Colchysat® Bürger Flüssigkeit
Verschreibungsinformationen
Versicherungsliste
Informationen zur Abgabe
Verschreibungseinschränkungen
- ausgenommen zur Behandlung des akuten Gichtanfalls
- ausgenommen bei chronischer Niereninsuffizienz
- ausgenommen bei Hyperurikämie bei onkologischen Erkrankungen
- ausgenommen, soweit ein Therapieversuch mit nichtmedikamentösen Maßnahmen erfolglos geblieben ist.
Verordnungseinschränkung verschreibungspflichtiger Arzneimittel nach dieser Richtlinie. [4]
Sonstige Informationen
Name des Präparats
Gluten/Laktose
Laktose: Nein
Darreichungsform
Hersteller
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Fachinfo - Colchysat®
Akuter Gichtanfall bei Erwachsenen.
Die Behandlung des Gichtanfalls mit Colchysat® Bürger bedarf einer besonders intensiven ärztlichen Überwachung.
Die Behandlung mit Colchysat® Bürger sollte innerhalb von 12 Stunden nach Beschwerdebeginn einsetzen.
Erwachsene:
Initialdosis: 50 Tropfen (= 1 mg Gesamtalkaloide, berechnet als Colchicin), gefolgt von 25 Tropfen (= 0,5 mg Gesamtalkaloide) nach 2 Stunden; wenn nicht schmerzfrei, nach weiteren 2 Stunden erneut 25 Tropfen.
Maximaldosis in 24 Stunden: 4 x 25 = 100 Tropfen (= 2 mg Gesamtalkaloide).
2. bis 3. Tag: 2-3 x täglich 25 Tropfen (= 0,5 mg Gesamtalkaloide) bis zum Abklingen der Schmerzen.
4. Tag: ggf. 2 x 25 Tropfen (bis zum Erreichen der Höchstdosis).
Die Behandlung sollte beendet werden, falls Magen-Darm-Beschwerden auftreten oder wenn nach 2 bis 3 Tagen keine Wirkung eingetreten ist.
Die Gesamtdosis pro Gichtanfall von 12 x 25 = 300 Tropfen (= 6 mg Gesamtalkaloide, berechnet als Colchicin) darf nicht überschritten werden. Danach mindestens 3 Tage lang kein Colchysat® Bürger mehr einnehmen.
Die Einnahme sollte in möglichst gleichmäßigen zeitlichen Abständen über den Tag verteilt erfolgen, nach Belieben zusammen mit etwas Flüssigkeit, am besten vor den Mahlzeiten.
| Behandlungstage | Dosierung für Erwachsene | Maximaldosis |
| 1. Tag | Initialdosis: 50 Tropfen (=1 mg).Nach 2 Stunden 25 Tropfen (=0,5mg); ggf nach weiteren 2 Stunden erneut 25 Tropfen. | 4 x 25 Tropfen (= 2 mg) innerhalb von 24 Stunden |
| 2. – 3. Tag | 2 – 3 x täglich 25 Tropfen bis zum Abklingen der Schmerzen | |
| 4. Tag | Ggf. 2 x 25 Tropfen (bis zum Erreichen der Höchstdosis) | |
| Höchstdosis insgesamt | 12 x 25 Tropfen (= 6 mg) pro akutem Gichtanfall | |
| Danach mindestens 3 Tage lang kein Colchysat® Bürger mehr einnehmen. | ||
Wegen der geringen therapeutischen Breite von Colchicin ist sorgfältig auf die Einhaltung der Dosierung zu achten. Beim Auftreten von Durchfall und Erbrechen ist das Arzneimittel sofort abzusetzen, da dies erste Anzeichen einer Intoxikation sein können (siehe 4.4).
Kinder und Jugendliche
Colchysat® Bürger darf bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht angewendet werden.
Patienten mit Nierenfunktionsstörungen
Bei Patienten mit leichten bis mittelschweren Nierenfunktionsstörungen muss die Dosis reduziert oder die Intervalle zwischen den Einnahmen müssen verlängert werden. Die Patienten sind sorgfältig hinsichtlich Nebenwirkungen von Colchicin zu überwachen. Bei schwerer Nierenfunktionsstörung darf das Arzneimittel nicht angewendet werden, siehe 4.3.
Patienten mit Leberfunktionsstörungen
Bei Patienten mit Leberfunktionsstörungen darf das Arzneimittel nicht angewendet werden, siehe 4.3.
