiten, eingeschränktes Erinnerungsvermögen, Verwirrtheit, Schwäche und Gleichge-wichtsstörung, was zu Stürzen führen kann. Zur Symptomatik schwererer und/ oder akuter Fälle gehören Halluzinationen, Synkope, Krampfanfälle, Koma, Atemstillstand und Tod.
Absetzsymptome bei Beendigung einer Sertralin-Behandlung
Absetzsymptome treten bei einer Beendigung der Behandlung häufig auf, besonders wenn die Behandlung plötzlich abgebrochen wird (siehe Abschnitt 4.8). In klinischen Prüfungen wurden Absetzsymptome nach Absetzen von Sertralin bei 23 % der Patienten beobachtet, im Ver-gleich zu 12 % bei Patienten, die die Behandlung mit Sertralin fortsetzten.
Das Risiko von Absetzreaktionen kann von mehreren Faktoren abhängen, einschließlich Dauer der Behandlung, Dosis und Geschwindigkeit der Dosisreduktion. Schwindelgefühl, Empfin-dungsstörungen (einschließlich Parästhesien), Schlafstörungen (einschließlich Schlaflosigkeit
und intensiver Träume), Erregtheit oder Angst, Übelkeit und/oder Erbrechen, Zittern und Kopf-schmerzen sind die am häufigsten berichteten Reaktionen. Im Allgemeinen sind diese Symp-tome leicht bis mäßig schwer, bei einigen Patienten können sie jedoch schwer ausgeprägt sein. Sie treten normalerweise innerhalb der ersten Tage nach Absetzen der Behandlung auf, aber in sehr seltenen Fällen wurde von solchen Symptomen auch nach unbeabsichtigtem Aus-lassen einer Dosis berichtet. Im Allgemeinen bilden sich diese Symptome von selbst zurück und klingen innerhalb von 2 Wochen ab. Bei einigen Personen können sie jedoch auch länger anhalten (2 bis 3 Monate oder länger). Es wird daher empfohlen, bei einer Beendigung der Be-handlung mit Sertralin die Dosis über einen Zeitraum von mehreren Wochen oder Monaten schrittweise zu reduzieren, entsprechend den Bedürfnissen des Patienten (siehe Abschnitt 4.2).
Akathisie/ psychomotorische Unruhe
Die Anwendung von Sertralin wurde mit der Entwicklung von Akathisie in Verbindung gebracht, die charakterisiert ist durch eine subjektiv unangenehme oder als quälend erlebte Ruhelosig-keit und Bewegungsdrang, oft begleitet von einer Unfähigkeit, stillzusitzen oder stillzustehen.
Dies tritt am ehesten während der ersten Behandlungswochen auf. Für Patienten, bei denen solche Symptome auftreten, kann eine Dosiserhöhung schädlich sein.
Leberfunktionsstörung
Sertralin unterliegt einer intensiven Metabolisierung in der Leber. Eine Pharmakokinetikstudie mit wiederholter Gabe bei Personen mit leichter, stabiler Zirrhose zeigte eine verlängerte Elimi-nationshalbwertszeit und etwa um das 3-Fache höhere AUC und Cmax im Vergleich zu Leber-gesunden. Zwischen beiden Gruppen wurden keine signifikanten Unterschiede bei der Plas-maproteinbindung beobachtet. Bei der Anwendung von Sertralin bei Patienten mit Lebererkran-kungen ist Vorsicht geboten. Wenn Sertralin bei Patienten mit Leberfunktionsstörung angewen-det wird, sollte eine Verringerung der Dosierung bzw. Verlängerung des Einnahmeintervalls in Betracht gezogen werden. Sertralin sollte bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung nicht angewendet werden (siehe Abschnitt 4.2).
Nierenfunktionsstörung
Aufgrund der ausgeprägten Metabolisierung wird nur ein unwesentlicher Teil von Sertralin un-verändert über den Urin eliminiert. In Studien bei Patienten mit leichter bis mäßiger (Kreatinin-Clearance 30 bis 60 ml/min) oder mäßiger bis schwerer Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance 10 bis 29 ml/min) unterschieden sich nach mehrmaliger Gabe die pharmakokineti-schen Parameter (AUC0-24 und Cmax) nicht signifikant von denen bei Nierengesunden. Die Ser-tralin-Dosierung muss nicht entsprechend dem Grad der Nierenfunktionsstörung angepasst werden.
Anwendung bei älteren Patienten
Über 700 ältere Patienten (> 65 Jahre) nahmen an klinischen Studien teil. Die Art und die Häu-figkeit der unerwünschten Ereignisse waren bei älteren und jüngeren Patienten ähnlich.
SSRIs oder SNRIs einschließlich Sertralin wurden allerdings mit Fällen von klinisch signifikan-ter Hyponatriämie bei älteren Patienten in Verbindung gebracht, bei denen das Risiko dieses unerwünschten Ereignisses erhöht sein könnte (siehe Hyponatriämie in Abschnitt 4.4).
Diabetes
Bei Diabetikern kann eine Behandlung mit einem SSRI die Blutzuckereinstellung verändern. Eine Anpassung der Dosierung von Insulin und/ oder des oralen Antidiabetikums kann notwen-dig werden.
Elektrokrampftherapie (EKT)
Es liegen keine klinischen Studien zu den Risiken oder Nutzen der kombinierten Anwendung von EKT und Sertralin vor.
Grapefruitsaft
Die Einnahme von Sertralin mit Grapefruitsaft wird nicht empfohlen (siehe Abschnitt 4.5).
Beeinträchtigung von Urintests
Bei Patienten, die Sertralin eingenommen haben, wurden bei Urin-Immuntests falsch-positive Testergebnisse auf Benzodiazepine berichtet. Grund dafür ist die fehlende Spezifität der Im-muntests. Solche falsch-positiven Testergebnisse können über mehrere Tage nach dem Ab-setzen der Sertralin-Therapie erwartet werden. Bestätigende Untersuchungen wie z. B. Gas-chromatographie/ Massenspektrometrie differenzieren Sertralin und Benzodiazepine.
Engwinkelglaukom
SSRIs einschließlich Sertralin können einen Einfluss auf die Pupillengröße haben, der in einer Mydriasis resultiert. Vor allem bei prädisponierten Patienten kann dieser mydriatische Effekt zur Verengung des Augenwinkels führen, wodurch der Augeninnendruck steigen und sich ein Engwinkelglaukom entwickeln kann. Daher ist bei Patienten mit einem Engwinkelglaukom oder einem Glaukom in der Vorgeschichte Vorsicht geboten.
Angaben zum sonstigen Bestandteil
Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol (23 mg) Natrium pro Filmtablette, d. h. es ist nahezu „natriumfrei“.
