Sulfadiazin-Heyl® 500 mg Tabletten
Verschreibungsinformationen
Versicherungsliste
Informationen zur Abgabe
Verschreibungseinschränkungen
Wechselwirkungen mit
Sonstige Informationen
Name des Präparats
Gluten/Laktose
Laktose: Nein
Darreichungsform
Hersteller
Letzte Aktualisierung der Fachinformation

Mediately App verwenden
Schnellerer Zugriff auf Medikamenteninformationen.
Über 36k bewertungen
Fachinfo - Sulfadiazin-Heyl® 500 mg
Dosierung
Erwachsene
Erwachsene nehmen als Initial- und Erhal- tungsdosis 50 mg/kg Körpergewicht pro Tag bis maximal 4,0 g (4 – 8 Tabletten) pro Tag.
Kinder über 2 Monate
Kinder über 2 Monate erhalten 50 – 100 mg Sulfadiazin/kg Körpergewicht (maximal 1,5 g pro Tag). Die Initialdosis beträgt bei Kindern über 2 Monate ½ Tagesdosis.
Art der Anwendung Zum Einnehmen.
Die Gesamtdosis wird in 4 Einzeldosen auf- geteilt.
Die Tabletten sind mit ausreichend Flüssig- keit einzunehmen.
Unter der Therapie ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten (bei Erwachse- nen mindestens 1.200 ml Urinausscheidung pro Tag). Wenn eine ausreichende Flüssig- keitszufuhr nicht erreicht werden kann, sollte Natriumhydrogencarbonat verabreicht wer- den, um das Risiko der Kristallurie zu ver- ringern.
-
Überempfindlichkeit gegen den Wirk- stoff, Sulfonamide oder einen der in Ab- schnitt 6.1 genannten sonstigen Bestand- teile
-
Erythema exsudativum multiforme oder DRESS-Syndrom (auch in der Anam- nese)
-
Stevens-Johnson Syndrom oder toxisch epidermale Nekrolyse (auch in der Anam- nese)
-
pathologische Blutbildveränderungen mit Leukopenie und Thrombopenie
-
angeborener Glukose-6-Phosphat-De- hydrogenase-Mangel der Erythrozyten
-
Hämoglobinanomalien wie Hb Köln und Hb Zürich
-
schwere Nierenfunktionsstörungen (Krea- tinin-Clearance kleiner als 25 ml/min/ 1,73 m²)
-
schwere Leberschäden oder Leberfunk- tionsstörungen (z. B. akute Hepatitis)
-
akute Porphyrie
-
Stillzeit bei Müttern frühgeborener Kinder
Fälle von lebensbedrohlichen Hautreaktio- nen (Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) und toxisch epidermaler Nekrolyse (TEN)) wur- den in Zusammenhang mit der Anwendung von Sulfadiazin berichtet. Die Patienten sollten über die Anzeichen und Symptome dieser schweren Nebenwirkungen infor- miert und engmaschig bezüglich des Auf- tretens von Hautreaktionen überwacht wer- den.
Das Risiko für das Auftreten von SJS oder TEN ist in den ersten Behandlungswochen am höchsten. Wenn Anzeichen oder Symp- tome für ein SJS oder eine TEN auftreten (z. B. ein progredienter Hautausschlag, oft mit Blasenbildung oder begleitenden Schleimhautläsionen), muss die Therapie mit Sulfadiazin-Heyl beendet werden. Der Ver- lauf von SJS und TEN wird maßgeblich von der frühzeitigen Diagnosestellung und dem sofortigen Absetzen aller verdächtigen Arz- neimittel bestimmt, d. h. frühzeitiges Abset- zen verbessert die Prognose.
Nach Auftreten eines SJS oder einer TEN in Zusammenhang mit der Anwendung von Sulfadiazin darf der Patient/die Patientin nie wieder mit Sulfadiazin behandelt werden.
