Rovamycine® 1 500 000 I.E. Filmtabletten
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Gluten/Laktose
Laktose: Ja
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Fachinfo - Rovamycine® 1 500
Spiramycin kann angewendet werden bei:
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Staphylokokkeninfektionen nach vorheriger mikrobiologischer Austestung, wenn Erythromycin, betalaktamasefeste Penicilline oder Cephalosporine nicht wirksam sind.
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Tonsillo-Pharyngitis und bronchopulmonalen Infektionen, wenn andere wirksame Antibiotika nicht anwendbar sind.
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Akuter Toxoplasmose, vor allem in der Frühschwangerschaft (Behandlungsbeginn vor der 20. Schwangerschaftswoche), sowie bei akuter Toxoplasmose der Augen, wenn Pyrimethamin und/oder ein Sulfonamid nicht anwendbar sind.
Es sind die jeweils geltenden offiziellen/nationalen Richtlinien zur antibakteriellen Resistenz sowie zur sachgerechten Anwendung und Verordnung von Antibiotika zu beachten.
Dosierung
Bei Allgemeininfektionen beträgt die durchschnittliche Tagesdosis für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren 6 Mio. I.E. Spiramycin (4 x 1 Filmtablette Rovamycine® 1 500 000 I.E).
Für Erwachsene ist bei schweren Erkrankungen eine Verdoppelung der Dosis auf 12 Mio. I.E. (entspr. 4 x 2 Filmtabletten Rovamycine® 1 500 000 I.E pro Tag) möglich.
Bei Toxoplasmose erhalten Erwachsene eine orale Tagesdosis von 9 Mio. I.E.; entspr. 2 mal 2 (z.B. während des Frühstücks und Mittagessens jeweils 2 Filmtabletten) und 2 mal 1 Filmtablette (z.B. während des Abendessens und vor dem Schlafengehen jeweils 1 Filmtablette) Rovamycine® 1 500 000 I.E. Diese Dosierung wird ebenfalls für die Frühschwangerschaft (Behandlungsbeginn vor der 20. Schwangerschaftswoche) empfohlen. Die Kombination mit einem Sulfonamid ist möglich.
Art und Dauer der Anwendung
Die Filmtabletten werden unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit eingenommen. Gleich-zeitige Nahrungsaufnahme beeinflusst die Resorption nicht.
Die Dauer der Therapie richtet sich nach Art und Schwere der Erkrankung. Nach Abklingen der Krankheitserscheinungen sollten die Tabletten noch 2 - 3 Tage ein-genommen werden.
Bei Infektionen mit β-hämolysierenden Streptokokken der serologischen Gruppe A sollte die Therapiedauer aus Sicherheitsgründen nicht kürzer als 10 Tage sein, um Spätkomplikationen (Rheumatisches Fieber, Glomerulonephritis) vorzubeugen.
Bei der Toxoplasmose beträgt die Therapiedauer 4 Wochen. Nach einem zweiwöchigen einnahmefreien Intervall kann die Behandlung wiederholt werden.
Zur Behandlung der Toxoplasmose in der Frühschwangerschaft (Behandlungsbeginn vor der 20. Schwangerschaftswoche) wird eine Therapiedauer von 3 Wochen empfohlen.
Rovamycine® 1 500 000 I.E. ist für Kinder unter 6 Jahren nicht geeignet (siehe Abschnitt 4.4).
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Überempfindlichkeit gegen Spiramycin, ein anderes Makrolidantibiotikum, Weizenstärke oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile.
Spiramycin sollte nicht bei Patienten mit Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel angewendet werden, da in sehr seltenen Fällen akute Hämolysen berichtet wurden.
Bei schweren Leberfunktionsstörungen sollte die Therapie mit Rovamycine® 1 500 000
I.E. nur unter ärztlicher Überwachung erfolgen.
Rovamycine®Rovamycine 1 500 000 I.E. ist für Kinder unter 6 Jahren nicht geeignet
(siehe Abschnitt 4.2).
Weizenstärke kann geringe Mengen Gluten enthalten, die aber auch für Patienten, die an Zöliakie leiden, als verträglich gelten.
Eine Tablette enthält nicht mehr als 108 x 103 Mikrogramm Gluten.
Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-Intoleranz, Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten Rovamycine® 1 500 000 I.E. nicht einnehmen.