Kontraindiziert
Monoaminoxidase-Hemmer
Irreversible MAO-Hemmer (z. B. Selegilin)
Sertralin darf nicht zusammen mit irreversiblen MAO-Hemmern, wie z. B. Selegilin, gegeben werden. Die Behandlung mit Sertralin darf nicht vor Ablauf von mindestens 14 Tagen nach Be-endigung der Behandlung mit einem irreversiblen MAO-Hemmer begonnen werden.
Sertralin muss mindestens 7 Tage vor Beginn der Behandlung mit einem irreversiblen MAO-Hemmer abgesetzt werden (siehe Abschnitt 4.3).
Reversible selektive MAO-Hemmer (Moclobemid)
Wegen der Gefahr eines Serotonin-Syndroms sollte Sertralin nicht mit einem reversiblen und selektiven MAO-Hemmer, wie z. B. Moclobemid, kombiniert werden. Nach der Behandlung mit einem reversiblen MAO-Hemmer kann vor dem Beginn der Sertralin-Therapie eine kürzere Auswaschphase als 14 Tage gewählt werden. Es wird empfohlen, Sertralin mindestens 7 Tage vor Beginn der Behandlung mit einem reversiblen MAO-Hemmer abzusetzen (siehe Abschnitt 4.3).
Reversible nichtselektive MAO-Hemmer (Linezolid)
Das Antibiotikum Linezolid ist ein schwach reversibler und nichtselektiver MAO-Hemmer. Es sollte Patienten, die mit Sertralin behandelt werden, nicht verabreicht werden (siehe Abschnitt 4.3).
Bei Patienten, die kürzlich die Therapie mit einem MAO-Hemmer (z. B. Methylenblau) abge-brochen und mit Sertralin weitergeführt oder Sertralin vor der Weiterbehandlung mit einem MAO-Hemmer abgesetzt haben, wurden schwerwiegende Nebenwirkungen beobachtet. Dazu zählten Tremor, Myoklonus, Diaphorese, Übelkeit, Erbrechen, Hautrötung, Benommenheit und Hyperthermie mit Erscheinungen ähnlich einem malignen neuroleptischen Syndrom, Krämpfe und Todesfälle.
Pimozid
In einer Studie wurden nach einer niedrigen Einmaldosis Pimozid (2 mg) um etwa 35 % er-höhte Pimozid-Spiegel beobachtet. Diese erhöhten Spiegel waren nicht mit Veränderungen im EKG verbunden. Der Mechanismus der Wechselwirkung ist unbekannt. Aufgrund der geringen therapeutischen Breite von Pimozid ist die gleichzeitige Einnahme von Sertralin und Pimozid kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3).
Die gleichzeitige Gabe mit Sertralin wird nicht empfohlen.
ZNS-Depressiva und Alkohol
Die Wirkung von Alkohol, Carbamazepin, Haloperidol oder Phenytoin auf die kognitive und psychomotorische Leistungsfähigkeit bei Gesunden wurde durch gleichzeitige Einnahme von 200 mg Sertralin pro Tag nicht verstärkt; dennoch wird Alkoholkonsum während der Therapie mit Sertralin nicht empfohlen.
Andere serotonerge Arzneimittel
Siehe Abschnitt 4.4.
Vorsicht ist auch geboten bei der Anwendung von Opioiden (z. B. Fentanyl [während einer Vollnarkose oder zur Behandlung chronischer Schmerzen]) und bei der Anwendung von ande-ren serotonergen Arzneimitteln (einschließlich anderer serotonerger Antidepressiva, Ampheta-minen, Triptanen).
Besondere Vorsichtsmaßnahmen
Substanzen, die das QT-Intervall verlängern
Das Risiko einer QTc-Verlängerung und/ oder ventrikulären Arrhythmien (z. B. TdP) kann bei gleichzeitiger Anwendung mit Substanzen, die das QTc-Intervall verlängern (z. B. manche Antipsychotika und Antibiotika), erhöht sein (siehe Abschnitt 4.4 und 5.1).
Lithium
Bei gleichzeitiger Einnahme von Lithium und Sertralin zeigte sich in einer placebokontrollierten Studie bei gesunden Probanden keine signifikante Veränderung der Pharmakokinetik von Li-thium, jedoch zeigte sich eine höhere Inzidenz von Tremor im Vergleich zu den Personen, die Placebo erhielten, was auf eine mögliche pharmakodynamische Interaktion hinweist. Bei gleichzeitiger Gabe von Sertralin und Lithium sollten die Patienten entsprechend überwacht werden.
Phenytoin
Die langfristige Gabe von 200 mg Sertralin pro Tag zeigte in einer placebokontrollierten Studie bei gesunden Probanden keine klinisch signifikante Hemmung des Metabolismus von Pheny-toin. Dennoch sollten die Plasmakonzentrationen von Phenytoin nach Beginn einer Sertralin-Therapie kontrolliert werden und gegebenenfalls eine angemessene Anpassung der Phenytoin-Dosis erfolgen, da einige Fälle von hoher Phenytoin-Exposition unter Sertralin berichtet wur-den. Die gleichzeitige Gabe von Phenytoin, einem bekannten CYP3A4-Induktor, kann zudem die Plasmaspiegel von Sertralin verringern.
Metamizol
Die gleichzeitige Gabe von Sertralin mit Metamizol, einem Induktor metabolisierender Enzyme einschließlich CYP2B6 und CYP3A4, kann eine Verringerung der Plasmaspiegel von Sertralin mit einer potenziellen Abnahme der klinischen Wirksamkeit bewirken. Daher ist bei gleichzeiti-ger Gabe von Metamizol und Sertralin Vorsicht geboten; das klinische Ansprechen und/oder die Wirkstoffspiegel sollten entsprechend überwacht werden.
Triptane
Nach der Gabe von Sertralin und Sumatriptan wurde in der Anwendung nach Markteinführung in seltenen Fällen über Schwäche, Hyperreflexie, Inkoordination, Verwirrtheit, Angst und Agi-tiertheit berichtet. Die Symptome eines Serotonin-Syndroms können auch bei anderen Arznei-mitteln aus der gleichen Klasse (Triptane) auftreten. Wenn die gleichzeitige Gabe von Sertralin und Triptanen klinisch erforderlich ist, sollte der Patient entsprechend überwacht werden (siehe Abschnitt 4.4).
Warfarin
Bei gleichzeitiger Gabe von 200 mg Sertralin pro Tag und Warfarin zeigte sich eine geringfü-gige, aber statistisch signifikante Erhöhung der Prothrombinzeit, was in einigen seltenen Fällen
zu einem Ungleichgewicht des INR-Werts führen kann. Daher sollte die Prothrombinzeit sorg-fältig kontrolliert werden, wenn eine Therapie mit Sertralin begonnen bzw. beendet wird.
