ABCD2 und TIA-Mimics: Differenzialdiagnose des transienten neurologischen Defizits
Transiente neurologische Symptome haben eine breite Differenzialdiagnose. Bis zu 60 % der in der Notaufnahme als TIA eingewiesenen Patienten haben in Wirklichkeit einen TIA-Mimic. Der ABCD2-Score ist nur bei gesichertem oder hochwahrscheinlichem TIA klinisch relevant — er ist kein Diagnoseinstrument.
ABCD2 Score – Schlaganfallrisiko nach TIA
7-Tages-Schlaganfallrisiko nach TIA (Score 0–7)
ABCD2-Score
Häufige TIA-Mimics
Migräne mit Aura: Positive Symptome (Lichtblitze, Kribbeln, das sich ausbreitet) sprechen eher für Migräne; negative Symptome (Schwäche, Taubheit ohne Ausbreitung) eher für TIA. Vorgeschichte bekannter Migräne hilft, ist aber nicht beweisend.
Epileptischer Anfall (Todd'sche Parese): Motorisches Defizit nach fokalem Anfall kann klinisch einem TIA ähneln. Zungenbiss, postiktale Erschöpfung und EEG-Veränderungen helfen bei der Differenzierung.
Hypoglykämie: Fokale neurologische Defizite bei Blutzucker < 3,5 mmol/L. Sofortige Glukosekontrolle in der Notaufnahme — immer, bevor TIA diagnostiziert wird.
Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPPV): Lagerungsabhängiger Schwindel mit positivem Dix-Hallpike-Test; keine anderen neurologischen Defizite. Der ABCD2-Score ist hier nicht anwendbar.
Synkope vasovagaler Genese: Bewusstlosigkeit ohne fokal-neurologisches Korrelat; typische Prodromi (Schwindel, Übelkeit, Schwarzwerden vor Augen) und schnelle vollständige Erholung.
Komplizierte Migräne / hemiplegische Migräne: Kann motorische Defizite verursachen, die sich klinisch kaum von einem TIA unterscheiden. Ausschlussdiagnose.
Merkmale, die eher gegen TIA sprechen
- Positive Symptome (Kribbeln, das sich ausbreitet, Lichtblitze, Bewegungen)
- Bewusstlosigkeit als alleiniges Symptom
- Marschcharakter der Symptome (von distal nach proximal)
- Vollständige Rückbildung in Sekunden
- Auslösung durch Lageänderung
- Hypoglykämie bei Messung
Merkmale, die eher für TIA sprechen
- Plötzlicher Beginn (Sekunden bis Minuten)
- Negative Symptome (Lähmung, Taubheit, Sehverlust, Aphasie)
- Dauer 2–24 Stunden (klassisch < 1 Stunde)
- Vaskuläre Risikofaktoren (Hypertonie, Diabetes, Vorhofflimmern, Rauchen)
- Alter > 50 Jahre
Häufige Fragen
Soll bei Verdacht auf TIA-Mimic trotzdem ein ABCD2-Score berechnet werden? Der Score ist nur sinnvoll, wenn ein TIA klinisch wahrscheinlich oder gesichert ist. Bei hoher Wahrscheinlichkeit eines TIA-Mimics sollte zunächst die Differenzialdiagnose geklärt werden.
Wie kann Hypoglykämie als TIA-Mimic schnell ausgeschlossen werden? Blutzuckermessung bei Ankunft — das ist obligat für alle Patienten mit transienten neurologischen Symptomen. Hypoglykämie ist sofort reversibel und schließt gleichzeitigen TIA nicht vollständig aus.
Kann ein TIA und eine Migräneaura gleichzeitig auftreten? Ja — eine „migrainöse Ischämie" ist selten, aber beschrieben. Bei Migräne-Patienten über 50 Jahren mit atypischen Aura-Symptomen sollte die TIA-Diagnostik nicht vernachlässigt werden.
ABCD2-Score beim gesicherten TIA berechnen
Rufen Sie den ABCD2-Score in Mediately auf, wenn das transiente neurologische Defizit klinisch einem TIA entspricht.
