Kalymin® 60 N, 60 mg Filmtabletten
Verschreibungsinformationen
Versicherungsliste
Informationen zur Abgabe
Verschreibungseinschränkungen
Sonstige Informationen
Name des Präparats
Gluten/Laktose
Laktose: Ja
Darreichungsform
Hersteller
Letzte Aktualisierung der Fachinformation

Mediately App verwenden
Schnellerer Zugriff auf Medikamenteninformationen.
Über 36k bewertungen
Fachinfo - Kalymin® 60 N
Myasthenia gravis.
Myasthenisches Syndrom (Lambert-Eaton), als Teil einer Kombinationstherapie mit Guanidin.
Dosierung
Myasthenia gravis
Zur symptomatischen Behandlung von Erwachsenen mit Mysthenia gravis werden 3- bis 4-mal täglich 1-3 Filmtabletten Kalymin 60 N (180 mg bis maximal 720 mg Pyridostigminbromid/Tag) empfohlen.
Myasthenisches Syndrom (Lambert-Eaton)
Die Behandlung beginnt mit der alleinigen Gabe von Pyridostigmin, wobei pro Tag 180-720 mg (1-3 Filmtabletten Kalymin 60 N), verteilt auf 3 bis 4 Gaben als Richtwert gelten. Sollte sich mit dieser Dosierung kein befriedigender Behandlungserfolg einstellen, kann die Therapie mit der Gabe von 375-1000 mg Guanidin pro Tag ergänzt werden, wobei die Guanidin-Gaben zwischen den Einnahmezeitpunkten des Pyridostigmins liegen sollten. Die Dosierung muss streng individuell nach dem Ansprechen des Patienten erfolgen.
Hinweis
Die Dosierung von Pyridostigminbromid bei Myasthenia gravis muss in Abhängigkeit von der Schwere der Erkrankung und dem Ansprechen auf die Behandlung streng individuell gehandhabt werden. Für diese Indikation können die Dosierungsempfehlungen daher nur als Anhaltspunkte dienen. Im Allgemeinen sollte jedoch die maximale Tagesdosis von Pyridostigminbromid nicht überschritten werden.
Für die Gabe niedriger Dosen steht die Darreichungsform Kalymin® 10 N mit 10 mg Pyridostigminbromid pro Filmtablette zur Verfügung.
Patienten mit Nierenerkrankungen
Bei Patienten mit schwer eingeschränkter Nierenfunktion bzw. Niereninsuffizienz kann die Wirkdauer von Pyridostigminbromid erhöht sein, da Pyridostigminbromid zu einem großen Teil (75 %) unverändert über die Niere ausgeschieden wird. Bei einem Plasmakreatinin-Wert von z. B. 2 mg/dl sollte rechnerisch die Erhaltungsdosis halbiert bzw. das Dosierungsintervall verdoppelt werden. Die endgültige Dosis sollte jedoch auf der Grundlage des individuellen Ansprechens des Patienten auf die Therapie festgelegt werden. Bei diesen Patienten ist eine engmaschige ärztliche Überwachung der Therapie angezeigt.
Art der Anwendung Zum Einnehmen
Die Filmtabletten werden mit etwas Flüssigkeit eingenommen.
Dauer der Anwendung
Die Dauer der Behandlung erfolgt in Abhängigkeit von der Indikation.
-
Überempfindlichkeit gegen Pyridostigminbromid oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile.
-
bei mechanischen Verschlüssen der Verdauungs- und Harnwege;.
-
bei erhöhtem Tonus der Bronchialmuskulatur (z. B. bei Asthma bronchiale, spastischer Bronchitis);.
-
bei Entzündungen des Auges (Iritis);.
-
in der Stillzeit (siehe Abschnitt 4.6).
Kalymin 60 N sollte nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden bei:
-
Ulcus ventriculi
-
dekompensierter Herzinsuffizienz
-
Myokardinfarkt
-
Thyreotoxikose
Kalymin 60 N sollte nur unter besonderer Vorsicht angewendet werden bei Patienten
-
mit Bradykardie;.
-
mit Diabetes mellitus;.
-
mit Niereninsuffizienz (ggf. Dosisanpassung);.
-
mit Parkinsonscher Erkrankung;.
-
nach Magen-Darm-Operationen.
Kalymin 60 N enthält Lactose.
Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-Intoleranz, völligem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten Kalymin 60 N nicht einnehmen.
1 Filmtablette enthält 0,445 g Lactose (eine Quelle für 0,223 g Glucose und 0,223 g Galactose). Dies ist bei Patienten mit Diabetes mellitus zu berücksichtigen.
Gleichzeitige Gabe von anderen Cholinesterasehemmern oder sonstigen Parasympathomimetika kann zu Wirkungsverstärkung führen. Pyridostigminbromid kann die parasympathomimetischen Wirkungen von Morphin und dessen Derivaten verstärken. Ebenso wird die Wirkdauer von depolarisierenden Muskelrelaxanzien (wie Succinylcholin) verlängert.