Sonstige Arzneimittelwechselwirkungen (Digoxin, Atenolol, Cimetidin)
Die gleichzeitige Verabreichung mit Cimetidin verursachte eine erhebliche Abnahme der Elimi-nationsrate von Sertralin. Die klinische Bedeutung dieser Veränderungen ist nicht bekannt. Ser-tralin zeigte keinen Effekt auf die betaadrenerge Blockadewirkung von Atenolol, ebenso wenig zeigten sich bei der Gabe von 200 mg Sertralin pro Tag Interaktionen mit Digoxin.
Arzneimittel, die die Thrombozytenfunktion beeinträchtigen
Das Blutungsrisiko kann erhöht sein, wenn Arzneimittel, die die Thrombozytenfunktion beein-trächtigen (beispielsweise NSAR, Acetylsalicylsäure und Ticlopidin), oder andere Arzneimittel, die das Blutungsrisiko steigern könnten, gleichzeitig mit SSRIs, einschließlich Sertralin, gege-ben werden (siehe Abschnitt 4.4).
Muskelrelaxantien (NMBA)
Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren (SSRI) können die Aktivität der Cholinesterase im Plasma reduzieren und damit die Wirkung von Muskelrelaxantien wie Mivacurium oder anderen neuromuskulär wirkenden Muskelrelaxantien verlängern.
Durch Cytochrom P450 metabolisierte Wirkstoffe
Sertralin kann CYP2D6 leicht bis mäßig hemmen. Die Langzeitgabe von 50 mg Sertralin pro Tag führte zu einer moderaten Erhöhung (im Mittel 23 bis 37 %) der Steady-State-Plasmaspie-gel von Desipramin (einem Marker der CYP2D6-Isoenzym-Aktivität). Klinisch relevante Interak-tionen mit anderen CYP2D6-Substraten mit enger therapeutischer Breite, beispielsweise Anti-arrhythmika der Klasse 1C wie Propafenon und Flecainid, trizyklische Antidepressiva und typi-sche Psychopharmaka, können auftreten und sind insbesondere bei höheren Sertralin-Dosie-rungen zu beobachten.
CYP3A4, CYP2C9, CYP2C19 und CYP1A2 werden durch Sertralin nicht in klinisch signifikan-tem Ausmaß gehemmt. Das konnte in In-vivo-Interaktionsstudien mit CYP3A4- Substraten (en-dogenes Kortison, Carbamazepin, Terfenadin, Alprazolam), mit dem CYP2C19-Substrat Dia-zepam und den CYP2C9-Substraten Tolbutamid, Glibenclamid und Phenytoin gezeigt werden. In-vitro-Studien zeigen, dass Sertralin nur ein geringes oder kein Potenzial zur Hemmung von CYP1A2 besitzt.
In einer Crossover-Studie an 8 gesunden japanischen Personen erhöhten 3 Gläser Grapefruit-saft täglich die Plasmaspiegel von Sertralin um ca. 100 %. Daher sollte die Aufnahme von Grapefruitsaft während der Behandlung mit Sertralin vermieden werden (siehe Abschnitt 4.4).
Basierend auf einer Interaktionsstudie mit Grapefruitsaft kann nicht ausgeschlossen werden, dass die gleichzeitige Einnahme von Sertralin und starken CYP3A4-Hemmern wie z. B. Protea-seinhibitoren, Ketoconazol, Itraconazol, Posaconazol, Voriconazol, Clarithromycin, Telithromy-cin und Nefazodon einen noch größeren Anstieg der Sertralin-Exposition verursachen kann.
Dies gilt auch für moderate CYP3A4-Hemmer wie z. B. Aprepitant, Erythromycin, Fluconazol, Verapamil und Diltiazem. Die Einnahme starker CYP3A4-Hemmer sollte während der Sertralin-Therapie vermieden werden.
Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass CYP3A4-Induktoren, wie z. B. Phenobarbital, Carbamazepin, Johanniskraut und Rifampicin, eine Verringerung der Plasmaspiegel von Ser-tralin verursachen können.
Im Vergleich zu schnellen Metabolisierern sind bei langsamen CYP2C19-Metabolisierern die Plasmaspiegel von Sertralin um etwa 50 % erhöht (siehe Abschnitt 5.2). Wechselwirkungen mit starken CYP2C19-Hemmern wie z. B. Omeprazol, Lansoprazol, Pantoprazol, Rabeprazol, Flu-oxetin und Fluvoxamin können nicht ausgeschlossen werden.
Schwangerschaft
Kontrollierte klinische Studien bei Schwangeren wurden nicht durchgeführt. Eine umfangreiche Datenlage liefert jedoch keine Hinweise, dass Sertralin zu angeborenen Missbildungen führt. In tierexperimentellen Studien wurden Auswirkungen auf die Reproduktion gezeigt. Diese sind wahrscheinlich auf die durch die pharmakodynamische Wirkung der Substanz bedingte Toxizi-tät bei der Mutter und/ oder die direkte pharmakodynamische Wirkung der Substanz auf den Fötus zurückzuführen (siehe Abschnitt 5.3).
Bei einigen Neugeborenen, deren Mütter während der Schwangerschaft Sertralin eingenom-men hatten, wurden ähnliche Symptome wie nach Absetzen von Sertralin beobachtet. Dieses Phänomen wurde auch unter anderen selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRIs) beobachtet. Die Einnahme von Sertralin während der Schwangerschaft wird nicht empfohlen, es sei denn, der klinische Zustand der Patientin lässt einen Nutzen der Behandlung erwarten, der das potenzielle Risiko übertrifft.
Beobachtungsdaten weisen auf ein erhöhtes Risiko (weniger als das 2-fache) für eine postpar-tale Hämorrhagie infolge einer Exposition gegenüber SSRI/SNRI innerhalb des Monats vor der Geburt hin (siehe Abschnitte 4.4 und 4.8).
Neugeborene, deren Mütter Sertralin bis in spätere Stadien der Schwangerschaft, insbeson-dere bis ins 3. Trimenon, angewendet haben, sollten beobachtet werden. Folgende Symptome beim Neugeborenen können auftreten, wenn die Mutter Sertralin in späteren Stadien der Schwangerschaft anwendet: Atemnot, Zyanose, Apnoe, Krampfanfälle, Instabilität der Körper-temperatur, Schwierigkeiten beim Füttern, Erbrechen, Hypoglykämie, erhöhter/ erniedrigter Muskeltonus, Hyperreflexie, Tremor, Muskelzittern, Reizbarkeit, Lethargie, anhaltendes Wei-nen, Somnolenz und Schlafstörungen. Diese Symptome könnten sowohl auf serotonerge Wir-kungen als auch auf Entzugssymptome zurückzuführen sein. In den meisten Fällen setzen diese Symptome unmittelbar oder bald (< 24 Stunden) nach der Geburt ein.
