ABCD2 und TIA-Diagnostik: Bildgebung, D-Dimer und Algorithmus
Der ABCD2-Score ist ein Baustein im diagnostischen Algorithmus nach TIA — er schätzt das Risiko, steuert aber nicht allein die Entscheidung. Die Bildgebung (bevorzugt MRT mit DWI), die Kardiologie (EKG, Langzeit-EKG) und die Gefäßdiagnostik (Doppler/Duplex der supraaortalen Gefäße) sind bei allen TIA-Patienten indiziert.
ABCD2 Score – Schlaganfallrisiko nach TIA
7-Tages-Schlaganfallrisiko nach TIA (Score 0–7)
ABCD2-Score
Diagnostischer Algorithmus nach TIA
ABCD2 0–3 (niedriges Risiko): Dringliche ambulante Abklärung innerhalb von 24 Stunden in einer TIA-Sprechstunde oder Stroke Unit. MRT mit DWI, Langzeit-EKG, Doppler-Sonographie der Karotiden.
ABCD2 4–5 (mittleres Risiko): Stationäre Aufnahme oder rasche Diagnostik innerhalb von 24 Stunden. Zerebrale MRT (bei Nicht-Verfügbarkeit: CT), EKG, Echokardiographie, Labordiagnostik.
ABCD2 6–7 (hohes Risiko): Sofortige stationäre Aufnahme auf Stroke Unit. Zerebrale Bildgebung, Herzmonitoring und Beginn der Antithrombotika-Therapie noch am selben Tag.
Bildgebung nach TIA: MRT vs. CT
| MRT mit DWI | CT | |
|---|---|---|
| Nachweis frischer Ischämien | Sehr hoch sensitiv | Niedrig sensitiv in der Akutphase |
| Verfügbarkeit | Eingeschränkt (24/7) | Meist sofort verfügbar |
| Empfehlung ESO | Erste Wahl | Falls MRT nicht verfügbar |
Zusatzdiagnostik, die den Score ergänzt
- Vorhofflimmern: EKG + Langzeit-EKG (72 h). FA-Nachweis ändert Therapiestrategie (Antikoagulation statt Thrombozytenhemmung)
- Karotisstenose: Doppler/Duplex-Sonographie. Hochgradige Stenose → Intervention innerhalb von 14 Tagen
- Bildgebung: Frische DWI-Läsion erhöht Rezidivrisiko unabhängig vom ABCD2-Score
Grenzen des Algorithmus
- Der ABCD2-Score ist nicht validiert für Patienten, die bereits Antikoagulanzien einnehmen
- Bei Patienten mit Vorhofflimmern ist der Score zur Risikoabschätzung nicht geeignet — das Schlaganfallrisiko wird durch den CHA2DS2-VA-Score bestimmt
- Die Bildgebungsverfügbarkeit variiert stark zwischen den Versorgungsstufen
Häufige Fragen
Soll das MRT vor oder nach der Antikoagulation erfolgen? Die Bildgebung sollte so früh wie möglich erfolgen — idealerweise vor Therapiebeginn, um Hämorrhagien auszuschließen. Bei hohem klinischem Verdacht kann eine empirische Antithrombotika-Gabe parallel zur Diagnostik sinnvoll sein.
Was tun, wenn das MRT keine Läsion zeigt, die Klinik aber eindeutig für TIA spricht? Eine klinisch eindeutige TIA bleibt eine TIA — auch ohne Bildgebungskorrelat. Die Therapie und Abklärung orientieren sich an der klinischen Diagnose, nicht am MRT-Befund.
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