Spiramycin/Lincomycin/Clindamycin
Bei gleichzeitiger Gabe von Spiramycin und Lincomycin bzw. Clindamycin kann hin-sichtlich der bakteriellen Wirkung ein antagonistischer Effekt auftreten.
Eine Kombination mit diesen Wirkstoffen sollte deshalb vermieden werden.
Spiramycin/Dihydroergotamin/Mutterkornalkaloide
Bei gleichzeitiger Gabe von Dihydroergotamin oder einem nichthydrierten Mutterkorn-alkaloid und Spiramycin kann es zu einer Verstärkung der vasokonstriktorischen Wirkung kommen.
Spiramycin/Methylprednisolon/Carbamazepin/Cumarine/Digoxin
Bei einer Therapie mit Spiramycin ist die Verzögerung der Elimination von Methyl-prednisolon, Carbamazepin und Antikoagulantien vom Cumarintyp sowie eine Erhöhung der Digoxin-Spiegel bei einem Teil der Patienten nicht auszuschließen.
Spiramycin/Fluphenazin
Die gleichzeitige Gabe von Spiramycin und Fluphenazin kann zu einer akuten Spannungs- und Bewegungsstörung führen.
Spiramycin/Mequitazin
Bei gleichzeitiger Anwendung von Spiramycin und Mequitazin über 48 Stunden kann es bei angeborener QT-Zeitverlängerung zu Kammertachykardien vom Typ „Torsades de pointes“ kommen.
Schwangerschaft:
Tierexperimentelle Studien und Erfahrungen bei der Anwendung an Schwangeren ergaben bisher keine Hinweise auf eine fetale Schädigung. Eine Anwendung während der Schwangerschaft ist bei entsprechender Indikation möglich (siehe Abschnitt 5.3).
Stillzeit:
Spiramycin geht in bakteriostatisch wirksamen Konzentrationen in die Muttermilch über. Da Spiramycin in die Muttermilch übertritt, kann es beim gestillten Säugling zu Magen-Darm-Störungen kommen. Ist eine Behandlung während der Stillzeit erforder-lich, sollte abgestillt werden.
Es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass unter der Therapie mit Rovamycine® 1 500 000 I.E. die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zur Bedienung von Maschinen beeinträchtigt ist.
Die Nebenwirkungen sind nach Organsystemen und Häufigkeit gegliedert. Innerhalb jeder Häufigkeitsgruppe werden die Nebenwirkungen nach absteigendem Schweregrad dargestellt: sehr häufig (≥ 1/10), häufig (≥ 1/100 bis < 1/10), gelegentlich
(≥ 1/1000 bis < 1/100), sehr selten (≥ 1/10.000) und nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).
Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
Sehr selten: akute Hämolyse (siehe auch Abschnitt 4.4).
Erkrankungen des Immunsystems
Gelegentlich: Allergische Nebenwirkungen, wie z.B. Exantheme, Urtikaria oder Pruritus,. Sehr selten: Fieber, angio-neurotisches Ödem (Quincke-Ödem), anaphylaktischer Schock.
Weizenstärke kann Überempfindlichkeitsreaktionen hervorrufen.
Erkrankungen des Nervensystems Gelegentlich: Parästhesien.
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
Häufig: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall (besonders bei höherer Dosierung). Bei anhaltenden, blutig-schleimigen Durchfällen mit Koliken ist an eine pseudomembranöse Kolitis zu denken. Die Therapie mit Spiramycin muß dann sofort abgebrochen und eine entsprechende Therapie (z. B. Vancomycin 4mal 250 mg/Tag oral) eingeleitet werden.
Leber- und Gallenerkrankungen
Gelegentlich: Leberschäden und Leberfunktionsstörungen. Bei einer entsprechenden Symptomatik sollte die Therapie mit Rovamycine® 1 500 000 I.E. abgebrochen werden.
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, 53175 Bonn, Website: www.bfarm.de anzuzeigen.