Die möglicherweise lebensbedrohliche Agranulozytose äußert sich in schwerem allgemeinem Krankheitsgefühl, verbunden mit Fieber, Schüttelfrost, Herzrasen, Hals- schmerzen und Schluckbeschwerden so- wie schmerzhaften Entzündungen der Schleimhäute im Mund-, Nasen- und Ra- chenraum sowie im Anal- und Genitalbe- reich. In diesen Fällen ist Sulfadiazin-Heyl sofort abzusetzen. Nach Abklingen der Beschwerden sollte Sulfadiazin-Heyl nicht erneut eingenommen werden.
Bei Auftreten von Halsentzündungen, Fie- ber oder grippeartigen Symptomen unter der Therapie müssen sofortige Blutbildkon- trollen durchgeführt werden.
Sulfadiazin-Heyl sollte nur mit Vorsicht an- gewendet werden bei Patienten mit
-
leichten Leber- und Nierenfunktionsstö- rungen.
-
Schilddrüsenfunktionsstörungen.
-
Überempfindlichkeit gegen Sulfonylharn- stoff-Antidiabetika und Diuretika auf Sul- fonamidbasis.
Unter der Einnahme von sulfonamidhaltigen Arzneimitteln kann es zur Photosensibilisie- rung kommen. Dies ist bei starker Sonnen- exposition und UV-Licht zu beachten.
Zur Vermeidung einer schweren Beeinträch- tigung der Hämatopoese ist unter der Kom- binationstherapie von Sulfadiazin mit dem Folsäure-Antagonisten Pyrimethamin die gleichzeitige Gabe von Folinsäure (in Form von Calciumfolinat) zu empfehlen.
Im Verlauf der Therapie sollten Harn- und Blutbildkontrollen durchgeführt werden.
Es lassen sich verschiedene Arten von Wechselwirkungen mit anderen Medika- menten unterscheiden. Eine Möglichkeit ist
die Änderung der Konzentration an aktiven Wirkstoffen aufgrund von Konkurrenzreak- tionen um die Plasmaeiweißbindung. Dabei kann es zur Wirkungsverstärkung anderer Pharmaka kommen (Antikoagulantien, orale Antidiabetika aus der Gruppe der Sulfonyl- harnstoffe, Diphenylhydantoin, Methotrexat, Thiopental) oder zur Wirkungsverstärkung der Sulfonamide (Probenecid, Indometacin, Phenylbutazon, Salicylate, Sulfinpyrazon).
Ferner kann eine direkte Reaktion mit an- deren Wirkstoffen erfolgen. Bei gleichzeitiger Gabe eines Antazidums wird das Sulfon- amid in geringerem Ausmaß resorbiert, bei Gabe von Paraldehyd wird das Sulfonamid schneller metabolisiert, und zusammen mit Hexamethylentetramin (Methenamin) be- steht die Gefahr einer Kristallurie. In Kombi- nation mit Mandelsäure steigt über eine Ansäuerung des Urins die Gefahr der Aus- kristallisation. Schließlich kann die Wirkung des Sulfonamids aufgrund von Konkurrenz- reaktionen am Wirkort verändert werden. Antagonistisch wirkende Stoffe ähnlicher Struktur (Benzocain, Procain, Tetracain) können die Wirkung des Sulfonamids ver- mindern.
Interaktionen in vitro sind unter anderem möglich mit: Amiphenazol, Chloramphenicol, Chlorpromazin, Gentamicin, Hydralazin, In- sulin, Kanamycin, Lincomycin, Methicillin, Methyldopa, Noradrenalin, Procain, Pro- chlorperazin, Promazin, Promethazin, Strep- tomycin, Tetracyclinen, Vancomycin.
Schwangerschaft
Zu einer Anwendung von Sulfadiazin-Heyl in der Schwangerschaft liegen keine ausrei- chenden Erfahrungen vor. Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe 5.3). Sulfadiazin-Heyl soll daher im ersten Trimenon nicht angewendet werden. Für diesen Zeitraum sollte auf Arz- neimittel mit anderen Wirkstoffen zurück- gegriffen werden.
