LDL-C-Zielwerte nach ESC/EAS: Risikokategorien im Überblick
Die ESC/EAS-Leitlinie zur Behandlung von Dyslipidämien (2019) sowie das Fokus-Update 2025 definieren LDL-C-Zielwerte in Abhängigkeit vom kardiovaskulären Gesamtrisiko. Das berechnete LDL-C ist dabei der primäre Therapieparameter.
LDL-C-Zielwerte nach Risikokategorie
| Risikokategorie | Charakteristika | LDL-C-Zielwert | Reduktionsziel |
|---|---|---|---|
| Niedrig | SCORE2 < 2,5 % (< 50 J.) / < 5 % (50–69 J.) | < 116 mg/dL (< 3,0 mmol/L) | entfällt |
| Moderat | SCORE2 2,5–7,5 % (< 50 J.) / 5–10 % (50–69 J.) | < 100 mg/dL (< 2,6 mmol/L) | entfällt |
| Hoch | SCORE2 ≥ 7,5 % (< 50 J.) / ≥ 10 % (50–69 J.); Diabetes ohne Organschäden; FH ohne ASCVD | < 70 mg/dL (< 1,8 mmol/L) | ≥ 50 % |
| Sehr hoch | Dokumentierte ASCVD; Diabetes mit Endorganschäden; CKD G3b–G5; FH mit sehr hohem Risiko | < 55 mg/dL (< 1,4 mmol/L) | ≥ 50 % |
| Extrem hoch (ESC 2025) | Polyvaskuläre Erkrankung oder kardiovaskuläres Ereignis trotz maximaler Lipidtherapie | < 40 mg/dL (< 1,0 mmol/L) | ≥ 50 % |
Friedewald-Formel: LDL-C & LDL/HDL-Quotient Rechner
Berechnung des LDL-Cholesterins und Lipid-Quotienten zur kardiovaskulären Risikobewertung.
LDL-Cholesterin
Non-HDL-Cholesterin
Besonderheiten für die klinische Praxis
Doppeltes Therapieziel: Für hohes, sehr hohes und extremes Risiko gilt: Der absolute Zielwert und eine relative Reduktion von mindestens 50 % vom Ausgangswert müssen beide erreicht werden.
Non-HDL-C als Sekundärziel: Neben LDL-C empfehlen ESC/EAS das Non-HDL-Cholesterin als Sekundärziel, insbesondere bei Triglyzeriderhöhung. Zielwert: LDL-C-Ziel + 30 mg/dL (+ 0,8 mmol/L).
ApoB als Alternativparameter: Bei hohen Triglyzeriden, Diabetes oder metabolischem Syndrom bietet Apolipoprotein B eine Alternative zum berechneten LDL-C. Zielwert je nach Risikoklasse: < 65–80 mg/dL.
Therapiekontext
Die Zielwerte gelten für alle lipidsenkenden Interventionen:
- Statine (hochintensiv: Atorvastatin 40–80 mg, Rosuvastatin 20–40 mg)
- Ezetimib (Add-on bei unzureichender Statinwirkung)
- PCSK9-Inhibitoren (Evolocumab, Alirocumab; für sehr hohes und extremes Risiko)
- Bempedoinsäure (ESC 2025 als dritte orale Therapieoption aufgenommen)
Einschränkungen
- Die DEGAM S3-Leitlinie und die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) äußern Vorbehalte gegenüber strikten LDL-C-Zielwerten in der Primärprävention. Für eine differenzierte Beratung von Patienten mit niedrigem oder moderatem Risiko ist diese Kontroverse klinisch relevant.
- Die ESC-Zielwerte basieren primär auf Daten aus Sekundärpräventionsstudien; die Übertragbarkeit auf die Primärprävention wird in Deutschland unterschiedlich bewertet.
Häufige Fragen
Gelten die ESC-Zielwerte auch für die Primärprävention? Formal ja. In der deutschen Praxis werden die Zielwerte für Primärpräventionspatienten mit niedrigem bis moderatem Risiko jedoch weniger streng verfolgt. Die DEGAM-Leitlinie empfiehlt einen risikobasierten Ansatz ohne starre Zielwerte für diese Gruppe.
Welchen LDL-C-Zielwert hat ein Patient mit Herzinfarkt in der Vorgeschichte? Sehr hohes Risiko: LDL-C < 55 mg/dL und mindestens 50 % Reduktion. Bei erneutem kardiovaskulärem Ereignis trotz laufender maximaler Therapie (extremes Risiko): LDL-C < 40 mg/dL.
Ab wann sind PCSK9-Inhibitoren nach ESC indiziert? Bei sehr hohem Risiko und LDL-C-Werten oberhalb des Zielwertes trotz maximaler tolerierbarer Statindosis und Ezetimib.
LDL-C berechnen und dokumentieren →
Quellen
- Mach F et al. 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. Eur Heart J. 2020;41(1):111–188.
- ESC/EAS 2025 Focused Update on Lipid-lowering Therapies. Eur Heart J. 2025.
- DGK. Kommentar zu den Leitlinien der ESC/EAS (2025). Die Kardiologie. 2025.
- DEGAM S3-Leitlinie Hausärztliche Risikoberatung zur kardiovaskulären Prävention. AWMF 053-024. 2024.