Antimuskarinika (z. B. Atropin) hemmen die muskarinerge Wirkung von Pyridostigminbromid an Speicheldrüsen, Auge, Herz, Bronchialmuskulatur und Darm. Nikotinerge Wirkungen an der Skelettmuskulatur bleiben dagegen unbeeinflusst.
Methylcellulose hemmt die Resorption von Pyridostigminbromid vollständig und Kohlekompretten adsorbieren Pyridostigminbromid größtenteils.
Substanzen, die die neuromuskuläre Übertragung stören, können die Pyridostigminwirkung abschwächen und dadurch eine myasthene Symptomatik auslösen. Dazu zählen Aminoglycoside-Antibiotika (z. B. Streptomycin, Neomycin, Kanamycin, Gentamicin), Polypeptid-Antibiotika (Polymyxin, Collistin) und andere Antibiotika wie Oxytetracyclin, Clindamycin und Lincomycin, einige Antiarrhythmika (Chinidin, Procainamid, Propranolol), Penicillamin, Lithium, Tranquilizer vom Benzodiazepin-Typ und Phenothiazine (z. B. Chlorpromazin). Auch Kortikosteroide in hoher Dosierung können die Wirkung von Pyridostigminbromid beeinträchtigen.
Schwangerschaft
Es liegen keine hinreichenden Daten für die Verwendung von Pyridostigminbromid bei Schwangeren vor. In tierexperimentellen Studien zeigte Pyridostigminbromid nach oraler Gabe keine teratogenen Wirkungen. Es waren jedoch Fetotoxizität und Effekte auf die Nachkommen zu beobachten (siehe Abschnitt 5.3). Die i.v.
Anwendung von Acetylcholinesterase-Hemmern in der Schwangerschaft kann zur Auslösung von vorzeitigen Wehen führen. Die Gefahr vorzeitiger Wehen besteht dabei insbesondere bei der Anwendung zum Ende der Schwangerschaft.
Kalymin 60 N darf deshalb während der Schwangerschaft nur bei strenger Indikationsstellung angewendet werden.
Stillzeit
Da Pyridostigminbromid in die Muttermilch übergeht, darf während einer Behandlung mit Kalymin 60 N nicht gestillt werden. Ist eine Kalymin 60 N-Behandlung erforderlich, muss abgestillt werden (siehe Abschnitt 4.3).
Bei ungenügender Kompensation der Grunderkrankung oder cholinergen Effekten nach relativer Überdosierung des Arzneimittels kann die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt sein.
Bei den Häufigkeitsangaben zu Nebenwirkungen werden folgende Kategorien zugrunde gelegt:
Sehr häufig (≥ 1/10) Häufig (≥ 1/100 bis < 1/10)
Gelegentlich (≥ 1/1 000 bis < 1/100) Selten (≥ 1/10 000 bis < 1/1 000) Sehr selten (<1/10 000)
Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)
Mögliche Nebenwirkungen Selten: Hautausschlag
Weitere mögliche Nebenwirkungen deren Häufigkeiten nicht bekannt sind:
Augenerkrankungen
-
Akkommodationsstörungen
Herzerkrankungen
-
bradykarde Herzrhythmusstörungen
-
unerwünschter Blutdruckabfall (Hypotonie)
Erkrankung der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums
-
erhöhte Bronchialsekretion
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
-
Übelkeit
-
Erbrechen
-
Durchfall
-
Bauchkrämpfe durch gesteigerte Darmperistaltik
Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes
-
Schweißausbrüche
Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
-
Muskelschwäche
-
Muskelzittern
-
Muskelkrämpfe
Erkrankungen der Nieren und Harnwege
-
Verstärkter Harndrang
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort
-
Speichel- und Tränenfluss
Diese Nebenwirkungen können Zeichen einer Überdosierung bzw. cholinergen Krise sein. Die Ursache der Erscheinungen sollte daher unbedingt abgeklärt und ggf. zur Behebung parasympathomimetischer Wirkungen Atropinsulfat subcutan, intramuskulär oder langsam intravenös verabreicht werden.
Hinweis
Überdosierung von Pyridostigminbromid kann eine cholinerge Krise verursachen, die unter anderem mit deutlicher oder zunehmender Muskelschwäche bis zur Lähmung einhergeht - Gefahr lebensbedrohlicher Atemlähmung! Als weitere Begleiterscheinungen können Blutdruckabfall bis hin zu Kreislaufkollaps, Bradykardie bis hin zu Herzstillstand oder - paradoxerweise - reflektorische Tachykardie auftreten. In einem solchen Fall sind nach sofortigem Absetzen des Mittels 1-2 mg Atropinsulfat langsam intravenös zu geben (siehe 4.9 b).
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de anzuzeigen.
