ABCD2-Score und Bildgebung: Wann MRT oder CT nach TIA?
Zerebrale Bildgebung ist nach einer TIA obligat — der ABCD2-Score hilft, die Dringlichkeit zu priorisieren. Patienten mit hohem Score sollten möglichst innerhalb weniger Stunden bildgebend untersucht werden; bei niedrigem Score ist die Bildgebung innerhalb von 24 Stunden anzustreben.
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Bildgebungsempfehlungen nach ABCD2-Score
| Score | Risiko | Bildgebungsdringlichkeit |
|---|---|---|
| 0–3 | Niedrig | Innerhalb von 24 Stunden; MRT-DWI wenn verfügbar |
| 4–5 | Moderat | Innerhalb von 12–24 Stunden; MRT bevorzugt |
| 6–7 | Hoch | So früh wie möglich (< 6 h angestrebt); Stroke-Unit-Aufnahme |
MRT versus CT nach TIA
MRT mit Diffusionswichtung (DWI):
- Methode der Wahl — zeigt akute ischämische Läsionen bei 30–50 % klinisch definierter TIA-Patienten
- Ermöglicht Differenzierung TIA vs. Minor Stroke mit klinischen Konsequenzen
- Sensitivität für frische Ischämien deutlich höher als CT
CT des Schädels:
- Schnell verfügbar, sinnvoll zum Blutungsausschluss
- Zeigt keine frischen Ischämien bei TIA zuverlässig
- In Zentren ohne sofortige MRT-Verfügbarkeit als initialer Schritt vertretbar
ABCD2 Score – Schlaganfallrisiko nach TIA
7-Tages-Schlaganfallrisiko nach TIA (Score 0–7)
ABCD2-Score
Gefäßdiagnostik: Parallel zur zerebralen Bildgebung
Alle TIA-Patienten benötigen eine Karotis- und intrakranielle Gefäßdiagnostik:
- Duplexsonographie der hirnversorgenden Arterien — erste Wahl, sofort verfügbar
- MR-Angiographie oder CTA — bei unklarem Duplexbefund oder V.a. intrakranielle Stenose
- Bei Stenose > 70 %: Karotis-TEA oder Stenting innerhalb von 48–72 h nach TIA (maximaler Benefit in diesem Zeitfenster)
ABCD2-I: Die erweiterte Score-Version mit Bildgebung
Der ABCD2-I integriert Befunde der DWI-MRT oder der Karotissonographie in die Risikostratifizierung. Bei verfügbarer MRT ist ABCD2-I dem klassischen ABCD2 überlegen und sollte bevorzugt eingesetzt werden.
Einschränkungen
- ABCD2 macht Bildgebung nicht verzichtbar: Auch bei Score 0–3 können akute Ischämien im MRT nachgewiesen werden, die das Management verändern.
- Die MRT-Verfügbarkeit rund um die Uhr variiert zwischen Versorgungsebenen — bei eingeschränkter Verfügbarkeit ist die CT ein vertretbarer erster Schritt.
- Bildgebung ersetzt nicht die Herzrhythmusdiagnostik und vaskuläre Abklärung.
Häufige Fragen
Ist ein CT bei TIA ausreichend oder sollte immer ein MRT erfolgen? Ein MRT mit DWI ist dem CT bei TIA deutlich überlegen. Nur der Blutungsausschluss gelingt mit CT zuverlässig. Für die vollständige TIA-Abklärung inklusive Ischämienachweis und Gewebecharakterisierung ist ein MRT-DWI anzustreben.
Was ändert sich therapeutisch, wenn das MRT eine akute Läsion zeigt? Aus klinischer TIA wird bei DWI-Positivität ein Minor Stroke — die Prognose und damit die Intensität der weiteren Abklärung und Überwachung können sich ändern. Doppelte Thrombozytenaggregationshemmung ist im Minor-Stroke-Kontext gut belegt (CHANCE-, POINT-Studie).
Wann ist eine Notfall-Bildgebung auch bei niedrigem ABCD2-Score indiziert? Wenn klinische Warnsignale vorliegen: rasch progrediente Symptome, V.a. Dissektion (Nackenschmerz, junger Patient), Rezidiv-TIA oder wenn die Symptomatik noch nicht vollständig remittiert ist.
Quellen
- DGN. S2k-Leitlinie Transitorische ischämische Attacke. AWMF 030-098. 2022.
- NICE. Stroke and transient ischaemic attack in over 16s: diagnosis and initial management. NG128. 2019.
- Coutts SB et al. ABCD2 scores and rates of subsequent stroke in patients with transient ischemic attacks. Stroke. 2011.