Daten aus epidemiologischen Studien deuten darauf hin, dass die Anwendung von selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren (SSRI) in der Schwangerschaft, insbesondere im spä-ten Stadium einer Schwangerschaft, das Risiko für das Auftreten einer primären pulmonalen Hypertonie bei Neugeborenen (PPHN, auch persistierende pulmonale Hypertonie genannt) er-höhen kann. Das beobachtete Risiko lag bei etwa 5 Fällen pro 1.000 Neugeborene. In der Ge-samtbevölkerung treten 1 bis 2 Fälle von PPHN pro 1.000 Neugeborene auf.
Stillzeit
Veröffentlichte Daten zu Sertralin-Spiegeln in der Muttermilch zeigen, dass kleine Mengen an Sertralin und dessen Metabolit N-Desmethyl-Sertralin in die Muttermilch ausgeschieden wer-den. Generell wurden vernachlässigbare bis nicht messbare Sertralin-Spiegel im kindlichen Serum ermittelt, ausgenommen bei einem Säugling, dessen Serumspiegel etwa 50 % des müt-terlichen Spiegels betrug (eine Auswirkung auf die Gesundheit zeigte sich bei diesem Säugling allerdings nicht). Bisher wurden keine gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen bei Säuglin-gen berichtet, deren Mütter Sertralin während der Stillzeit anwenden; ein Risiko kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. Die Einnahme von Sertralin in der Stillzeit wird nicht empfohlen, es sei denn, der behandelnde Arzt beurteilt den Nutzen der Behandlung höher als das Risiko.
Fertilität
Tierexperimentelle Studien zeigten keinen Einfluss von Sertralin auf die Fertilitätsparameter (siehe Abschnitt 5.3).
Fallberichte in Zusammenhang mit einigen SSRIs haben gezeigt, dass die Wirkung auf die Spermienqualität beim Menschen reversibel ist. Ein Einfluss auf die Fertilität beim Menschen wurde bislang nicht beobachtet.
Klinisch-pharmakologische Studien haben gezeigt, dass Sertralin keinen Einfluss auf die
psychomotorische Leistungsfähigkeit hat. Da Psychopharmaka jedoch die psychischen oder physischen Fähigkeiten für potenziell gefährliche Aufgaben wie das Führen eines Fahrzeugs oder das Bedienen von Maschinen beeinträchtigen können, sollten die Patienten zu entspre-chender Vorsicht angehalten werden.
Übelkeit wird als häufigste Nebenwirkung berichtet. Bei der Behandlung der sozialen Angststö-rung kam es bei 14 % der Männer unter Sertralin im Vergleich zu 0 % der Männer unter Pla-cebo zu Sexualstörungen (Ejakulationsversagen). Die Nebenwirkungen sind dosisabhängig und gehen bei fortdauernder Behandlung meist zurück.
Das Profil der Nebenwirkungen, das häufig im Rahmen von doppelblinden, placebokontrollier-ten Studien bei Patienten mit Zwangsstörung, Panikstörung, PTBS und sozialer Angststörung beobachtet wurde, war ähnlich dem, welches in klinischen Prüfungen bei Patienten mit De-pression ermittelt wurde.
Tabelle 1 listet Nebenwirkungen auf, die nach der Markteinführung (Inzidenz unbekannt) und in placebokontrollierten klinischen Prüfungen (mit insgesamt 2.542 Patienten unter Sertralin-Be-handlung und 2.145 unter Placebo) bei Depression, Zwangsstörung, Panikstörung, PTBS und sozialer Angststörung beobachtet wurden.
Die Intensität und Inzidenz einiger der in Tabelle 1 aufgeführten Nebenwirkungen kann bei fort-gesetzter Behandlung abnehmen und führt in der Regel nicht zur Beendigung der Therapie.
Tabelle 1: Nebenwirkungen
Inzidenz von Nebenwirkungen aus placebokontrollierten klinischen Prüfungen bei Depression, Zwangsstörung, Panikstörung, PTBS und sozialer Angststörung. Gepoolte Analyse und Daten seit Markteinführung.
| Systemor-ganklasse | Sehr häufig (≥1/10) | Häufig (≥1/100 bis<1/10) | Gelegentlich (≥1/1.000 bis<1/100) | Selten (≥1/10.000bis<1/1.000) | Nicht bekannt (Häufig-keit auf Grundlage der verfügbaren Daten nichtabschätzbar) |
| Infektionen und parasi-täre Erkran-kungen | Infektion der oberen Atem-wege, Pharyngitis,Rhinitis | Gastroenteritis, O-titis media | Divertikulitis§ | ||
| Gutartige, bösartige und unspezi-fische Neu-bildungen (einschließ-lich Zystenund Polypen) | Neoplasie | ||||
| Erkrankun-gen des Blu-tes und des Lymphsys-tems | Lymphadeno-pathie, Thrombozyto-penie*§, Leu-kopenie*§ | ||||
| Erkrankun-gen des Im-munsystems | Überempfindlich-keit*, saisonale Al-lergie* | anaphylakto-ide Reaktion* | |||
| Endokrine Erkrankun-gen | Hypothyreose* | Hyperprolak-tinämie*§, in-adäquate Aus-schüttung von antidiureti-schem Hor-mon*§ | |||
| Stoffwech-sel- und Er-nährungsstö-rungen | verminderter Appetit, ver-stärkter Appe-tit* | Hypercholes-terinämie, Di-abetes melli-tus*, Hypogly-kämie*, Hy-perglykä-mie*§, Hy-ponatriämie*§ | |||
| Psychiatri-sche Erkrankun-gen | Schlaflosigkeit | Angst*, Depression*, Agitiertheit*, verminderte Li-bido*, Nervosität, De-personalisation, Albträume, Bru-xismus* | Suizidgedanken/ suizidales Verhal-ten, psychotische Erkrankung*, ge-störtes Denken, Apathie, Halluzina-tion*, Aggression*, euphorische Stim-mung*, Paranoia | Konversions-störung*§, Pa-roniria*§ (un-angenehme Träume), Arz-neimittelab-hängigkeit, Schlafwan-deln, vorzeitigerSamenerguss |
