Karnofsky-Index in der Palliativmedizin: Pflegebedarf einschätzen
In der Palliativmedizin wird der Karnofsky Performance Status zur Dokumentation des funktionellen Verlaufs und als Grundlage für Gespräche über Versorgungsintensität und Therapieziele eingesetzt. KPS-Werte unter 50 sind in onkologischen Palliativsettings mit einem deutlich verkürzten Prognoseintervall assoziiert.
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KPS-Orientierungswerte in der Palliativmedizin
KPS 50: Erhebliche Unterstützung und häufige medizinische Betreuung erforderlich; Selbstversorgung in Teilen möglich.
KPS 40: Pflegebedürftig; besondere Betreuung und Hilfe notwendig; keine Selbstversorgung.
KPS 30: Schwer krank; Krankenhausaufnahme angezeigt; Tod nicht unmittelbar bevorstehend.
KPS 20: Sehr krank; Krankenhausbehandlung notwendig; aktive unterstützende Behandlung erforderlich.
KPS 10: Moribund; lebensbedrohliche Prozesse schreiten rasch fort.
Prognosekorrelation: Bei KPS 10–20 liegt das mediane Überleben in vielen Studien unter Wochen; bei KPS 30–40 sind Monate möglich. Dies ist stark individualabhängig und darf nicht als sichere Prognose für den Einzelpatienten kommuniziert werden.
Karnofsky-Index – Funktionsstatus Onkologie
Karnofsky-Index
Klinische Anwendung
- Initiale Beurteilung bei Übernahme in die Palliativversorgung
- Serielle Verlaufsbeobachtung und Dokumentation funktioneller Veränderungen
- Kommunikation mit Pflege, Sozialdienst und Angehörigen
- Dokumentation im Rahmen der Vorausplanung (Advance Care Planning)
- Grundlage für Gespräche über Versorgungsort und -intensität
Einschränkungen
- KPS allein ist kein zuverlässiger Prädiktor für das individuelle Überleben
- Im Einzelfall können erhebliche Abweichungen von Gruppenstatistiken bestehen
- Neben KPS sind Diagnose, Symptomlast, sozialer Kontext und Patientenwille entscheidend
- Ergänzende palliative Assessmentinstrumente (PPS, PPI) bieten zusätzliche Informationen
Häufige Fragen
Welche anderen Skalen ergänzen den KPS in der Palliativmedizin? Die Palliative Performance Scale (PPS) und der Palliative Prognostic Index (PPI) sind häufig eingesetzte Ergänzungen. PPS ist eng an Karnofsky angelehnt, aber auf die Palliativsituation zugeschnitten.
Kann KPS für die Planung des Pflegeaufwands verwendet werden? KPS gibt eine klinische Orientierung; eine detaillierte Pflegebedarfsermittlung erfordert standardisierte Pflegeassessments und die direkte Einschätzung des Pflegeteams.
Korreliert KPS mit der Überlebenszeit? Studien zeigen eine Korrelation auf Gruppenebene. Auf Einzelpatientenebene ist KPS kein präzises prognostisches Instrument; individuelle Variabilität ist erheblich.
Abschließender Hinweis
Das Tool unterstützt die Dokumentation des Karnofsky Performance Status im palliativmedizinischen Verlauf.
Quellen
- Karnofsky DA, Burchenal JH. 1949
- Anderson F et al. Palliative performance scale (PPS). J Palliat Care. 1996
- Pirovano M et al. A new palliative prognostic score. J Pain Symptom Manage. 1999
- Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (dgpalliativmedizin.de)