Pharmakologische Eigenschaften - Rovamycine® 1 500
Pharmakotherapeutische Gruppe: Makrolide, Lincosamide and Streptogramine ATC-Code: J01FA02
Wirkmechanismus
Spiramycin ist ein Fermentierungsprodukt von Streptomyces ambofaciens. Die therapeutisch eingesetzte Mixtur enthält drei Spiramycine, mit Spiramycin 1 als vorherrschender Komponente. Spiramycin gehört zur Substanzklasse der Makrolid-Antibiotika, die als Hemmstoffe der Proteinsynthese gelten. Makrolide binden an die 50S-Untereinheit des Bakterienribosoms an sich überschneidenden, aber nicht identischen Bindungsstellen in der zentralen Loop-Region der Domäne V der Untereinheit (Basenmutationen in diesem Bereich übertragen eine Kreuzresistenz auf verschiedene Makrolide). Sie binden dicht am Peptidyltransferasezentrum, das vollständig aus RNA besteht und die Bildung von Peptidbindungen während der
Elongation katalysiert. Dieser Wirkmechanismus kennzeichnet alle MLSB (Makrolid-Lincosamid-Streptogramin-B)-Antibiotika und wird durch den zwischen dem Peptidyltransferasezentrum und dem Wirkstoff innerhalb des Ribosoms bestehenden Raum moduliert. Durch die Blockade des Ausgangs des Polypeptidtunnels, die eine frühzeitige Freisetzung von Peptidyl-tRNA auslöst, hemmen Makrolide die Verlängerung der Peptidkette. Darüber hinaus wurde gezeigt, dass das Ribosomen-Assembly im frühen Stadium der Proteinsynthese verhindert wird. In therapeutischen Konzentrationen wirkt Spiramycin primär bakteriostatisch. Da Lincomycin, Clindamycin und Spiramycin das Assembly der 50S-Untereinheit beeinflussen können, könnte die Behandlung bezogen auf die antibakterielle Funktion dieser Substanzen antagonistische Wirkungen haben.
Beziehung zwischen Pharmakokinetik und Pharmakodynamik
Das Ausmaß der bakteriostatischen Wirkung von Spiramycin hängt im wesentlichen von der Zeitdauer ab, während der der Wirkstoffspiegel oberhalb der minimalen Hemmkonzentration (MHK) des Erregers liegt.
Resistenzmechanismus
Für Makrolid-Antibiotika wurden Resistenzmechanismen identifiziert: die auf durch eine Methylase vermittelte Modifikation der Zielstruktur (durch erm-Gene codiert), Effluxmechanismen (durch ein mef-Gen codiert) oder Makrolid-Phosphotransferasen (durch mph-Gene codiert) basieren.
Je nach Resistenzmechanismus sind Kreuzresistenzen zwischen Spiramycin, Erythro-mycin, Streptogramin B und Lincosaminen (einschließlich Clindamycin) möglich.
Grenzwerte (Breakpoints)
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Textes (EUCAST v 14.0) lagen keine EUCAST-Empfehlungen zu den Grenzwerten für die Empfindlichkeit für Spiramycin vor.
Da spezifische Grenzwerte nach DIN für Spiramycin nicht vorliegen, werden die ermittelten MHK häufig in Bezug auf die Grenzwerte für Erythromycin interpretiert.
Die Grenzwerte von Erythromycin für S. pneumoniae und andere Streptococcus spp. sind:
Empfindlich ≤ 0,25 mg/L – resistent > 0,25 mg/L
Spiramycin ist nicht in den CLSI-Leitlinien zur Empfindlichkeitstestung enthalten; die Grenzwerte von Erythromycin für Streptokokken und Staphylokokken sind: Streptokokken – empfindlich ≤ 0,25 mg/L – resistent > 0,25 mg/L
Staphylokokken – empfindlich ≤ 1 mg/L – resistent > 1 mg/L
Die Häufigkeit der erworbenen Resistenzen kann für bestimmte Erregerarten geo-graphisch und zeitlich variieren. Vor allem bei der Behandlung schwerer Infektionen sind daher Informationen zur lokalen Resistenzsituation wünschenswert. Falls notwendig, ist ein Experte zu konsultieren, wenn die lokale Resistenzhäufigkeit den Nutzen der Substanz zumindest bei bestimmten Infektionsarten fraglich erscheinen lässt.