| Erkrankun-gen des Ner-vensystems | Schwindelge-fühl, Kopf-schmerzen*, Somnolenz | Tremor, Bewe-gungsstörungen (einschließlich extrapyramida-ler Symptome wie Hyperkine-sie, erhöhter Muskeltonus, Dystonie, Zäh-neknirschen oder Gangstö-rungen), Paräs-thesie*, erhöh-ter Muskelto-nus*, Aufmerk-samkeitsstö-rung, Geschmacksver-änderungen | Amnesie, Hypäs-thesie*, unwillkürli-che Muskelkon-traktionen*, Synkope*, Hyperkinesie*, Migräne*, Konvul-sion*, orthostati-scher Schwindel, gestörte Koordina-tion, Sprachstörung | Koma*, Aka-thisie(siehe Ab-schnitt 4.4), Dyskinesie, Hyperästhe-sie, zerebro-vaskulärer Spasmus (ein-schließlich dem reversib-len zerebralen Vasokonstrik-tionssyndrom und dem Call-Fleming-Syn-drom)*§, psychomotori-sche Unruhe*§ (siehe Ab-schnitt 4.4), Sensibilitäts-störung, Cho-reoathetose§, auch berichtet wurden Symp-tome in Ver-bindung mit dem Seroto-nin-Syndrom* oder einem malignen neu-roleptischen Syndrom: Agi-tiertheit, Ver-wirrtheit, Diaphorese, Diarrhoe, Fie-ber, Hyperto-nie, Rigidität und Tachykar-die§. In eini-gen Fällen tra-ten diese Symptome zu-sammen mit dem gleichzei-tigen Ge-brauch vonserotonergen |
| Arzneimittelnauf. | |||||
| Augener-krankungen | Sehstörungen* | Mydriasis* | Skotom, Glau-kom, Diplopie, Photophobie, Hyphäma*§, ungleiche Pu-pillen*§, ver-ändertes Seh-vermögen§, Tränenfluss-störung | Makulopathie | |
| Erkrankun-gen des Ohrs und des La-byrinths | Tinnitus* | Ohrenschmerzen | |||
| Herzerkran-kungen | Palpitationen* | Tachykardie*, Herzerkrankung | Myokardin-farkt*§, Tor-sade de Poin-tes*§ (siehe Abschnitte 4.4, 4.5 und5.1),Bradykardie, Verlängerung des QTc-Inter-valls* (siehe Abschnitte 4.4, 4.5 und5.1) | ||
| Gefäßerkran-kungen | Hitzewallung* | veränderte Blu-tungsneigung (wie gastrointestinale Blutungen)*, Hy-pertonie*, Hautrö-tung,Hämaturie* | periphere Is-chämie | ||
| Erkrankun-gen der Atemwege, des Brustraums und Medias-tinums | Gähnen* | Dyspnoe, Epista-xis*, Bronchospas-mus* | Hyperventila-tion, interstiti-elle Lungener-krankung*§, eosinophile Pneumonie*§, Laryngospas-mus, Dyspho-nie, Stridor*§, Hypoventila-tion, Schluck-auf | ||
| Erkrankun-gen des | Übelkeit, Diar-rhoe, Mund-trock enheit | Dyspepsie, Obstipation*, abdominelle | Melaena, Zahner-krankung, Ösopha- | Geschwürbil-dung im | Mikroskopische Kolitis* |
| Gastrointes-tinaltrakts | Schmerzen*, Erbrechen*, Blä-hungen | gitis, Glossitis, Hä-morrhoiden, ver-mehrter Speichel-fluss, Dysphagie, Aufstoßen, Zun-generkrankung | Mund, Pan-kreatitis*§, Hämatoche-zie, Zungenge-schwür, Sto-matitis | ||
| Leber- und Gallener-krankungen | veränderte Leberfunk-tion, schwere Leberstörun-gen (einschließlich Hepatitis, Gelbsucht und Leberversa-gen) | ||||
| Erkrankun-gen der Haut und des Un-terhautge-webes | Hyperhidrose, Hautausschlag* | periorbitales Ödem*, Urtikaria*, Alopezie*, Pruri-tus*, Purpura*, Dermatitis, tro-ckene Haut, Ge-sichtsödem, kalter Schweiß | seltene Berichte schwerer uner-wünschter Hautre-aktionen: z. B. Ste-vens-Johnson-Syn-drom* und epider-male Nekrolyse*§, Hautreaktion*§, Lichtempfindlich-keit§, Angioödem, veränderte Haar-struktur, veränder-ter Hautgeruch, bullöse Dermatitis, follikulärer Hau-tausschlag | ||
| Skelettmus-kulatur-, Bin-degewebs-und Kno-chenerkran-kungen | Rückenschmer-zen, Arthralgie*, Myalgie | Osteoarthritis, Muskelzucken, Muskelkrämpfe*, Muskelschwäche | Rhabdomyolyse*§, Knochenerkran-kung | Trismus*, Multiple Acyl-Coenzym-A-Dehydrogenase-Mangel(MADD)-ähnliche Störung* | |
| Erkrankun-gen der Nie-ren und Harnwege | Pollakisurie, Miktionsstörungen, Harnverhalt, Harni-nkontinenz*, Po-lyurie, Nykturie | verzögertes Was-serlassen*, Oligurie | |||
| Erkrankun-gen der Ge-schlechtsor-gane und der Brust-drüse | Ejakulationsver-sagen | Menstruations-störung*, Erek-tionsstörung | Sexualstörung (siehe Abschnitt 4.4), Menorrhagie, Vaginalblutung, Se-xualstörungen bei der Frau (siehe Ab-schnitt 4.4) | Galaktorrhoe*, atrophische Vul-vovaginitis, Genital-fluor, Balanoposthi-tis*§, Gynäkomas-tie*, Priapismus* | postpartale Hämorrhagie *† |
| Allgemeine Erkrankun-gen und Be-schwerden am Verabrei-chungsort | Müdigkeit* | Unwohlsein*, Brustschmer-zen*, Asthenie*, Fieber* | peripheres Ödem*, Schüttelfrost, Gangstörungen*, Durst | Hernie, vermin-derte Arzneimittel-verträglichkeit | |
| Untersuchun gen | Gewichtszu-nahme* | erhöhte Alanin-Aminotransferase*, erhöhte Aspartat-Aminotransferase*, Gewichtsab-nahme* | erhöhter Choleste-rinspiegel im Blut*, auffällige klinische Laborergebnisse, verändertes Sperma, verän-derte Thrombozy-tenfunktion*§ | ||
| Verletzung, Vergiftung und durch Eingriffe be-dingte Kom-plikation en | Verletzung | ||||
| Chirurgische und medizi-nische Ein-griffe | Vasodilatation |
* UAW nach der Markteinführung
§ Angabe der Inzidenz der UAW durch die geschätzte Obergrenze des 95-%-Konfidenzinter-valls mittels „Dreierregel“.
† Dieses Ereignis wurde für die therapeutische Klasse der SSRIs/SNRIs berichtet (siehe Ab-schnitte 4.4 und 4.6).
Absetzsymptome bei Beendigung einer Sertralin-Behandlung
Die Beendigung der Sertralin-Behandlung (insbesondere wenn sie abrupt erfolgt) führt häufig zu Absetzsymptomen. Schwindelgefühl, Empfindungsstörungen (einschließlich Parästhe-sien), Schlafstörungen (einschließlich Schlaflosigkeit und intensiver Träume), Agitiertheit oder Angst, Übelkeit und/ oder Erbrechen, Tremor und Kopfschmerzen sind die am häufigsten be-richteten Reaktionen. Im Allgemeinen sind diese Symptome leicht bis mäßig schwer und ge-hen von selbst zurück, bei einigen Patienten können sie jedoch schwerwiegend sein und/ oder länger bestehen bleiben. Es wird daher geraten, die Dosis schrittweise auszuschlei-chen, wenn eine Behandlung mit Sertralin nicht mehr erforderlich ist (siehe Abschnitte 4.2 und 4.4).