Colchysat® Bürger darf nicht eingenommen werden bei
-
Überempfindlichkeit gegen Colchicin oder einen der sonstigen Bestandteile, siehe 6.1
-
Kinderwunsch, in Schwangerschaft und Stillzeit (Risiko für Teratogenität), siehe 4.6
-
Männern, die bis zu 6 Monate nach Einnahme ein Kind zeugen wollen (Schädigung der Samenzellen), siehe 4.6
-
schwerer Nierenfunktionsstörung (eGFR < 30 mL/min), siehe 4.4
-
Blutbildveränderungen (z.B. Anämie)
-
schlechtem Allgemeinzustand (Polymorbidität)
-
Lebererkrankungen
-
bei gleichzeitiger Anwendung von P-Glycoprotein-Hemmern und starken CYP3A4-Hemmern, siehe 4.5
-
bei gleichzeitiger Anwendung von Cyclosporin A
-
Kindern und Jugendlichen
Wegen der geringen therapeutischen Breite von Colchicin ist sorgfältig auf die Einhaltung der Dosierung zu achten. Colchysat® Bürger darf nicht überdosiert werden. Es ist dabei auf eine absolute wie auch relative Überdosierung zu achten (siehe auch 4.5 Wechselwirkungen). Beim Auftreten von Durchfall und Erbrechen ist das Arzneimittel sofort abzusetzen, da dies erste Anzeichen einer Intoxikation sein können. Der Arzt sollte den Patienten darauf hinweisen, dass das Arzneimittel vor und nach dem Gebrauch für Dritte unzugänglich aufbewahrt werden muss, um möglichen Missbrauch zu vermeiden.
Colchicin kann schwere Blutbildveränderungen hervorrufen (Agranulozytose, aplastische Anämie, Thrombozytopenie). Die Änderungen der Blutwerte können langsam oder sehr plötzlich auftreten. Aplastische Anämie z.B. hat eine hohe Mortalitätsrate. Daher sind regelmäßige Blutuntersuchungen notwendig. Beim Auftreten von Hautveränderungen, wie Petechien, sollte sofort ein Bluttest erfolgen.
Colchysat® Bürger darf nicht eingenommen werden bei Anwendung von P–Glycoprotein-Hemmern, starken CYP3A4-Hemmern und Cyclosporin A (siehe Abschnitt 4.5), da das Risiko für das Auftreten von Nebenwirkungen von Colchicin erhöht sein kann.
Bei gleichzeitiger Anwendung von Clarythromycin mit Colchicin-haltigen Arzneimitteln wurden Todesfälle beschrieben.Die Behandlung des Gichtanfalls mit Colchysat® Bürger bedarf einer besonders intensiven ärztlichen Überwachung. Insbesondere bei alten und geschwächten Patienten und bei Patienten mit (leicht bis mittelgradig) eingeschränkter Nierenfunktion oder bekannten Magen-Darm- oder Herz-Erkrankungen sollte das Arzneimittel nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden, da das Risiko für das Auftreten von Nebenwirkungen bei ihnen erhöht ist. Bei Patienten mit Niereninsuffizienz ist das Risiko für Myopathien erhöht.
Bei gleichzeitiger Einnahme von Arzneimitteln, die zu Rhabdomyolysen führen können, insbesondere von Fibraten und HMG-CoA-Reduktase-Hemmern, kann das Risiko für das Auftreten von Rhabdomyolysen erhöht sein.
Patienten sollten sorgfältig darüber aufgeklärt werden, dass die Einnahme während der Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert ist. Frauen sollen über die Notwendigkeit einer sicheren Empfängnisverhütung während der Behandlung und für mindestens 3 Monate nach Absetzen von Colchicin aufgeklärt werden. Aufgrund der möglichen Schädigung der Samenzellen sollen Männer während der Behandlung und mindestens 6 Monate danach keine Kinder zeugen (siehe Abschnitt 4.6).
Dieses Arzneimittel enthält 24 Vol.-% Alkohol.
Bei Beachtung der Dosierungsanleitung werden bei jeder Einnahme von 50 Tropfen (2 ml) Colchysat® Bürger bis zu 0,5 g Alkohol zugeführt. Vorsicht ist geboten. Ein gesundheitliches Risiko besteht u. a. bei Leberkranken, Alkoholkranken, Epileptikern und Patienten mit organischen Erkrankungen des Gehirns. Die Wirkung anderer Arzneimittel kann beeinträchtigt oder verstärkt werden.