P rävalenz der erworbenen Resistenz:
| Üblicherweise empfindliche Spezies |
| Gram-positive Aerobier |
| Corynebacterium diphteria Corynebacterium minutissimum Streptococcus pyogenes1Listeria monocytogenes |
| Gram-negative Aerobier |
| Bordetella pertussis Haemophilus influenza Legionella pneumiphila Neisseria gonorrhoeae |
| Atypische Erreger und Protozoen |
| Chlamydophila trachomatis |
| Entamoeba histolytica |
| Mycoplasma pneumoniae Treponema pallidum |
| Toxoplasmeno Ureaplasma urealyticum |
| Spezies, bei denen die erworbene Resistenz einProblem darstellen kann |
| Gram-positive Aerobier |
| Koagulase-negative Staphylokokken+ |
| Staphylococcus aureus (Methicillin sensibel) |
| Staphylococcus aureus (Methicillin resistent)+ |
| Streptococcus pneumoniae |
| Gram-negative Aerobier |
| Haemophilus influenzae $ |
| Von Natur aus resistente Spezies |
| Gram-negative Aerobier |
| Enterobacteriaceae |
| H. parainfluenzae |
| Pseudomonas aeruginosa |
Die angegebenen Daten basieren weitgehend auf Daten zu Erythromycin (Farzam et al. 2023, Erythromycin. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK532249/).
o In der
Primärliteratur, Standardwerken und Therapieempfehlungen wird von einer Empfindlichkeit ausgegangen.
+ In mindestens einer Region liegt die Resistenzrate bei über 50%.
$ Die natürliche Empfindlichkeit der meisten Isolate liegt im intermediären Bereich.
1 Resistenzrate in einigen Studien > 10%.
Resorption
Spiramycin wird bei oraler Applikation unvollständig resorbiert. Blutspiegelmaxima werden nach 2 - 3 Stunden erreicht und variieren individuell beträchtlich.
Verteilung und Biotransformation
Nach mehrtägiger Verabreichung von 4-mal täglich 1 g Spiramycin betragen die Serumkonzentrationen 2 Stunden nach der letzten Gabe 2,0 - 3,0 mg/l (Schwankungsbreite 1,0 - 5,0 mg/l).
Die Gewebegängigkeit von Spiramycin ist gut. In verschiedenen Geweben (Lungen, Tonsillen, Prostata, Knochen) und Körperflüssigkeiten (Speichel, Galle, Bronchialsekret, Nasennebenhöhlensekret) wurden relativ hohe Wirkstoffkonzentrationen gemessen, die
z. T. über den korrespondierenden Serumwerten lagen. Spiramycin durchdringt die Plazenta. In der Muttermilch wurden Konzentrationen gefunden, die 20 - 40-mal höher als die Serumwerte lagen.
Spiramycin ist nicht liquorgängig.
Die Plasmaproteinbindung liegt bei 30 %.
Spiramycin wird zum größten Teil metabolisiert, wahrscheinlich in der Leber. Die Ausscheidung erfolgt überwiegend über die Galle. Nur 5 - 10% einer oral verabreichten Dosis werden über die Niere ausgeschieden.
Die Plasmahalbwertszeit beträgt 6,8 ± 1,3 Stunden.
Die absolute Bioverfügbarkeit liegt nach oraler Gabe bei 36 ± 14%. Eine im Jahr 1985 durchgeführte Bioverfügbarkeitsstudie an 12 Probanden ergab im Vergleich zu einer parenteralen Zubereitung:
| Spiramycin i.v. 1.5 Mio I.E.a | Rovamycine® 3 Mio I.E. oral | |
| MaximalePlasmakonzentration (Cmax) | 5.589 ± 2.449 µg/ml | 0,96 ± 0,32 µg/ml |
| Zeitpunkt der maximalen Plasmakonzentration (tmax) | entfällt | 3 Stunden (Streubreite 3-4h) |
| Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve (AUC) | 8.49 ± 1.47 h x µg/ml | 5.43 ± 2.03 h x µg/ml(Streubreite 1.74 - 8.50) |
a Nach Gabe einer 1 stündigen Infusion in isotoner Glukose-Lösung
Die Daten sind der Studie von Le Roux et al. IBP/Biodyn-An. Biol. No 756 vom 7.11.1985 entnommen.
Pharmazeutische Angaben - Rovamycine® 1 500
Lactose-Monohydrat, Siliciumdioxid-Hydrat, Magnesiumstearat (Ph.Eur.), Weizenstärke, Hypromellose, Macrogol 20000.
Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungshinweise erforderlich.