Ältere Patienten
SSRIs oder SNRIs einschließlich Sertralin wurden mit Fällen von klinisch signifikanter Hy-ponatriämie bei älteren Patienten in Verbindung gebracht, bei denen das Risiko dieses uner-wünschten Ereignisses erhöht sein könnte (siehe Abschnitt 4.4).
Kinder und Jugendliche
Bei über 600 mit Sertralin behandelten Kindern und Jugendlichen glich das Gesamtprofil der Nebenwirkungen im Allgemeinen dem, das in Studien mit Erwachsenen beobachtet wurde. Die folgenden Nebenwirkungen wurden aus kontrollierten Studien berichtet (n = 281 mit Ser-tralin behandelte Patienten):
| Sehr häufig (≥ 1/10): | Kopfschmerzen (22 %), Schlaflosigkeit (21 %), Diarrhoe (11 %) und Übelkeit (15%) |
| Häufig (≥ 1/100 bis < 1/10): | Brustschmerz, Manie, Fieber, Erbrechen, |
| Anorexie, Affektlabilität, Aggression, Agi-tiertheit, Nervosität, Aufmerksamkeitsstö-rung, Schwindelgefühl, Hyperkinesie, Migräne, Somnolenz, Tremor, Sehstö-rungen, Mundtrockenheit, Dyspepsie, Alpträume, Müdigkeit, Harninkontinenz, Hautausschlag, Akne, Epistaxis, Blähun-gen | |
| Gelegentlich (≥ 1/1.000 bis < 1/100): | verlängertes QT-Intervall im EKG (siehe Abschnitte 4.4, 4.5 und 5.1), Suizidver-such, Konvulsion, extrapyramidale Stö-rungen, Parästhesie, Depression, Hallu-zination, Purpura, Hyperventilation, Anä-mie, veränderte Leberfunktion, erhöhte Alanin-Aminotransferase, Zystitis, Her-pes simplex, Otitis externa, Ohren-schmerzen, Augenschmerzen, Myd-riasis, Unwohlsein, Hämaturie, pustulö-ser Hautausschlag, Rhinitis, Verletzung, Gewichtsabnahme, Muskelzucken, un-gewöhnliche Träume, Apathie, Albumi-nurie, Pollakisurie, Polyurie, Brust-schmerzen, Menstruationsstörungen, Al-opezie, Dermatitis, Hauterkrankung, ver-änderter Hautgeruch, Urtikaria, Bruxis-mus, Hautrötung |
| Häufigkeit nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar): | Enuresis |
Klasseneffekte
In epidemiologischen Studien, die hauptsächlich mit Patienten durchgeführt wurden, die 50 Jahre oder älter waren, wurde bei denen, die mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Inhi-bitoren (SSRI) oder trizyklischen Antidepressiva (TCA) behandelt wurden, ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Knochenbrüchen beobachtet. Der Mechanismus, der zu diesem Risiko führt, ist nicht bekannt.
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtig-keit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall ei-ner Nebenwirkung dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmako-vigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de anzuzeigen.
Toxizität
Der Sicherheitsspielraum von Sertralin hängt von der Patientengruppe und/ oder der gleich-zeitigen Medikation ab. Todesfälle traten bei Intoxikation mit Sertralin alleine oder in Kombina-tion mit anderen Arzneimitteln und/ oder Alkohol auf. Daher sollte jede Überdosierung konse-quent medizinisch behandelt werden.
Symptome
Symptome einer Überdosierung von Sertralin beinhalten Serotonin-vermittelte Ne-benwirkungen wie Somnolenz, gastrointestinale Störungen (z. B. Übelkeit und Erbre-chen), Tachykardie, Tremor, Agitiertheit und Schwindel. Fälle von Koma wurden be-richtet, wenn auch mit geringerer Häufigkeit.
Bei Überdosierung mit Sertralin traten Fälle von QTc-Verlängerung/ Torsade de Pointes auf; daher wird bei einer Überdosierung die Überwachung mittels EKG empfohlen (siehe Ab-schnitte 4.4, 4.5 und 5.1).
Behandlung
Ein spezifisches Antidot für Sertralin ist nicht bekannt. Es wird empfohlen die Atemwege zu überwachen und freizuhalten und, falls erforderlich, eine ausreichende Ventilation und Sauer-stoffversorgung sicherzustellen. Aktivkohle, eventuell in Kombination mit einem Abführmittel, kann ebenso effektiv wie oder wirkungsvoller als eine Magenspülung sein und sollte bei der Behandlung einer Überdosierung in Betracht gezogen werden. Induziertes Erbrechen wird nicht empfohlen. Eine generelle Überwachung der Herz-Kreislauf-Funktionen (z. B. EKG) und Vitalzeichen sowie allgemeine symptomatische und unterstützende Maßnahmen sollten ebenfalls durchgeführt werden. Forcierte Diurese, Dialyse, Hämoperfusion oder Aus-tauschtransfusion sind aufgrund des großen Verteilungsvolumens von Sertralin wenig erfolg-versprechend.
Pharmakologische Eigenschaften - Sertralin 50 mg
Pharmakotherapeutische Gruppe: Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRIs) ATC-Code: N06AB06
Wirkmechanismus
Sertralin hat sich in vitro als potenter und selektiver Hemmer der neuronalen Wiederaufnahme von Serotonin (5-HT) erwiesen, wodurch im Tiermodell dessen physiologische Wirkung ver-stärkt wurde. Es hat nur sehr schwache Effekte auf die neuronale Noradrenalin- oder Dopa-minaufnahme. In klinischen Dosierungen hemmt Sertralin die Aufnahme von Serotonin in menschliche Thrombozyten. Sertralin hat sich in den tierexperimentellen Untersuchungen als frei von stimulierenden, sedierenden oder anticholinergen bzw. kardiotoxischen Effekten er-wiesen. In kontrollierten Studien bei gesunden Probanden zeigte Sertralin keine sedierenden Eigenschaften und veränderte nicht die psychomotorische Leistungsfähigkeit. Wegen seiner selektiven Hemmwirkung auf die 5-HT-Wiederaufnahme beeinflusst Sertralin die Katechola-minaktivität nicht. Sertralin zeigt keine Affinität zu Muskarin- (cholinergen), Serotonin-, Dopa-min-, adrenergen, Histamin-, GABA- oder Benzodiazepin-Rezeptoren. Wie auch bei anderen klinisch wirksamen Antidepressiva und Arzneimitteln zur Behandlung der Zwangsstörung war die chronische Verabreichung von Sertralin im Tiermodell mit einer Verminderung der An-sprechbarkeit zerebraler Noradrenalinrezeptoren verbunden.
