Nicht-HDL-Cholesterin: Berechnung und Zielwerte nach ESC-Leitlinie 2019
Das Nicht-HDL-Cholesterin (Non-HDL-C) erfasst den Cholesterinanteil in allen atherogenen Lipoproteinen: LDL, VLDL, IDL und Lp(a). Es ist einfach aus dem Standardlipidprofil berechenbar und bei erhöhten Triglyzeriden dem LDL-C als Risikoparameter überlegen.
Berechnung des Non-HDL-C
Non-HDL-C = Gesamtcholesterin − HDL-C
Die Berechnung ist einfach, erfordert keine Nüchternblutentnahme und ist auch bei Triglyzeriden > 400 mg/dL valide — anders als das berechnete LDL nach Friedewald.
Beispiel: Gesamtcholesterin 220 mg/dL, HDL-C 48 mg/dL → Non-HDL-C = 172 mg/dL
Zielwerte nach ESC/EAS 2019
Non-HDL-C-Zielwerte liegen 30 mg/dL (0,8 mmol/L) über dem LDL-C-Ziel:
| Risikokategorie | LDL-C-Ziel | Non-HDL-C-Ziel |
|---|---|---|
| Niedrig | < 116 mg/dL | < 145 mg/dL |
| Moderat | < 100 mg/dL | < 130 mg/dL |
| Hoch | < 70 mg/dL | < 100 mg/dL |
| Sehr hoch | < 55 mg/dL | < 85 mg/dL |
Friedewald-Formel: LDL-C & LDL/HDL-Quotient Rechner
Berechnung des LDL-Cholesterins und Lipid-Quotienten zur kardiovaskulären Risikobewertung.
LDL-Cholesterin
Non-HDL-Cholesterin
Wann ist Non-HDL-C dem LDL-C vorzuziehen?
- Hypertriglyzeridämie (TG ≥ 200 mg/dL): Friedewald-LDL ungenau; Non-HDL-C bleibt valide
- Nüchternprobe nicht möglich: Non-HDL-C ist auch aus postprandialem Blut zuverlässig
- Diabetische Dyslipidämie: Atherogenitätsrisiko durch VLDL/IDL besser abgebildet
- Lp(a)-Erhöhung: Lp(a) ist in Non-HDL-C enthalten (nicht im LDL-C nach Friedewald)
- Metabolisches Syndrom: Vollständigere Risikoabbildung
Non-HDL-C vs. ApoB: Ergänzende Parameter
ApoB misst die Anzahl atherogener Partikel und ist Non-HDL-C in bestimmten Situationen überlegen (z.B. bei kleinen, dichten LDL-Partikeln). Die ESC-Leitlinie führt ApoB als Sekundärparameter neben Non-HDL-C. In der deutschen Routineversorgung ist Non-HDL-C als einfacher verfügbar und ausreichend etabliert.
Einschränkungen
- Non-HDL-C ist kein Ersatz für LDL-C als primäres Therapieziel — die Statintherapie wird nach LDL-C-Reduktion geführt.
- Non-HDL-C integriert Lp(a), kann also bei hohen Lp(a)-Werten das LDL-abhängige Risiko überschätzen.
- In Studien und Zulassungen von Lipidsenkern wird LDL-C als primärer Endpunkt verwendet — Non-HDL-C ist ein validiertes Ergänzungskriterium.
Häufige Fragen
Kann bei erhöhten Triglyzeriden ausschließlich Non-HDL-C zur Therapiesteuerung verwendet werden? Als praktische Alternative bei TG ≥ 400 mg/dL ja. Für die vollständige Risikobeurteilung und Dokumentation ist es jedoch sinnvoll, nach Triglyzeridnormalisierung (z.B. nach Behandlung) wieder auf LDL-C umzusteigen.
Warum liegen die Non-HDL-C-Ziele 30 mg/dL über dem LDL-C-Ziel? Das VLDL-Cholesterin macht bei normaler Triglyzeridämie ca. 30 mg/dL des Non-HDL-C aus. Die Addition dieses Anteils führt zu den korrespondierenden Non-HDL-Zielen. Bei erhöhten Triglyzeriden ist der VLDL-Anteil höher, was den Vorteil des Non-HDL-C gegenüber LDL-C verstärkt.
Ersetzt Non-HDL-C die Bestimmung von ApoB? In der Routineversorgung ist Non-HDL-C eine suffiziente Alternative zu ApoB. ApoB ist der präzisere Marker bei Small-Dense-LDL und Hypertriglyzeridämie, aber in Deutschland nicht flächendeckend standardisiert und teurer.
Quellen
- Mach F et al. 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. Eur Heart J. 2020.
- Sniderman AD et al. A meta-analysis of low-density lipoprotein cholesterol, non-high-density lipoprotein cholesterol, and apolipoprotein B as markers of cardiovascular risk. Circ Cardiovasc Qual Outcomes. 2011.
- Boren J et al. Low-density lipoproteins cause atherosclerotic cardiovascular disease. Eur Heart J. 2020.