-
Symptome einer Überdosierung
Speichel- und Tränenfluss, Hautrötung, starkes Schwitzen, Müdigkeit, Schwäche, starke Pupillenverengung, Sehstörungen, Schwindelgefühl, Übelkeit, Erbrechen, unwillkürlicher Harn- und Stuhlabgang, Koliken, Muskellähmungen (auf Grund eines neuromuskulären Blocks), Bronchospasmus, Lungenödem, Blutdruckabfall bis hin zu Kreislaufkollaps, Bradykardie bis hin zu Herzstillstand, eventuell reflektorische Tachykardie.
-
Therapie bei Überdosierung
Als spezifisches Antidot werden 1-2 mg Atropinsulfat langsam i.v. gegeben. Die Dosierung erfolgt nach der Wirkung, gegebenenfalls kann die Anfangsdosis je nach Verhalten der Pulsfrequenz nach 2-4 Stunden wiederholt werden. Freihalten der Atemwege, falls erforderlich künstliche Beatmung. Bei Herzstillstand Herzmassage. Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich. Nach oraler Pyridostigminbromidaufnahme Magenspülung und Gabe von Aktivkohle.
Pharmakologische Eigenschaften - Kalymin® 60 N
Indirektes Parasympathomimetikum, ATC-Code: N07AA02
Pyridostigminbromid hemmt die Cholinesterase und wirkt als indirektes Parasympathomimetikum. Die Hemmung des Enzyms hat eine Erhöhung der Acetylcholinkonzentration an den Rezeptoren in cholinergen Synapsen zur Folge und es kommt zu einer verstärkten und verlängerten Acetylcholinwirkung.
Pyridostigminbromid zeigt vorrangig periphere Effekte. Wirkungen auf zentrale Funktionen kommen nicht vor, da es wegen seiner geringen Lipidlöslichkeit nicht die Blut-Hirn-Schranke durchdringen kann.
Pyridostigminbromid ist besonders als Antimyasthenikum geeignet.
Resorption
Die Bioverfügbarkeit von Pyridostigminbromid nach oraler Gabe liegt zwischen 8 und 20 %. Bei Patienten mit Myasthenia gravis kann sie auf weniger als 4 % absinken. Geschwindigkeit und Ausmaß der Resorption sind individuell sehr verschieden.
Verteilung
Nach Einnahme von Pyridostigminbromid werden innerhalb von 1,7 bis 3,2 Stunden maximale Plasmakonzentrationen erreicht. Die Einnahme von 60 mg Pyridostigminbromid führt zu Spiegeln von etwa 40-60 ng/ml. Bei Cmax sind individuelle Schwankungen um den Faktor 4-7 möglich.
In einer Untersuchung an Myasthenia-gravis-Patienten wurden maximale Blutspiegel nach 3 Stunden erreicht, die klinische und neurophysiologische Wirkung setzte jedoch bereits nach 30 Minuten ein und erreichte schon nach 120-150 Minuten den Maximalwert. Vermutlich kommt es zur schnellen Verteilung von Pyridostigminbromid an die motorische Endplatte und zur vollständigen Blockade der Cholinesterase vor Erreichen der maximalen Spiegel.
Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Dosis und Plasmakonzentration bzw. Höhe der Plasmaspiegel und Änderung der myasthenischen Symptomatik fehlt. Wirkspiegel über 100 ng/ml führen jedoch nicht zu einer weiteren Verbesserung der Wirksamkeit.
Das Verteilungsvolumen von Pyridostigminbromid beträgt etwa 0,5-1,7 l/kg Körpergewicht.
Biotransformation
Die Metabolisierung von Pyridostigminbromid erfolgt vorwiegend in der Leber. Als Hauptmetabolit wurde 3--Hydroxy-N-Methylpyridinium identifiziert.
Elimination
Die Elimination erfolgt vorwiegend renal, mit einer Eliminationshalbwertszeit von etwa 1,5 Stunden nach intravenöser Injektion. Nach oraler Einnahme ist die Elimationshalbwertszeit auf Grund der langsamen Resorption auf ca. 3 bis 3,5 Stunden verlängert.
Pyridostigminbromid passiert nicht die Blut-Hirn-Schranke.
Pharmazeutische Angaben - Kalymin® 60 N
Magnesiumstearat (Ph.Eur.) [pflanzlich], Glutaminsäurehydrochlorid, hochdisperses Siliciumdioxid, Maisstärke, mikrokristalline Cellulose, Lactose-Monohydrat, Polyvinylalkohol, Talkum, Macrogol 3350, Polysorbat 80.
Kalymin 60 N ist in Braunglasflaschen mit Druckkappenverschluß in Packungen zu 50 Filmtabletten und 100 Filmtabletten erhältlich.
In jeder Flasche zu 100 Filmtabletten ist zum Schutz vor Luftfeuchtigkeit zusätzlich ein Behälter mit Trockenmittel enthalten, der nicht zur Einnahme bestimmt ist.