Sertralin zeigte kein Missbrauchspotenzial. In einer doppelblinden, randomisierten, placebo-kontrollierten Studie zum diesbezüglichen Vergleich von Sertralin, Alprazolam und d-Amphe-tamin beim Menschen zeigte Sertralin keine positiven subjektiven Effekte, die auf ein Miss-brauchspotenzial hindeuteten. Dagegen stuften die Studienteilnehmer sowohl Alprazolam als auch d-Amphetamin in Bezug auf die Parameter Drug-Liking, Euphorie und Missbrauchspo-tenzial als signifikant höher ein als Placebo. Sertralin führte nicht zu der Stimulation und Angst, die in Verbindung mit d-Amphetamin steht, oder zu der Sedierung und psychomotori-schen Störung, die mit Alprazolam einhergeht. Sertralin wirkt nicht als positiver Verstärker bei Rhesusaffen, die auf die Selbstapplikation von Kokain trainiert wurden, noch wirkt es substitu-ierend für d-Amphetamin oder Pentobarbital bei Rhesusaffen.
Klinische Wirksamkeit und Sicherheit
Episoden einer Major-Depression
Eine Studie untersuchte ambulante Patienten mit Depression, die am Ende einer zunächst 8-wöchigen offenen Behandlungsphase auf 50 bis 200 mg Sertralin pro Tag angesprochen hat-ten. Diese Patienten (n = 295) erhielten randomisiert 44 weitere Wochen lang doppelblind entweder 50 bis 200 mg Sertralin pro Tag oder Placebo. In der Sertralin-Gruppe zeigte sich eine statistisch signifikant niedrigere Rezidivrate als in der Placebo-Gruppe. Patienten, die die
Behandlung abschlossen, hatten eine mittlere Tagesdosis von 70 mg erhalten. Der Prozent-satz der Responder (definiert als diejenigen Patienten, die keinen Rückfall erlitten) betrug in der Sertralin- bzw. Placebo-Gruppe 83,4 % bzw. 60,8 %.
Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Die kombinierten Daten der 3 PTBS-Studien in der Allgemeinbevölkerung ergaben für die Männer eine niedrigere Ansprechrate als für die Frauen. In den beiden positiven Studien in der Allgemeinbevölkerung waren die Anzahl der Responder von Sertralin vs. Placebo für Männer und Frauen vergleichbar (Frauen: 57,2 % vs. 34,5 %; Männer: 53,9 % vs. 38,2 %). Die Anzahl männlicher und weiblicher Patienten in den gepoolten Studien in der Allgemeinbe-völkerung waren 184 bzw. 430, sodass die Ergebnisse bei den Frauen aussagekräftiger sind und mit den Männern andere Variablen in der Ausgangssituation in Zusammenhang gebracht wurden (häufigerer Substanzmissbrauch, längere Krankheitsdauer, Traumaauslöser u. a.), die mit einer verringerten Wirkung einhergehen.
Kardiale Elektrophysiologie
In einer umfangreichen QTc-Studie, durchgeführt im Steady State bei supratherapeutischer Exposition an gesunden Probanden (behandelt mit 400 mg/Tag, d. h. dem Doppelten der empfohlenen Tagesdosis) lag die obere Grenze des zweiseitigen 90 %-Konfidenzintervalls für die zeitadjustierte Least-Square-Mittelwertdifferenz der QTcF zwischen Sertralin und Pla-cebo (11,666 ms) über dem vordefinierten Grenzwert von 10 ms 4 Stunden nach Dosisgabe. Die Exposition-Reaktion-Analyse zeigte ein leicht positives Verhältnis zwischen QTcF und Sertralin-Plasmakonzentrationen [0,036 ms/(ng/ml); p<0,0001]. Basierend auf dem Exposi-tion-Reaktion-Modell liegt der Grenzwert für eine klinisch signifikante Verlängerung des QTcF (d. h. prognostiziertes 90%-KI übersteigt 10 ms) bei mindestens 2,6-mal der durchschnittli-chen Cmax (86 ng/ml) nach der höchsten empfohlenen Sertralin-Dosis (200 mg/Tag, siehe Abschnitte 4.4, 4.5, 4.8 und 4.9).
Kinder und Jugendliche mit Zwangsstörung
Die Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Sertralin (50 bis 200 mg/Tag) wurde bei der Be-handlung von ambulant behandelten, nicht depressiven Kindern (im Alter von 6 bis 12 Jah-ren) und Jugendlichen (im Alter von 13 bis 17 Jahren) mit Zwangsstörung untersucht. Im An-schluss an eine 1-wöchige einfachblinde Therapieeinleitung mit Placebo wurden die Patien-ten randomisiert einer flexiblen, 12-wöchigen Dosisgabe von entweder Sertralin oder Placebo zugeordnet. Bei Kindern (6 bis 12 Jahre) wurde zunächst mit einer Anfangsdosis von 25 mg begonnen. Bei Patienten, die randomisiert Sertralin zugeordnet worden waren, kam es in Be-zug auf folgende Skalen zu signifikant größeren Verbesserungen gegenüber den Patienten, die randomisiert Placebo erhielten: Children’s Yale-Brown Obsessive Compulsive Scale CY-BOCS (p = 0,005), NIMH Global Obsessive Compulsive Scale (p = 0,019) und CGI Improve-ment (p = 0,002). Darüber hinaus wurde auch in Bezug auf die CGI-Severity-Skala bei der Sertralin-Gruppe ein Trend zu größerer Verbesserung verzeichnet als in der Placebo-Gruppe (p = 0,089). Für CY-BOCS lagen die mittleren Ausgangswerte und Veränderungen gegen-über dem Ausgangwert in der Placebo-Gruppe bei 22,25 ± 6,15 bzw. -3,4 ± 0,82 und in der Sertralin-Gruppe bei 23,36 ± 4,56 bzw. -6,8 ± 0,87. Als Responder, definiert als Patienten mit einer mindestens 25%igen Abnahme in Bezug auf CY-BOCS (primärer Wirksamkeitsparame-ter) von Studienbeginn (Baseline) bis zum Endpunkt, erwiesen sich in einer Post-hoc-Analyse 53 % der Patienten unter Sertralin gegenüber 37 % der Patienten unter Placebo (p = 0,03).
Es gibt keine klinischen Langzeitstudien, die die Wirksamkeit in dieser pädiatrischen Popula-tion untersuchen.
Kinder und Jugendliche
Für Kinder unter 6 Jahren liegen keine Daten vor.