Colchicin ist ein Substrat des Enzyms Cytochrom P3A4 (CYP3A4) und des Transportproteins P-Glycoprotein (P-Gp). Deshalb darf Colchysat® Bürger nicht eingenommen werden bei gleichzeitiger Anwendung von
-
P-Glycoprotein-Hemmern (z.B. Amiodaron, Chinidin, Propafenon, Lansoprazol, Phenothiazine, Tamoxifen, Conivaptan, Dronedaron, Lapatinib, Lopinavir, Ranolazin, Telaprevir, Valspodar, Cyclosporin A) und
-
starken CYP3A4-Hemmern (z.B. Makrolidantibiotika wie Clarithromycin, Erythromycin, Telithromycin, Azithromycin, außerdem Fluconazol, Itraconazol, Ketoconazol, Indinavir, Nelfinavir, Ritonavir, Saquinavir, Aprepitant),
da das Risiko für das Auftreten von Nebenwirkungen von Colchicin erhöht sein
kann, siehe 4.3 und 4.4.
Bei gleichzeitiger Anwendung von Clarithromycin mit Colchicin-haltigen Arzneimitteln wurden Todesfälle beschrieben.
Colchicum-haltige Zubereitungen sind ferner ein Substrat für Multi-Drug-Resistance-Modulatoren wie Cyclosporin A. Bei Kombination beider Wirkstoffe wird die Entfernung von Colchicum-haltigen Zubereitungen aus den Zellen gehemmt und über nicht genau bekannte Mechanismen kann es zu Myopathien kommen (siehe Abschnitt 4.3). Die Wirkung sistiert nach Dosisreduktion oder Absetzen eines der beiden Medikamente.
Grapefruitsaft kann den Plasmaspiegel von Colchicin erhöhen. Grapefruitsaft sollte daher nicht zusammen mit Colchicum-Dispert® eingenommen werden.
Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Einnahme anderer Arzneimittel, die über CYP 3A4 metabolisiert werden (z.B. Tacrolimus, Amlodipin, Verapamil, Diltiazem, Sildenafil).
Für Calciumkanalblocker wie Verapamil oder Diltiazem (moderate Inhibitoren von CYP3A4) sollte die Colchicindosis gesenkt werden.
Bei gleichzeitiger Einnahme von Interferon-alpha kann die Wirksamkeit von Interferon-alpha vermindert sein.
Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Einnahme von Arzneimitteln, die zu Rhabdomyolysen führen können, insbesondere von Fibraten und HMG-CoA-
Reduktase-Hemmern (Simvastatin, Atorvastatin, Lovastatin), siehe 4.4.
Bei niereninsuffizienten Patienten ist bei gleichzeitiger längerfristiger Gabe von Colchicin mit einem HMG-CoA-Reduktasehemmer (Simvastatin, Atorvastatin und Lovastatin) über das Auftreten von Myopathien berichtet worden. Bei der gleichzeitigen Anwendung von Glucocorticoiden ist ebenso das Risiko für Myopathien erhöht.
Tierexperimentelle Studien zeigten, dass Colchicin die Spermatogenese negativ beeinflussen kann (siehe Abschnitt 5.3).
Da Samenzellen geschädigt werden können, sollten Männer, die mit Colchysat® Bürger behandelt werden, bis zu 6 Monate danach keine Kinder zeugen (siehe Abschnitt 4.3).
Sollte dennoch eine Schwangerschaft eintreten, ist die Möglichkeit einer genetischen Beratung zu nutzen.
Schwangerschaft:Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe Abschnitt 5.3).
Während einer Therapie mit Colchysat® Bürger ist für eine sichere Empfängnisverhütung zu sorgen. Diese Empfängnisverhütung sollte noch 3 Monate nach Beendigung der Behandlung mit Colchysat® Bürger betrieben werden.
In der Schwangerschaft darf Colchysat® Bürger nicht eingenommen werden (siehe Abschnitt 4.3).
Stillzeit:In der Stillzeit darf Colchysat Bürger nicht eingenommen werden, da Colchicin und seine Metaboliten in gestillten Säuglingen von behandelten Frauen nachgewiesen wurden (siehe Abschnitt 4.3). Zu den Wirkungen von Colchicin auf Säuglinge liegen keine ausreichenden Daten vor.
Nach Einnahme von Colchysat® Bürger ist die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr sowie zur Bedienung von Maschinen eingeschränkt.
Alkohol kann die durch Colchicin eingeschränkte Fähigkeit, aktiv am Straßenverkehr teilzunehmen sowie Maschinen zu bedienen, weiter verschlechtern.
Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeitsangaben zugrunde gelegt:
| Sehr häufig: | ( ≥ 10 % ) |
| Häufig: | ( ≥ 1% bis < 10 % ) |
| Gelegentlich: | ( ≥ 0,1 % bis < 1 % ) |
| Selten: | ( ≥ 0,01 % - < 0,1 % ) |
| Sehr selten: | ( < 0,01 %, einschließlich Einzelfälle) |
| Nicht bekannt | Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar |
| Systemorganklasse (MedDRA) | Häufigkeit | Nebenwirkungen |
| Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems | gelegentlich | hämolytische Anämie, aplastische Anämie, Thrombozytopenie, Agranulozytose, Leukopenie |
| Erkrankungen des Immunsystems | gelegentlich | allergische Reaktionen |
| sehr selten | Stevens-Johnson-Syndrom | |
| Erkrankungen des Nervensystems | häufig | Übelkeit, Benommenheit |
| Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes | häufig | Durchfälle, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe |
| Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes | gelegentlich | Pruritus, Purpurea, brennende Haut, Alopezie, Störungen des Nagelwachstums |
| Leber- und Gallenerkrankungen | sehr selten | Erhöhung der Leberenzyme |
| nicht bekannt | Hepatotoxizität | |
| Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen | häufig | Myoneuropathien, Muskelschwäche mit morphologischen Veränderungen |
| sehr selten | Rhabdomyolyse, Myopathien | |
| Erkrankungen der Nieren- und Harnwege | gelegentlich | Nierenschäden |
Bei der Kombination von Colchicum-haltigen Arzneimitteln mit Allopurinol kann sehr selten ein Stevens-Johnson-Syndrom auftreten.
Bei gleichzeitiger Gabe von Colchicin und Cyclosporin A oder anderen Multi-Drug-Resistance-(MDR)-Modulatoren können Myopathien auftreten. Die Symptomatik sistiert nach Dosisreduktion oder Absetzen eines der beiden Medikamente.
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen:
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung über das:
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz Kurt-Georg-Kiesinger Allee 3, D-53175 Bonn, Website: http://www.bfarm.de anzuzeigen.
Colchicin besitzt eine enge therapeutische Breite. Nebenwirkungen und toxische Symptome treten zunächst an Organen und Geweben mit hoher Proliferationsrate auf (z.B. Gastrointestinaltrakt, Knochenmark). Der Schweregrad der unerwünschten oder toxischen Wirkungen scheint proportional zur Dosis und Dauer der Einnahme zu steigen. Auch Dosen, die die maximale Tageshöchstdosis nicht überschreiten, können zu schwerwiegenden Symptomen führen, wenn sie über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Nach Aufnahme einer größeren Menge von Colchicin können gastrointestinale Symptome, multiple Organversagen und Tod innerhalb von 24 bis 72 Stunden auftreten.
Die tödliche Dosis variiert stark (7 - 65 mg Colchicin als Einzeldosis), liegt aber bei Erwachsenen im Allgemeinen bei 20 mg.
Klinik:
Bei Überdosierung sind folgende Intoxikationssymptome zu erwarten: 2 - 5 (bis 6,5) Stunden nach der oralen Einnahme Beginn der
Intoxikationssymptome. Im Vordergrund steht eine schwere, langandauernde hämorrhagische Enteritis mit Übelkeit, Erbrechen, Tenesmen, Koliken und Durchfällen, die aber auch fehlen können. Aufgrund der Durchfälle kann es zu Wasser- und Salzverlusten mit Ausbildung einer Hypokaliämie und Hyponatriämie sowie einer metabolischen Azidose kommen.
Mit erhöhtem Liquordruck muss gerechnet werden.
Eine häufige Begleiterscheinung der Vergiftung mit Colchicin ist die Präkordialangst, die auch mit Schmerzen einhergehen kann. Im weiteren Verlauf der Vergiftung treten Blässe, Temperaturabfall, Zyanose und Dyspnoe auf. Weiterhin sind eine Tachykardie sowie ein Blutdruckabfall bis hin zum Kollaps möglich. Seitens des Nervensystems zeigen sich die Vergiftungssymptome in Störungen der Aufnahme von Gefühls- und Sinnesreizen (Sensibilitätsstörungen), Krämpfen und Lähmungserscheinungen.
Der Tod tritt nach 2 - 3 Tagen durch Atemlähmung oder Herzversagen ein.
Bei Überleben der akuten Vergiftung kann eine Rebound-Leukozytose auftreten und es kann zu einer persistierenden Alopezie kommen.