Die Gabe von Sulfonamiden in der Schwan- gerschaft kann insbesondere bei Frühge- borenen das Risiko einer Hyperbilirubinämie erhöhen. Ab dem 2. Trimenon darf daher eine Kombinationstherapie mit Sulfadiazin, Pyrimethamin und Folinsäure nur nach strengster Nutzen-Risikoabwägung erfolgen.
Stillzeit
Sulfonamide gehen in die Muttermilch über. Obwohl einige Berichte über unerwünschte Wirkungen von Sulfonamiden bei über die Muttermilch exponierten Säuglingen vorlie- gen, stellt die durch die Milch aufgenom- mene Menge für gesunde Säuglinge sehr wahrscheinlich kein besonderes Risiko dar. Neugeborene mit Hyperbilirubinämie oder Glukose-6-Phosphatdehydrogenase-Mangel der Erythrozyten sollten dagegen während der Behandlung nicht gestillt werden.
Für Mütter frühgeborener Kinder ist Sulfa- diazin-Heyl kontraindiziert.
1
Sulfadiazin-Heyl®
Sehr selten kommt es durch die Einnahme von Sulfadiazin zu transitorischer Myopie, wodurch die Fähigkeit zur aktiven Teil- nahme am Straßenverkehr oder zur Be- dienung von Maschinen beeinflusst wer- den kann.
Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeiten zugrunde ge- legt:
Sehr häufig (≥ 1/10)
Häufig (≥ 1/100 bis < 1/10) Gelegentlich (≥ 1/1.000 bis < 1/100) Selten (≥ 1/10.000 bis < 1/1.000) Sehr selten (< 1/10.000)
Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage
der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)
Erkrankungen des Blutes und des Lymph- systems
Sehr selten: Blutbildveränderungen mit
Thrombo- und Leukopenie, Agranulozytose, Eosinophi- lie, aplastische Anämie, akute hämolytische Anämie
Erkrankungen des Immunsystems
Sehr selten: DRESS-Syndrom
Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen
Selten: Folsäuremangel mit den
Symptomen Anämie und Durchfall
Sehr selten: Hypoglykämie
Augenerkrankungen
Sehr selten: transitorische Myopie
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
Gelegentlich: gastrointestinale Sympto-
me wie Übelkeit, Erbre- chen, Diarrhö
Leber- und Gallenerkrankungen
Selten: cholestatische Hepatose
Sehr selten: fokale oder diffuse Leber-
nekrose
Erkrankungen der Haut und des Unterhaut- zellgewebes
Gelegentlich: allergische Reaktionen wie
urtikarielle, erythematöse, makulöse und morbilliforme Hautausschläge, Purpura, Photodermatose, Erythema nodosum, Lyell-Syndrom (Epidermolysis acuta toxi- ca), exfoliative Dermatitis
Sehr selten: Stevens-Johnson-Syndrom
(SJS) und toxisch epider- male Nekrolyse (TEN) (siehe Abschnitt 4.4), petechiale Hautblutungen, Zyanose aufgrund von Sulf- oder Methämoglobinämie kommt außer beim angeborenen Glukose-6-Phosphat-Dehy- drogenase-Mangel der Ery- throzyten oder bei Hämo- globinanomalien wie Hb Köln und Hb Zürich nicht vor
2
Erkrankungen der Nieren und Harnwege
Gelegentlich: Kristallurie. Nephrolithiasis
kann zu akutem Nierenver- sagen führen
Sehr selten: interstitielle Nephritis
Allgemeine Erkrankungen und Beschwer- den am Verabreichungsort
Gelegentlich: Arzneimittelfieber sowie
Kopf- und Gelenkschmerzen
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkun- gen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwir- kungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuier- liche Überwachung des Nutzen-Risiko- Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger Allee 3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de anzuzeigen.
Symptome einer Überdosierung
Die Symptome der Überdosierung sind Kris- tallurie, Oligurie, Anurie, Nausea, Erbrechen, Diarrhö, Kopfschmerzen und Schwindel.
Therapiemaßnahmen bei Überdosierung Je nach Schwere der Überdosierungser- scheinungen müssen Maßnahmen folgen- der Art ergriffen werden: Auspumpen des Magens, Beschleunigung der renalen Aus- scheidung mit forcierter Diurese durch ver- mehrte Flüssigkeitszufuhr, Hämodialyse, Folsäuregabe. Außerdem müssen Blutbild- kontrollen durchgeführt werden.
