Friedewald-Formel: LDL-Cholesterin berechnen
Die Friedewald-Formel ermöglicht die Schätzung des LDL-Cholesterins aus den drei Standardparametern des Lipidprofils: Gesamtcholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyzeride. Sie wurde 1972 von Friedewald, Levy und Fredrickson publiziert und ist bis heute die in Europa meistgenutzte Methode zur LDL-Bestimmung.
Die Formel
In mg/dL (Standardeinheit in Deutschland):
LDL-C [mg/dL] = Gesamtcholesterin [mg/dL] − HDL-C [mg/dL] − Triglyzeride [mg/dL] / 5
In mmol/L:
LDL-C [mmol/L] = Gesamtcholesterin [mmol/L] − HDL-C [mmol/L] − Triglyzeride [mmol/L] / 2,2
Hintergrund: Das VLDL-Cholesterin wird nicht direkt gemessen, sondern über Triglyzeride geschätzt. Der empirische Faktor 5 (mg/dL) basiert auf der Beobachtung, dass das Verhältnis von Triglyzeriden zu VLDL-C unter Nüchternbedingungen bei Normolipidämikern annähernd konstant ist.
Friedewald-Formel: LDL-C & LDL/HDL-Quotient Rechner
Berechnung des LDL-Cholesterins und Lipid-Quotienten zur kardiovaskulären Risikobewertung.
LDL-Cholesterin
Non-HDL-Cholesterin
Voraussetzungen und Grenzen
| Voraussetzung | Details |
|---|---|
| Nüchternprobe | 8–12 Stunden Nahrungskarenz vor Blutentnahme |
| Triglyzeride < 400 mg/dL | Obligate Voraussetzung; oberhalb dieses Grenzwertes ist die Formel nicht anwendbar |
| Kein Typ-III-HLP | Dysbetalipoproteinämie invalidiert das TG/VLDL-Verhältnis |
| Keine Chylomikronen | Relevant bei nicht-nüchternen Proben oder Typ-I-HLP |
Messungenauigkeit: Da drei separate Messwerte kombiniert werden, akkumulieren Messfehler. Bei sehr niedrigen LDL-C-Werten (< 50–70 mg/dL, relevant bei PCSK9-Hemmer-Therapie) nimmt die Präzision der Formel ab.
Alternative Formeln und Parameter
| Methode | Anwendung |
|---|---|
| Non-HDL-Cholesterin | TG ≥ 400 mg/dL; ESC/EAS sekundäres Therapieziel |
| Apolipoprotein B (ApoB) | Diabetes, metabolisches Syndrom, hohe TG; superiorer Prädiktor bei Nicht-Nüchternproben |
| Direktes LDL-C | Wenn Friedewald nicht anwendbar; notwendig bei PCSK9-Monitoring |
| Sampson-Formel (2020) | Verbesserte Schätzung bei TG bis 800 mg/dL und niedrigen LDL-C-Werten |
Historischer Kontext
Friedewald WT, Levy RI und Fredrickson DS entwickelten die Formel als kosteneffiziente Alternative zur Ultrazentrifugation. Sie basiert auf einer Querschnittserhebung und wurde ursprünglich an einem US-amerikanischen Kollektiv entwickelt. Für europäische Populationen und bestimmte ethnische Gruppen existieren Anpassungsvorschläge.
Einschränkungen
- Die Formel unterschätzt das wahre LDL-C bei hohen Triglyzeriden systematisch.
- Sie liefert keine direkten Informationen über LDL-Partikelgröße oder -anzahl.
- Für Patienten unter intensiver Lipidtherapie mit Zielwerten < 55 mg/dL ist direktes LDL-C genauer.
Häufige Fragen
Warum unterscheidet sich der Divisor je nach Einheit? Der Faktor 5 gilt für mg/dL, da dort die empirisch ermittelte Konstante für TG/VLDL gilt. In mmol/L ergibt sich nach Einheitenumrechnung ein Divisor von 2,2. Beide Formeln liefern bei korrekter Eingabe identische Ergebnisse.
Gibt es neuere Formeln, die Friedewald ersetzen? Die Sampson-Formel (2020, NIH) zeigt bei sehr niedrigen LDL-C-Werten und erhöhten Triglyzeriden eine bessere Präzision als Friedewald. Sie ist in spezialisierten Lipidkontexten in Verwendung.
Welche Labore in Deutschland verwenden direktes LDL-C? Viele Labore bieten direktes LDL-C auf Anfrage an. Bei Standardlipidprofilen wird in Deutschland üblicherweise das berechnete LDL-C nach Friedewald angegeben.
LDL-C nach Friedewald berechnen →
Quellen
- Friedewald WT, Levy RI, Fredrickson DS. Estimation of LDL cholesterol without ultracentrifuge. Clin Chem. 1972;18(6):499–502.
- Sampson M et al. A New Equation for Calculation of Low-Density Lipoprotein Cholesterol. JAMA Cardiol. 2020;5(5):540–548.
- Mach F et al. 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. Eur Heart J. 2020;41(1):111–188.
