Alkoholische Hepatitis: Diagnose, Klinik und Einsatz des Maddrey-Scores
Die alkoholische Hepatitis ist eine akute inflammatorische Lebererkrankung bei Patienten mit erheblichem Alkoholkonsum. Die Diagnose erfolgt primär klinisch; die Maddrey-Diskriminanzfunktion quantifiziert dann den Schweregrad und steuert die Therapieentscheidung.
Alkoholische Hepatitis-Scores
Modifizierte Maddrey-Score, Glasgow Alcoholic Hepatitis Score und Lille-Modell für alkoholische Hepatitis
Maddrey-Score
Glasgow Alcoholic Hepatitis Score
Klinische Diagnosekriterien
Die Diagnose einer alkoholischen Hepatitis erfordert alle drei Kriterien:
- Signifikanter Alkoholkonsum (> 40 g/Tag bei Männern, > 20 g/Tag bei Frauen) für > 6 Monate, zuletzt in den 8 Wochen vor Symptombeginn
- Ikterus (Serumbilirubin > 3 mg/dL)
- Anstieg der Lebertransaminasen (GOT/AST > 50 U/L; GOT/GPT > 1,5 mit GOT < 400 U/L)
Typische Laborbefunde
- Bilirubin: erhöht (oft > 5 mg/dL bei schwerem Verlauf)
- GOT/AST: erhöht; GOT/GPT-Ratio > 2 ist charakteristisch
- GGT: meist stark erhöht
- Leukozytose: häufig (infektiöse Ursache ausschließen)
- PT/INR: verlängert — zentrales Kriterium der Maddrey-Formel
- Albumin: erniedrigt bei schwerer Erkrankung
Wann eine Leberbiopsie sinnvoll ist
Die Biopsie bestätigt die histologische Diagnose (Mallory-Denk-Körper, neutrophile Infiltrate, ballonierte Hepatozyten), ist aber nicht immer erforderlich:
- Bei atypischer Präsentation oder unklarer Ätiologie
- Vor Kortikosteroidtherapie bei diagnostischer Unsicherheit
- Bei Verdacht auf andere Lebererkrankungen (NASH, autoimmune Hepatitis)
Differenzialdiagnosen
- Bakterielle Sepsis/Cholangitis: Leukozytose + Fieber ähnlich; Blutkulturen und Sonographie differenzieren
- Ischämische Hepatitis: Sehr hohe Transaminasen (> 1000 U/L); Schockanamnese
- Virale Hepatitis (HAV, HBV, HCV): Serologie; GOT/GPT-Ratio < 1
- NASH-bedingte Dekompensation: Kein oder wenig Alkohol; metabolisches Syndrom
Häufige Fragen
Kann eine alkoholische Hepatitis ohne bekannte Leberzirrhose auftreten? Ja. Etwa 40 % der Patienten mit alkoholischer Hepatitis haben bei Diagnosestellung keine vorbestehende Zirrhose — die Entzündung entsteht de novo. Bei schwerer Hepatitis entwickelt sich aber häufig eine rasch progrediente Leberfunktionsverschlechterung.
Welche Rolle spielt die Ernährungstherapie? Malnutrition ist bei der alkoholischen Hepatitis universell. Enterale Ernährung (mindestens 1.500 kcal/Tag, 1,5 g Protein/kg/Tag) ist essenziell — auch parallel zur Kortikosteroidtherapie — und verbessert den Verlauf.
Maddrey-Score nach Diagnosestellung berechnen
Rufen Sie die Maddrey-Diskriminanzfunktion in Mediately auf, um den Schweregrad nach gesicherter Diagnose zu bestimmen.