Pharmakologische Eigenschaften - Sulfadiazin-Heyl® 500 mg
Pharmakotherapeutische Gruppe: Bakte- riostatisch wirksames Chemotherapeuti- kum aus der Gruppe der mittellang wirken- den Sulfonamide.
ATC-Code: J01EC02 Sulfadiazin
Wirkmechanismus
Sulfadiazin ist ein Chemotherapeutikum aus der Gruppe der mittellang wirkenden Sulfon- amide. Die Wirkung ist bakteriostatisch. Der Wirkmechanismus beruht auf der strukturel- len Verwandtschaft der Sulfonamide mit der p-Aminobenzoesäure und der dadurch bedingten Hemmung der Folsäuresynthese der Erreger durch kompetitive Inhibition der Dihydropteroinsäuresynthetase.
Resistenzen
Studien zur Resistenzsituation bei Toxo- plasmose liegen nur wenige vor. Allerdings sind Fälle von Therapieresistenz bei der Behandlung beschrieben. In neuen In-vitro- Untersuchungen sprachen die meisten der genotypisch verschiedenen Stämme von Toxoplasma gondii auf die Gabe von Sulfa- diazin an. Nur bei 3 der 17 Arten war die IC50 > 50 mg/l. Es gibt jedoch keine Hin- weise auf Mutationen während der Therapie, die zu einer Resistenz oder veränderten Arzneimittel-Sensitivität führen.
Sulfadiazin ist oral und parenteral anwend- bar, Sulfadiazin-Natrium nur parenteral.
Resorption
Nach oraler Gabe wird Sulfadiazin rasch im Magen-Darm-Trakt resorbiert.
Verteilung
Die Plasmaproteinbindung ist ca. 55 % bei einer Serumkonzentration von 100 μg/ml und normalen Plasmaproteinspiegeln, Schwankungsbreite 20 – 55 %. Maximale Blutspiegel werden nach oraler Gabe inner- halb von 3 bis 6 Stunden erreicht. Zur Phar- makokinetik nach i. v.- und i. m.-Verabrei- chung von Sulfadiazin liegen keine Anga- ben vor. Im Liquor betragen die Sulfadiazin- konzentrationen nach oraler Gabe etwa 50 % der korrespondierenden Serumspiegel.
Biotransformation/Elimination
Die biologische Halbwertzeit schwankt zwi- schen 8 und 16,8 Stunden. Sulfadiazin wird in der Leber durch N-Acetylierung und Glu- kuronisierung metabolisiert. Der Acetylie- rungsgrad beträgt 15 %. Die Elimination erfolgt renal, vorwiegend über glomeruläre Filtration. Die Ausscheidung erfolgt zunächst rasch, dann langsamer über einen Zeitraum von 2 – 3 Tagen. 15 – 30 % der Substanz werden in der acetylierten Form ausgeschie- den. Die renale Clearance beträgt 35 ml/ Minute. Alkalisierung des Urins erhöht die Löslichkeit, da Sulfonamide als schwache Säuren stärker in alkalischem Milieu disso- ziieren. Die Substanz ist sowohl bei Hämo- als auch bei Peritonealdialyse gut dialysier- bar.
Bioverfügbarkeit
Eine im Jahr 1996 durchgeführte Biover- fügbarkeitsuntersuchung an 16 Probanden ergab im Vergleich zum Referenzpräparat (Angabe der Werte als Mittelwerte):
| Referenz- präparat | Sulfadiazin- Heyl | |
| Maximale Plasma- konzentration (cmax) [μg/ml] | 13,59 | 14,38 |
| Zeitpunkt der maximalen Serum- konzentration (tmax) [h] | 4,0 | 3,0 |
| Fläche unter der Konzentrations- Zeit-Kurve (AUC)∞[μg · h/ml] | 298,5 | 292,38 |
Siehe Abbildung auf Seite 3