Mitunter werden auch Störungen der Leberfunktion beobachtet. In Einzelfällen ist eine Erblindung berichtet worden.
Bei Überdosierung bzw. längerfristiger Einnahme von Colchicum-haltigen Arzneimitteln traten mehrere Fälle von Rhabdomyolysen (möglicherweise aufgrund von Wechselwirkungen) sowie von paralytischem Ileus auf.
Therapie von Intoxikationen
Die Therapie sollte so früh wie möglich beginnen. Der Therapiebeginn später als 2 Stunden nach der Einnahme kann das Therapieergebnis signifikant beeinträchtigen, da die Resorptionsdauer von Colchicin etwa bei 30 bis 120 Minuten liegt.
Die Therapie einer Colchicinvergiftung kann nur symptomatisch erfolgen, da es kein spezifisches Antidot gibt.
Bei einer akuten Vergiftung sollte möglichst rasch (innerhalb von 2 Stunden) durch eine Magenspülung und Einnahme von Aktivkohle (Carbo medicinalis) die Aufnahme des Colchicins in den Körper verhindert oder vermindert werden. Bei der Anwendung von Aktivkohle wird eine Initial-Dosierung von 1-2 g/kg Körpergewicht empfohlen. Dazu sollen Laxantien gegeben werden (20-30 g = 2 Esslöffel Glaubersalz (Natriumsulfat)).
Die symptomatische Behandlung besteht in der Stabilisierung des Kreislaufs, der Kontrolle der Atmung und der Korrektur eines Flüssigkeits- und Elektrolyt-Ungleichgewichts.
Bei Auftreten einer Lactatacidose wird eine umgehende Hämodialyse empfohlen. Opiate dürfen nicht verabreicht werden.
Die Nachbeobachtung der durch die Colchicin-Giftwirkung gefährdeten Organfunktionen (vor allem Leber, Niere und Knochenmark) ist erforderlich.
Pharmakologische Eigenschaften - Colchysat®
Pharmakotherapeutische Gruppe: Gichtmittel, Colchicin ATC-Code: M04AC01
Colchicin ist ein sog. Spindelgift und ein Metaphaseninhibitor. Colchicin blockiert die Ausbildung und den Umbau des sog. Zytoskeletts durch Hemmung der Tubulinkettenbildung. Dadurch hemmt es die Zellteilung, aber auch die Migration von nicht ortsständigen Zellen, wie z.B. der Leukozyten.
Als mögliches therapeutisches Wirkprinzip wird angenommen: Colchicin unterdrückt die Phagozytose von Uratkristallen durch Leukozyten und setzt somit sowohl die Zerstörung der Leukozyten-Zellmembran von innen als auch die Ausschüttung von
lysosomalen Enzymen, chemotaktischen Wirkstoffen und Milchsäure herab. Die Invasion neuer Granulozyten wird gemindert. Somit hemmt Colchicin sekundär die Präzipitation neuer Uratkristalle.
Colchicin beeinflusst die Harnsäurekonzentration in Blut und Gewebe nicht.
Resorption:
Colchicin wird im Magen-Darm-Kanal schnell und gut resorbiert.
Maximale Plasmaspiegel werden gewöhnlich nach 30 bis 120 Minuten erreicht.
Verteilung:
Colchicin penetriert schnell in die Zellen und hat ein großes Verteilungsvolumen (Vd. area) von 473 l. Aus dem Blutplasma verschwindet Colchicin schnell (Minuten). Leber, Niere, Leukozyten und Magen-Darm-Trakt enthalten hohe Colchicinkonzentrationen.
Aufgrund des molekularen Wirkmechanismus und der spezifischen Bindungsstellen von Colchicin an der Zelloberfläche (Transportproteine) sowie im Zytoplasma (Tubuline) kann aus den Daten über die Pharmakokinetik von Colchicin nicht auf die Wirkungsdauer geschlossen werden.
Elimination:
Colchicin wird in der Leber metabolisiert und bevorzugt über die Galle ausgeschieden. Ein enterohepatischer Kreislauf besteht. Die Elimination erfolgt hauptsächlich mit den Faeces (Metaboliten) und zu einem kleineren Teil über den Urin.
Pharmazeutische Angaben - Colchysat®
Die Haltbarkeit nach Herstellung beträgt 36 Monate, siehe Verfallsdatum auf der Packung. Die Haltbarkeit nach Anbruch des Behältnisses beträgt 3 Monate.
Braunglasflaschen mit Tropfeinsatz.
Originalpackungen mit:
30 ml Flüssigkeit zum Einnehmen