Studie SPRITES zur Sicherheit nach Markteinführung
Nach der Marktzulassung wurde eine Beobachtungsstudie mit 941 Patienten im Alter von 6 bis 16 Jahren durchgeführt, um die langfristige Sicherheit einer Behandlung mit Sertralin (mit und ohne Psychotherapie) im Vergleich zu einer Psychotherapie zur kognitiven, emotionalen,
körperlichen und pubertären Reifung über einen Zeitraum von bis zu 3 Jahren zu untersu-chen. Diese Studie wurde in der klinischen Praxis bei Kindern und Jugendlichen mit der Pri-märdiagnose Zwangsstörung, Depression oder anderen Angststörungen durchgeführt und bewertete die kognitiven Fähigkeiten (bewertet mit dem Trails-B-Test und dem Metacognition Index des Behaviour Rating Inventory of Executive Function [BRIEF], die Verhaltens-/ Emoti-onsregulation [bewertet mit dem Behavioural Regulation Index des BRIEF] und die körperli-che/ pubertäre Reifung [bewertet mit standardisiertem Größe/Gewicht/Körpermassenindex [BMI] und Tanner-Stadium]). Sertralin ist in der pädiatrischen Population nur für Patienten im Alter von 6 Jahren und älter mit Zwangsstörungen zugelassen (siehe Abschnitt 4.1).
Die Standardisierung der einzelnen primären Ergebnisgrößen auf der Grundlage von Ge-schlechts- und Altersnormen zeigte, dass die Gesamtergebnisse mit einer normalen Entwick-lung übereinstimmten. Mit Ausnahme des Gewichts wurden keine statistisch signifikanten Unterschiede bei den primären Ergebnisgrößen festgestellt. In vergleichenden Analysen wurde ein statistisch signifikanter Befund für das standardisierte Gewicht festgestellt, aller-dings war das Ausmaß der Veränderung des Gewichts gering (mittlere [SD] Veränderung des standardisierten z-Scores < 0,5 SD). Es gab eine Dosis-Wirkungs-Beziehung bei der Ge-wichtszunahme.
Resorption
Beim Menschen werden nach einmal täglicher Einnahme von 50 bis 200 mg Sertralin über 14 Tage maximale Plasmaspiegel 4,5 bis 8,4 Stunden nach der täglichen Gabe erreicht.
Durch Nahrungszufuhr wird die Bioverfügbarkeit von Sertralin-Tabletten nicht signifikant be-einflusst.
Verteilung
Die Plasmaproteinbindung beträgt ungefähr 98 %.
Biotransformation
Sertralin unterliegt einem ausgeprägten First-Pass-Metabolismus durch die Leber.
Aufgrund der klinischen und der In-vitro-Daten kann man davon ausgehen, dass Sertralin auf mehreren Wegen metabolisiert wird einschließlich CYP3A4, CYP2C19 (siehe Abschnitt 4.5) und CYP2B6. In vitro sind Sertralin und sein Hauptmetabolit Desmethyl-Sertralin auch Sub-strate des P-Glykoproteins.
Elimination
Die mittlere Halbwertszeit von Sertralin beträgt rund 26 Stunden (22 bis 36 Stunden). Entspre-chend seiner terminalen Eliminationshalbwertszeit erfolgt eine etwa 2-fache Akkumulation bis zur Steady-State-Konzentration, die bei einmal täglicher Einnahme nach etwa 1 Woche er-reicht wird. Die Halbwertszeit von N-Desmethyl-Sertralin beträgt 62 bis 104 Stunden. Sowohl Sertralin als auch N-Desmethyl-Sertralin werden im menschlichen Organismus stark metaboli-siert, wobei die entstehenden Metaboliten zu gleichen Teilen in Fäzes und Urin ausgeschie-den werden. Im Urin findet sich nur ein kleiner Anteil (unter 0,2 %) unverändertes Sertralin wieder.
Linearität/Nicht-Linearität
Sertralin zeigt dosisproportionale Pharmakokinetik über einen Bereich von 50 bis 200 mg. Pharmakokinetik bei besonderen Patientengruppen
Kinder und Jugendliche mit Zwangsstörungen
Die Pharmakokinetik von Sertralin wurde bei 29 pädiatrischen Patienten im Alter von 6 bis 12 Jahren und 32 jugendlichen Patienten im Alter von 13 bis 17 Jahren untersucht. Die Patien-ten wurden innerhalb von 32 Tagen schrittweise auf eine Tagesdosis von 200 mg hochtitriert,
entweder mit einer Anfangsdosis und Steigerungsschritten von je 25 mg oder mit einer An-fangsdosis und Steigerungsschritten von je 50 mg. Die Verträglichkeit erwies sich unter dem 25-mg-Schema und unter dem 50-mg-Schema gleich gut. Im Steady State bei der 200-mg-Dosis waren die Sertralin-Spiegel im Plasma in der Gruppe der 6- bis 12-Jährigen etwa 35 % höher als in der Gruppe der 13- bis 17-Jährigen und 21 % höher als in der Vergleichsgruppe der Erwachsenen. Es wurden keine signifikanten Unterschiede bei der Elimination zwischen Jungen und Mädchen festgestellt. Eine niedrige Anfangsdosis und Titrationsschritte von 25 mg werden daher bei Kindern empfohlen, insbesondere bei niedrigem Körpergewicht. Ju-gendliche könnten die gleichen Dosen erhalten wie Erwachsene.
Jugendliche und ältere Patienten
Das pharmakokinetische Profil bei Jugendlichen und älteren Patienten unterscheidet sich nicht signifikant von dem von Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren.
Leberfunktionsstörung
Bei Patienten mit Leberschädigung ist die Halbwertszeit von Sertralin verlängert und die AUC um das 3-Fache erhöht (siehe Abschnitte 4.2 und 4.4).
Nierenfunktionsstörung
Bei Patienten mit mäßiger bis schwerer Nierenfunktionsstörung kam es nicht zu einer signifi-kanten Akkumulation von Sertralin.
Pharmakogenomik
Im Vergleich zu schnellen Metabolisierern sind bei langsamen CYP2C19-Metabolisierern die Plasmaspiegel von Sertralin um etwa 50 % erhöht. Die klinische Bedeutung dieser Beobach-tung ist unklar, und die Dosis muss anhand des klinischen Ansprechens titriert werden.
Pharmazeutische Angaben - Sertralin 50 mg
Tablettenkern:
mikrokristalline Cellulose Calciumhydrogenphosphat-Dihydrat hochdisperses Siliciumdioxid Hyprolose
Carboxymethylstärke-Natrium (Typ A) (Ph.Eur.) Magnesiumstearat (Ph.Eur.) [pflanzlich]
Filmüberzug:
Hypromellose Macrogol 400
Titandioxid (E 171)
Polysorbat 80
Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.
PVC/PVdC/Aluminiumblisterpackung
Packungen mit 20, 50, 100 Filmtabletten
20 Filmtabletten Klinikpackung
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.